

Auch im Ort hatte man zu dieser Zeit bereits bemerkt, dass etwas nicht stimmte. Im benachbarten Dorflädchen berichteten einzelne Hotelgäste während der Weihnachtszeit, es sei kühl in den Zimmern gewesen, Speisen und Getränke seien zeitweise nicht verfügbar gewesen. Wer damals fragte, was im »De Lange Man« eigentlich los sei, bekam keine Antwort.
Unzufriedene Gäste auf Bewertungsportalen
Das Bild, das sich peu à peu zusammenfügte, war eindeutig: Die Pächter hatten das Hotel Anfang des Jahres verlassen und den Hotelbetrieb eingestellt. Auf gängigen Bewertungsportalen wie HolidayCheck häuften sich derweil Einträge, die von schlechtem Essen und mangelhaftem Service berichteten. Anfang Januar war schließlich auch die Homepage des Hotels nicht mehr erreichbar.
Seit Februar 2024 hatten die neuen Pächter das Hotel übernommen – jenes Haus, das Robert Hoevenaars über mehr als zwei Jahrzehnte mit viel Herzblut aufgebaut hatte. Der Niederländer, im Ort ebenfalls liebevoll »der lange Man« genannt, hatte die beiden sorgfältig ausgewählt. »Ich habe mir die Pächter natürlich vorher genau angeschaut und war eigentlich sehr positiv gestimmt«, erklärt Hoevenaars im Gespräch mit dem WochenSpiegel.
Ab dem Sommer 2025 aber häuften sich die Beschwerden – und sie landeten zunehmend auch bei Hoevenaars persönlich. »Da meldeten sich nicht nur alte Stammgäste, sondern auch Lieferanten, die Rückfragen zu offenen Anliegen hatten«, sagt er. Solange der Pachtvertrag gültig war, seien ihm die Hände gebunden gewesen. Als dann das Personal des Hotels wiederholt um Hilfe bat, wurde er aktiv. »Viele Mitarbeiter sind ja noch die gleichen, die auch schon bei uns gearbeitet haben. Es tat mir sehr leid zu hören, wie alleine sie sich fühlten«, sagt Hoevenaars.
Er versuchte wiederholt das Gespräch mit den Pächtern zu suchen, bot seine Hilfe an – doch Termine wurden kurzfristig abgesagt. Eine Räumungsklage ließ er zwar prüfen, brachte sie aber letztlich nicht übers Herz: »Ich wollte eine Perspektive für das Hotel und keine Eskalation. Daher habe ich alles daran gesetzt, dass wir uns außergerichtlich und friedlich einigen.« Am 19. Februar konnte schließlich ein Aufhebungsvertrag unterzeichnet werden. Was Hoevenaars beim ersten Betreten seines Hotels vorfand, übertraf seine Befürchtungen: »Uns schlug erstmal Gestank entgegen, denn die Pächter hatten auch Lebensmittel im Kühlraum liegen lassen. Auch die Weihnachtsdekoration war noch angebracht und die Küche chaotisch«, berichtet er. Mit vereinten Kräften packte die Familie Hoevenaars an: Das gesamte Hotel wurde gründlich gereinigt, die Gastanks wieder aufgefüllt, damit das Gebäude endlich wieder geheizt werden kann. Doch das war erst der Anfang. Darüber hinaus sieht der Eigentümer Renovierungsbedarf. In den vergangenen zwei Jahren seien aus seiner Sicht notwendige Instandhaltungen nicht durchgehend erfolgt. Nun soll das Haus in neuem Glanz erstrahlen: Die Zimmer werden saniert, der Speisesaal komplett renoviert und neu eingerichtet, die Terrasse in einen Lounge-Bereich verwandelt.
Neues Konzept als Boutique-Hotel
Auch das Konzept des Hotels wird sich leicht verändern. »Wir verstehen uns künftig als Boutique-Hotel und werden abends kein Buffet mehr anbieten, sondern eine Bistro-Karte«, erklärt Hoevenaars. Anfang Mai soll das Hotel voraussichtlich neu eröffnen – diesmal wieder unter der Regie des Inhabers selbst, unterstützt von seiner Frau und seinem Sohn, der inzwischen ebenfalls Feuer für das Hotelgewerbe gefangen hat.
Die negativen Bewertungen im Netz schrecken Hoevenaars nicht ab. »Wir wollen Schritt für Schritt zeigen, wofür unser Haus steht.« Rückenwind bekommt er von vielen Stellen: Mitarbeiter wollen zurückkehren, Lieferanten stehen wieder bereit – und die Rohrener empfingen ihren langen Mann mit offenen Armen. »Alle grüßen freundlich, und es ist schön zu sehen, dass sie sich über unsere Rückkehr freuen.«
Anm. d. Redaktion: Die ehemaligen Pächter waren trotz mehrfacher Versuche per E-Mail und Telefon über die auf der Website angegebenen Kontaktdaten nicht erreichbar.



