

Simmerath (Fö). »Ausgebildete Tischler oder Zimmerer sind uns die Liebsten, denn sie wissen, was sie wollen.« Leif Arne Peterson, Holzbauprofessor an der Fachhochschule Aachen, macht keinen Hehl daraus, dass er praxisnahe Studenten mag. Denn durch sie lasse sich Erforschtes direkt anwenden. »Hier in Simmerath arbeiten Forschung, Innovation und Praxis Hand in Hand. Wir spielen uns die Bälle gegenseitig zu«, sagt Prof. Dr. Thomas Ritz, Rektor der FH Aachen. Das AZH ist Teil des neuen Eifelcampus: Er soll den Transfer von akademischen Forschungsergebnissen in die Baupraxis ermöglichen und gleichzeitig dem Handwerk Wege zur Nutzung neuer Technologien und Verfahren aufzeigen. »Der Eifelcampus in Simmerath eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten«, sagt Prof. Uibel. »In enger Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft können wir das Bauen mit Holz entscheidend voranbringen.«
Wie innovative Lösungen für den Einsatz von Holz als Baustoff aussehen können, erforscht die FH Aachen im neuen AZH. Die Bandbreite der Projekte reicht von der Entwicklung dauerhaft haltbarer Holzbrücken über Wandelemente und mehrgeschossigen Holzbau bis hin zu unterschiedlichen Verbindungselementen. Um auch Bauteile und Verbindungen in »Originalgröße« testen zu können, verfügen die FH-Forschenden im AZH über beeindruckende Maschinen: Die Zug-Druck-Spindelmaschine etwa ist rund 8 Meter hoch. Sie belastet die Prüfkörper mit bis zu 600 Kilonewton (kN); das entspricht einem Gewicht von 60 Tonnen. Ebenso können im AZH Wandelemente aus Holz getestet werden, die eine Fläche von bis zu 6 mal 4 Metern haben. Auf dem Biegeprüfstand schließlich werden Holzträger von bis zu 15 Metern Spannweite geprüft, die etwa im gewerblichen Hallenbau zum Einsatz kommen. Alleine dafür wurden 5 Millionen Euro investiert.
Die Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Silke Gorißen, betont bei der offiziellen Eröffnung: »An Holz als Rohstoff und der effizienten Holzverwendung führt kein Weg vorbei. Wir brauchen unsere Wälder und das aus ihnen nachhaltig gewonnene Holz im Klimawandel mehr denn je. Unser Ziel in Nordrhein-Westfalen ist es, die Wälder zu klimastabilen Mischwäldern umzubauen, was zu einem höheren Laubbaumanteil führen wird. Insbesondere mit Blick auf die Entwicklung innovativer Laubholzverwendungen im Holzbau sind die Leistungen und die hochmodernen Möglichkeiten des neuen Aachener Holzbauzentrums wichtig.«
Ein wichtiger Teil des Eifelcampus ist das Bildungszentrum BGZ Simmerath der Handwerkskammer Aachen (HWK). Das Aufgabenspektrum im Handwerk verschiebt sich derzeit. Digitalisierung und Vernetzung halten auch hier Einzug.
Die verschiedenen Gewerke sowie Architekten und Bauingenieuren tauschen sich auf der Baustelle mit Hilfe von virtuellen 3-D-Modellen aus, etwa wenn es um die fachmännische Umsetzung von Bauplänen in der Praxis geht. Die enge Kooperation am Eifelcampus soll gewährleisten, dass der gegenseitige Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaft und Handwerk funktioniert.
Auch Unternehmen sind mit im Boot - von der Forstwirtschaft über Planungs- und Ingenieurbüros bis hin zu verarbeitenden Betrieben und Bauunternehmen. Gerade in der Eifel spielt die Branche eine große wirtschaftliche Rolle. Bernd Goffart, Bürgermeister der Gemeinde Simmerath, erklärt: »Hier entsteht echter Mehrwert für die Region.« Das Zusammenspiel der verschiedenen Bildungseinrichtungen sei enorm wertvoll und mache ihn stolz. Wie wichtig die Holzwirtschaft für Nordrhein-Westfalen ist, zeigen Zahlen des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW. 12.000 Unternehmen machen landesweit 31 Milliarden Euro Umsatz jährlich, sie beschäftigen rund 130.000 Erwerbstätige.



