Zeugnisse aus Munitionskiste gekramt
Schmidt (ALe). Corinna Feltes ist Lehrerin an der heutigen Katholischen Grundschule Schmidt; immer wieder hatte ihr erwachsener Sohn Aljoscha sich gewünscht, mit ihr auf den Dachboden der Schule zu gehen, er war neugierig, was sich dort so alles verbergen würde. Und an einem Sonntag gingen die Beiden hoch und öffneten die unverschlossene Tür zu einem kleinen Raum unter dem Dach – und da stand im Dunkeln eine große Kiste. Aus dem zunächst unübersichtlichen Sammelsurium von Blättern und Heften fischte Corinna Feltes ausgerechnet ein Zeugnis ihrer Mutter heraus! Nun war ihr Forscherdrang geweckt, der seltsame Fund ließ sie nicht mehr in Ruhe. Wochenlang sortierte sie die Blätter und Hefte, darunter eine Menge Zeugnisse und Schülerverzeichnisse. Sorgsam geführte, handgeschriebene Listen, vom Lehrer Kruppa und der Lehrerin, Fräulein Dr. Lütgenau unterschrieben, geben Einblick in den Schulalltag. Der Name »Stollenwerk« kommt sehr häufig vor, so ist es noch heute in Schmidt.
Die Anwesenheitslisten wurden offensichtlich mehrfach ergänzt – immer wenn Kinder mit ihren Eltern aus der Evakuierung zurück nach Hause kamen. Einen schockierenden Eintrag findet man unter dem Datum 01.06.1947, da heißt es bei zwei Jungen »ertrunken«.
Corinna Feltes ist in Schmidt aufgewachsen und hat immer in ihrem Heimatort gelebt. Sie kam zu der Überzeugung, dass diese Dokumente viel aussagen können über die Kriegs- und Nachkriegszeit und dass sie einen anschaulichen Beitrag leisten könnten, um Kindern etwas über die Historie ihres Heimatortes zu vermitteln.
Die Schulleiterin, Petra Weber, war sofort begeistert von dem Projekt. Sie fand heraus, dass diese alten Dokumente nun nicht mehr aufbewahrt oder geheimgehalten werden müssen. So reifte der Plan, die Zeugnisse nun endlich auszuhändigen und außerdem die Kinder in diese Aufarbeitung mit einzubinden. Das vierte Schuljahr wurde mit dem Film »Der Krieg und ich -der Zweite Weltkrieg aus Sicht der Kinder« auf die Thematik vorbereitet; auch eine Bunkerwanderung soll den Kindern die bedrohliche Lage ihrer Großeltern oder Urgroßeltern nahebringen. »Wir wohnen hier an einem geschichtsträchtigen Ort, das will ich den Kindern vermitteln«, sagt Corinna Feltes.
Bei ihren Anstrengungen, eine Liste der noch lebenden ehemaligen Schüler zu erstellen, fand sie Hilfe bei der 88-jährigen Christel Stollenwerk. »Wir waren gerade eingeschult, da mussten wir in die Evakuierung«, erzählt die Frau aus Kommerscheidt. Sie konnte viel zum Fortschritt der mühsamen Arbeit beitragen: So waren zum Beispiel die Schülerinnen natürlich mit ihrem Mädchennamen in den Listen verzeichnet, und Christel Stollenwerk wusste, wie sie jetzt heißen und wo sie wohnen.
Dann verfasste Corinna Feltes ein Einladungsschreiben, und sie fand ein fleißiges und begeistertes Helferteam, das sich mit der Einladung auf den Weg machte. Hier heißt es: »Liebes ehemaliges Schulkind der Volksschule Schmidt«. Die Mitglieder des Helferteams, das an den Türen klingelte, werden folgendermaßen vorgestellt: »Christoph Esser, Sohn von Marxe Renate; Corinna Feltes, Tochter von Fakos Margot; Kathrin Jansen, Enkelin von Berje Li/Ticholas Fränz bzw. Wirtze Karls Thres/Pannes Fränz; Lucia Virnich, Tochter von Kutschers Maria/ Halves Karl-Heinz.« Die Helfer berichten von schönen Begegnungen auf ihrer Einladungstour. Von über 40 infrage kommenden Personen haben mehr als 20 zugesagt. Christel Stollenwerk freut sich, »dass ihr euch so viel Arbeit macht. Hoffentlich kommen viele.« Die Schulleiterin, Petra Weber, betont, dass sie das Engagement für dieses Vorhaben bewundert: »Es schafft den Kindern ein Bewusstsein für den Ort, in dem sie leben. Und eine Verbindung zwischen den Generationen.«

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