Robert Syska

Drei Monate "9-Euro-Ticket": So fällt das Leser-Fazit aus

Kreis Bad Kreuznach. Am Donnerstag ist Schluss mit dem 9-Euro-Ticket. Zeit für eine Bilanz: Wie kam das Billig-Billet bei unseren Leserinnen und Lesern an?
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Busse und Bahnen beförderten Passagiere drei Monate lang für 9 Euro im Monat im Personennahverkehr. Damit ist vom 1. September an Schluss.

Busse und Bahnen beförderten Passagiere drei Monate lang für 9 Euro im Monat im Personennahverkehr. Damit ist vom 1. September an Schluss.

Foto: Symbolfoto / Archiv

Barbara Kohlmaier etwa hatte eine Zugfahrt 1. Klasse von Bad Münster am Stein bis Zürich gebucht. Hin und Rückfahrt gebucht: "Auf der Hinfahrt war das Abteil so voll, dass wir noch nicht mal auf unseren Platz konnten ... trotz Kontrolleure im Zug, und auch auf der Rückfahrt von Mainz nach Bad Münster mussten wir wieder stehen ... im Abteil für die Fahrräder. (. . .) Mir taten die alten Menschen leid. Ich fand es einfach nur furchtbar und hat mir das Bahnfahren verleidet."

Renate Theis sieht das Ticket im Prinzip positiv: "Ich finde das 9-Euro-Ticket sehr gut und es hat mich veranlasst, das Auto öfter stehen zu lassen. Ich nutze gerne Bus und Bahn. Leider wurde das ganze getrübt dadurch, dass ich des öfteren umsonst an der Haltestelle stand und Busse einfach nicht kamen. Auch durch Zugausfälle musste ich dann wieder auf mein Auto umsteigen. Ein Universalticket würde ich mir unter Umständen zulegen und würde 300 bis 500 Euro für ein Jahresticket ausgeben, vorausgesetzt dass es weniger Ausfälle gibt."

Ramona Hey ist seit Jahren beruflich mit der Bahn zwischen Bad Kreuznach und Mainz unterwegs. "Durch das 9-Euro Ticket wurde auch die Fahrt für mich preiswerter, das begrüße ich. Allerdings waren die Züge oft so voll, dass man kaum atmen konnte, dazu kam und kommt noch der Schienenersatzverkehr, in der Regel wird ein Bus pro Zug eingesetzt. Masken sind zwar Pflicht, werden aber längst nicht von allen Mitreisenden getragen, das Ganze bei drangvoller Enge in brütender Hitze. Es wäre also dringend nötig, mehr in Ausbau und Qualität der öffentlichen Verkehrsmittel zu investieren und weniger in die Autoindustrie."

Susanne Schmidt aus Bad Kreuznach ist langjährige begeisterte Bahn- und Fahrradfahrerin. "Es hat mich sehr gefreut, Menschen mit Begeisterung in der Bahn zu sehen, die sich die Fahrt sonst nicht so leicht hätten leisten können", sagt sie. Sie gewinnt dem 9-Euro Ticket viel Positives ab: "Ich fand es prima, nicht extra an ein Ticket denken zu müssen - einmal im Monat bezahlen und die Sache ist bundesweit erledigt. Ich freue mich auf ein Anschlußmodell und werde mir das Engagement der örtlichen Politiker in dieser Hinsicht für meine Wahlentscheidungen merken." Die Bad Kreuznacherin findet es "nur gerecht, auch eine Vergünstigung unabhängig von einer Zapfsäule zu bekommen." Sie findet "den Weckruf für die örtliche Politik und die Betreiber der Bahn" sehr wichtig. "Bad Kreuznach ist jetzt schon schwer erträglich heiß, und mit noch mehr Autoverkehr und Parkplätzen wird das nicht besser. Ein häufiger Elektrobus ist da doch in Zukunft eventuell eine große Freude."

Negative Erfahrungen mit dem 9-Euro-Ticket machte Heike Dambmann: "Wenn der Bus kam, war es okay, aber oft habe ich an der Haltestelle über eine Stunde gestanden und es kam kein Bus; der Bus um 11.06 nicht und der nächste der 11.36 kam auch nicht. Dann bin ich nach Hause und mit dem Auto gefahren."

Für Marlehne Lehné war das 9-Euro-Ticket nur zum Teil ein Gewinn: "Die Pendler sollten entlastet werden - dies ist zwar finanziell gelungen, qualitativ leider nicht gut. Wenn die Fahrten zur Arbeit oder nach Hause zur Belastung werden (vor allem in Corona-Hoch-Zeiten), weil a) kurzfristig Züge ausfallen, b) kaum ein Zug pünktlich sein Ziel erreicht und c) die Transporte an "Ölsardinen-Büchsen-Verhältnisse" erinnern, dann läuft einiges schief und belastet Pendler noch zusätzlich. Außerdem subventioniert der Steuerzahler auf diese Weise noch Urlaubsreisende aus aller Welt (denen es ja gegönnt sei - aber meines Erachtens hat der deutsche Steuerzahler genug andere wichtige Dinge zu stemmen). In einem Leserbrief hat es vor kurzem jemand gut auf den Punkt gebracht: Gerne eine Neuauflage des Tickets - begrenzt auf die Zeiten Montags bis Freitags - so lockte es jedermann/-frau aus dem Haus."

Katja Potzel hat das Ticket genutzt, um von Bad Kreuznach direkt nach Wiesbaden zu fahren,. "Die Tatsache, dass es inzwischen eine Direktverbindung von Bad Kreuznach nach Wiesbaden gibt, ist sehr zu begrüßen. Allerdings müssten die Stadtbusverbindungen innerhalb der Stadt Bad Kreuznach verbessert werden. Hier gibt es noch viel Potential für bedarfsgerechte Verbindungen. Laut Website der Stadt waren häufige Ausfälle von Bussen krankheitsbedingten Ausfällen geschuldet. Ich würde eine Verlängerung des 9 Tickets oder eines ähnlichen begünstigenden Tickets begrüßen und sicherlich nutzen. Die bahntypischen Verspätungen habe ich in den drei Monaten hingenommen, aber ein Dauerzustand ist das nicht."

Wolfgang Dienhart Dienkritisiert ein Stadt-Land-Gefälle: "Ich war drei Wochen in Berlin, dort ist es mit dem Ticket super. Zurück in Herrstein: katastrophal! Der Busfahrplan ist eine Zumutung. Samstag fährt kein Bus, zur Ferienzeit fallen einige Linien weg und abends (?) ca. 17 Uhr geht der letzte Bus von Idar-Oberstein nach Herrstein. So sind wir mit dem Auto nach Kirn oder Oberstein zum Bahnhof und dann mit dem Zug. Das klappt gut. Aber den Busverkehr kann man vergessen!"

Sabrina Müller, ihr Mann und ihr Sohn holten sich das Ticket jeden Monat. "Hört sich erstmal alles toll an, aber wir mussten schnell feststellen, dass nicht alles toll ist! Zwei Brüder meines Mannes leben in Köln, da war es echt super, sie so oft wie möglich zu besuchen. (...) Am Anfang lief auch alles recht gut, aber ab Koblenz fing es dann an mit Zugausfällen (...), dann hieß es schauen, wie wir weiterkommen Richtung Köln.Sehr gut war, dass das Ticket auch für Bus, S-Bahn usw. galt. Mein Mann und ich fanden es nur schade, dass ich das Ticket nicht nutzen konnte, um auf die Arbeit zu fahren. Ich arbeite in der Altenpflege in Bad Kreuznach (Dienstbeginn 6.30 Uhr) und wohne in Wöllstein. Ich wäre echt gerne morgens mit Fahrrad und Bus zur Arbeit und Mittags nach Feierabend mit dem Fahrrad nach Hause, aber der erste Bus von Wöllstein nach Bad Kreuznach fährt um 6.01Uhr, das ist leider zu spät Da wäre echt noch Nachholbedarf im ländlichen Bereichen!"