Landrat Gregor Eibes zeichnet die „Stillen Stars“ 2018 aus

Kreis Bernkastel-Wittlich. Im Herbst dieses Jahres hatte der Landkreis Bernkastel-Wittlich den Bürgerpreis „Stille Stars“, der alle zwei Jahre verliehen wird, ausgelobt.

Mit der Auszeichnung "Stille Stars" werden Menschen geehrt, die sich meist im Stillen, verborgen vor der Öffentlichkeit und abseits von traditionellen für das Gemeinwohl einsetzen. Die Auszeichnung "Stille Stars" wird an Einzelpersonen oder Initiativen vergeben für eine seit längerem durchgeführte oder bei Einzelaktionen erbrachte außergewöhnliche, vorbildliche, ehrenamtliche und unentgeltliche Tätigkeit zugunsten des Gemeinwohls.

In einer Feierstunde im Wittlicher Kreishaus überreichte Landrat Gregor Eibes nun die Preise an acht Personen und eine Initiative.

Eine Jury hatte aus zahlreichen Vorschlägen die Preisträger ausgewählt. Der Jury gehörten neben Landrat Gregor Eibes, der den Vorsitz hat, Ingrid Luther (Direktorin des Amtsgerichts Wittlich), Monika Scheid (Servicestelle Freiwilliges Engagement der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich), Klaus Schmitz (SeniorTrainer)und Michaele Schneider (Geschäftsführerin Deutscher Kinderschutzbund Bernkastel-Wittlich und Mehrgenerationenhaus Wittlich) an.

Landrat Gregor dankte den diesjährigen Preisträgern herzlich für ihr wertvolles und vielfältiges ehrenamtliches Engagement. "Die heute ausgezeichneten Persönlichkeiten und Gruppen setzen sich für das Wohl ihrer Mitmenschen, ein gutes Miteinander in ihren Dorfgemeinschaften und für mehr soziale Solidarität und Mitmenschlichkeit in unserer Gesellschaft ein und dafür verdienen sie die Auszeichnung als Stille Stars.", erklärte Landrat Eibes zur Preisverleihung.

Die Preisträger im Kurzporträt:

Ursula Morbach aus Zeltingen-Rachtig

Seit 2011 arbeitet sie ehrenamtlich bei der Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer, dem Weißen Ring Bernkastel-Wittlich, mit. Seit Beginn dieses Engagements hat sie mehr als 40 Opferfälle betreut. Schwerpunkt ihres ehrenamtlichen Wirkens ist die Betreuung der Opferfälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Darüber hinaus engagiert sie sich intensiv im Bereich der Prävention von sexuellem Missbrauch und Gewalt an Kindern. Sie hält Vorträge vor Eltern, Erziehern und Lehrern in Kindertagesstätten und Grundschulen. Als ehemalige Krankenschwester begleitet sie ehrenamtlich einmal im Jahr die Wallfahrt des Bistums nach Lourdes. Sie betreut mitreisende Kranke und leistet Nachtdienste im dortigen Krankenhaus. Darüber hinaus setzt sie sich auf vielfältigste Weise im Dorfgemeinschaftsleben von Zeltingen-Rachtig ein: für die Pfarrgemeinde (Putzen der Kirche und Waschen der kirchlichen Textilien) und in der Unterstützung der örtlichen Vereine bei der Durchführung der Feste. Sie ist auch "medizinische Ratgeberin" für kranke Menschen in ihrem Heimatort.

Karola Perling aus Hontheim-Wispelt

Sie hat vier Jahrzehnte lang von 1976 bis 2015 für die Bürger der Gemeinde Hontheim und aus der Umgebung jährlich Tagesfahrten und Wochen-Bildungsfahrten organisiert. Die mehrtägigen Fahrten führten sie z.B. von A wie Allgäu, B wie Bamberg und Bayreuth, D wie Dresden, H wie Holsteinische Schweiz über M wie Mecklenburgische Seenplatte bis hin zur Schweizer Bergwelt und zur letzten Reise in 2015 in die Oberlausitz. Unermüdlich telefonierte sie mit Hotels, Pensionen, Busunternehmen und Veranstaltern um für ihre Reisegruppe jeweils ein interessantes und kurzweiliges Reiseprogramm zusammenzustellen. All dies tat sie ehrenamtlich ohne eigene Gewinninteressen. Mit diesen Reisen ermöglichte sie besonders der älteren Generation die europäischen Nachbarländer kennen zu lernen, kulturelle Begegnungen zu erleben und soziale Gemeinschaft zu erfahren. Dank ihres großen Organisationstalents und ihrer Rundumversorgung hat sie auch Teilnehmern mit kleinerem Geldbeutel die Reise ermöglicht.

Erwähnenswert ist auch ihr jahrzehntelanges Engagement als ehrenamtliche Küsterin der Filialkirche St. Wendelin in Wispelt und ihr Wirken zur Erhaltung des karnevalistischen Brauchtums in Wispelt. Sie engagierte sich jahrzehntelang als Möhne, gestalteten die örtliche Kappensitzung mit und organisierten das Geschehen am Fetten Donnerstag

Klaus Bracht aus Bettenfeld

Er engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für das Allgemeinwohl. 2018 hat er sich besonders als Kümmerer des "Vor-Tour der Hoffnung"-Stopps in Bettenfeld verdient gemacht. Die "Vor-Tour der Hoffnung" ist der rheinland-pfälzische "Ableger" der Tour der Hoffnung, eine Vereinigung von prominenten Benefizradlern, bekannten Persönlichkeiten aus Sport, Politik und Kultur, die auf ihrer alljährlichen Benefizradtour Spendengelder für krebskranke und hilfsbedürftige Kinder sammeln. So kamen bei den vergangenen 23 Benefizradtouren seit 1996 mehr als 4,3 Mio. Euro für die gute Sache zusammen. Ein Etappenziel der diesjährigen "Vor-Tour-der-Hoffnung" war am 6. August 2018 Bettenfeld. Bereits einige Monate vor der Tour hat Bracht bei vielen Dorffesten und Veranstaltungen unermüdlich Spenden gesammelt und auf das Projekt aufmerksam gemacht. Er hat es geschafft, Vereine, Privatpersonen, Firmen und Institutionen zu motivieren, sich für die gute Sache einzubringen. Als erfolgreicher Motivator ist es ihm durch die Mithilfe vieler gelungen, Spenden von 38.610 Euro zu akquirieren.

Darüber hinaus ist er seit Jahren Vorstandsmitglied in verschiedenen Vereinen von Bettenfeld und seit vier Jahren Vorsitzender des größten Ortsvereins, des Sportvereins Bettenfeld.

Werner Mertes aus Minheim

Werner Mertes, engagiert sich seit Jahrzehnten als THW-Helfer. Besondere Erwähnung verdienen dabei seine Hilfseinsätze in den verschiedensten Einsatzgebieten, Brennpunkten und Krisenregionen der Welt. Sehr lang ist die Liste der Einsatzorte, wo er für das Technische Hilfswerk aktiv waren, um die Not von Menschen zu lindern.

Als ausgebildeter Elektroingenieur leistete er von 1988 bis 2015 bei 27 teils mehrwöchigen THW-Auslandseinsätzen in Aserbaidschan/Armenien, in verschiedenen afrikanischen Staaten, in der Ukraine, im ehemaligen Jugoslawien und in Brasilien wertvolle humanitäre Hilfe. Gerade in Kriegsgebieten hat er aktiven Wiederaufbau geleistet und den Menschen auch Hoffnung und Perspektiven gegeben. Er engagiert sich außerdem seit dreieinhalb Jahrzehntes als Mitglied des Verbandsgemeinderates und ist seit 2004 als Ortsbürgermeister von Minheim ehrenamtlich tätig. Sein Herz schlägt auch für die Freiwillige Feuerwehr und so war er von 2001 bis 2017 Wehrführer der Feuerwehr Minheim. Besonders rührig hat er sich auch für die neue Kleiderkammer in Bernkastel-Kues eingesetzt.

Christiane Heiden aus Brauneberg

Sie ist eine sehr engagierte Ehrenamtlerin und Landfrau. Da sie eine mehrtägige Fahrt für den Landfrauenverband Bernkastel-Wittlich organisiert hat und begleitete, konnte sie die Ehrung an diesem Abend nicht entgegen nehmen. Ihr wird die Auszeichnung Anfang 2019 durch den Landrat ausgehändigt.

Ehrenamtliches Team der Notfallnachsorge im Landkreis Bernkastel-Wittlich

Seit dem Jahre 2000 stehen die Helfer der Notfallnachsorge Menschen im Kreisgebiet, denen schwere Schicksalsschläge widerfahren sind und die sich in einer besonderen Notsituation befinden, bei. Zu ihren sehr anspruchsvollen und schweren Aufgaben gehören die Überbringung von Todesnachrichten, die menschenwürdige Begleitung von Betroffenen, Angehörigen, Kindern, Zeugen und Unfallbeteiligten, die Beratung und Betreuung für ein Stück des Weges in ausweglos erscheinenden Lebenssituationen oder die Benachrichtigung von Angehörigen und Freunden. Außerdem bei Bedarf die Kontaktaufnahme mit Bestattern, Polizei, Behörden, Seelsorge und Pflegeeinrichtungen, die Betreuung von Einsatzkräften der Feuerwehr und des Rettungsdienstes nach belastenden Einsätzen. Sie stehen Betroffenen, wenn gewünscht auch bei der Beisetzung bei. Wenn erforderlich, leistet die Notfallnachsorge auch längerfristig Nachbetreuung. Für ihre wertvolle ehrenamtliche Arbeit bedarf es besonderer Empathie und großes Einfühlungsvermögen. Die 24 Helferinnen und Helfer starke Gruppe steht unter der Leitung von Lotte Stüttgen und Erwin Klasen. Sie sind rund um die Uhr für einsatzbereit, 24 Stunden am Tag, jeden Tag und jede Nacht und das 365 Tage im Jahr. Im vergangenen Jahr wurde die Notfallnachsorge 96 Mal von der Rettungsleitstelle angefordert

Benefizradler e.V. aus Plein

Angefangen hat alles mit einer Radtour im Jahre 2007 von Wittlich nach München, bei der die Benefizradler die beachtliche Spendensumme von 24.000 Euro sammelten und für die Wasserversorgung des ruandischen Kinderdorfes Gahanga spendeten. Im Folgejahr beschlossen Eddy Linden und seine Mitstreiter einen gemeinnützigen Verein zu gründen, die Benefizradler, um darüber ihre karitativen Aktionen fortzuführen. Durch mehrtägige Radtouren, an denen regelmäßig 40 bis 50 Radfahrerinnen und Radfahrer teilnehmen, Wanderungen und weitere Aktionen sowie Promifußballspielen und Turnieren (z.B. gegen die Lottoelf und mit ehemaligen Weltmeistern wie Horst Eckel und Wolfgang Overath) und unter Einbindung des FSV Plein, dessen Vorsitzender Linden, ebenfalls ist, hat der Verein in den vergangenen 11 Jahren die enorme Spendensumme von 269.000 Euro gesammelt, die rund 70 regionalen und überregionalen Hilfsprojekten zu Gute kamen. Dabei sind z.B. das Ambulante Hospiz Morbach, der Elternkreis behinderter Kinder Bernkastel-Wittlich, das IGFM Projekt Voice Pakistan, der Kinderschutzbund Bernkastel-Wittlich, Nestwärme in Trier und viele Projekte auf dem afrikanischen Kontinent.

Der Verein ist mittlerweile eine große, sehr hilfsbereite Familie von 215 Mitgliedern.

"Rentnerband Lieser"

Seit 2003 setzen sich 7 Rentner und Pensionäre aus Lieser sehr für die Verschönerung ihrer Heimatgemeinde ein. Die Gruppe, die sich "Rentnerband" nennt und die 2003 von Alois Michels ins Leben gerufen wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Ruhebänke und die dazugehörigen Tische entlang des Moselvorgeländes und im Ort für die Touristen und einheimischen Bürger im Frühjahr aufzubauen, nach der Saison wieder abzubauen und in der Gemeindehalle zu lagern. Während der Wintermonate werden diese Tischgruppen von der Rentnerband auch gewartet und falls erforderlich repariert. Außerdem pflegen und erhalten sie die Wegekreuze, Heiligenhäuschen, Kapellen und Kriegerdenkmäler in Lieser.

Auch der Naturschutz ist der Gruppe ein Herzensanliegen und so hat die Rentnerband in fast 100-stündiger ehrenamtlicher Arbeit ein Insektenhaus errichtet, das sie auf dem von ihr unterhaltenen Walderlebnispfad auf dem Lieserer Plateau installierten. Zur Gruppe gehören Alois Michels, Paul Knop, Herbert Mehn, Peter Meurer, Hermann Offer, Erwin Schröder und Gerhard Seibert. Durch ihr gutes Tun entlasten sie auch den Haushalt ihrer Heimatgemeinde Lieser, die all das, was die "Rentnerband" Lieser leistet, nicht realisieren könnte.

Theatergruppe Hetzerath e.V.

Seit 1986 bereichert die Theatergruppe Hetzerath mit ihren Aufführungen das Kulturleben von Hetzerath. Anlässlich der Vorbereitung des 950-jährigen Ortsjubiläums, das die Ortsgemeinde Hetzerath in 2018 begeht, überlegte sich die Theatergruppe um ihren sehr engagierten Vorsitzenden Ottmar Hauprich ein besonderes Projekt, das Anne Frank-Projekt zu initiieren. Mehr als drei Jahre hat die Gruppe an der Realisierung dieses Projektes gearbeitet, zu dem die mehrfache Aufführung des Theaterstücks "Das Tagebuch der Anne Frank", die Präsentation der Wanderausstellung über das Leben von Anne Frank, die in Kooperation mit dem Anne-Frank-Zentrum Berlin verwirklichte Ausbildung von Schülerinnen und Schüler zu Peer-Guides, die gleichaltrige Jugendliche durch die Ausstellung führen sowie weitere Veranstaltungen mit Kooperationspartnern zur Erinnerungsarbeit gehörten. Sowohl die Eröffnung des Anne Frank Projekts als auch die Aufführung des Theaterstücks "Das Tagebuch der Anne Frank" haben tief beeindruckt und berührt. Sie haben das bewegende Schicksal von Anne Frank, die sich mit ihrer Familie und Bekannten von Juni 1942 bis August 1944 in einem Amsterdamer Hinterhaus vor den Nationalsozialisten versteckte, letztendlich verraten, ins Konzentrationslager deportiert und im Frühjahr 1945 im KZ Bergen-Belsen verstarb, sehr eindringlich und authentisch dargestellt. Die Theatergruppe hat es verstanden, durch ihre Darstellung einen eindringlichen Appell gegen Diskriminierung und Fremdenhass und für mehr Toleranz zu leisten. Wertvolle Erinnerungskultur ist aktueller und wichtiger denn je, da fremdenfeindliche und extremistische Strömungen wieder unseren demokratischen Rechtsstaat und seine Werteordnung bedrohen.

(red.)

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