

20 Uhr. Der Gong ertönt. "Guten Abend, meine Damen und Herren!" Jan Hofers Stimme erklingt aus dem Fernseher – jahrzehntelang war sie für Millionen Menschen der Auftakt zu den Nachrichten des Tages. Als "Mr. Tagesschau" prägte er das Gesicht der Nachrichtensendung wie kaum ein anderer. Im Interview mit dem WochenSpiegel spricht der ehemalige Tagesschau-Moderator über Falschmeldungen und die Frage, welche Rolle der gesunde Menschenverstand im Umgang mit Nachrichten spielt.
WochenSpiegel: Herr Hofer, Sie haben die Nachrichtenwelt über Jahrzehnte begleitet. Was hat sich in dieser Zeit am stärksten verändert und was ist bei guter Nachrichtenvermittlung bis heute unverzichtbar?
Jan Hofer: "Am stärksten verändert haben sich die Geschwindigkeit und die technischen Möglichkeiten. Als ich anfing, war alles noch analog, heute geht über Satelliten und digitale Übermittlung alles sehr viel schneller. Und das wird sich in Zukunft noch einmal ändern, denn auch die KI wird dazu beitragen, dass sich die Nachrichten verändern. Unverzichtbar bei guter Nachrichtenübermittlung ist die Möglichkeit, sie auf ihre Richtigkeit zu überprüfen, also zu verifizieren. Gute Agenturen und Sender haben ihre Korrespondenten in der ganzen Welt und können entsprechend nachverfolgen, was woher kommt und welche Interessen dahinterstecken. Vorsicht ist geboten bei Nachrichten, die im Internet kursieren."
WochenSpiegel: Ihr Tourprogramm beschäftigt sich auch mit Fake News. Warum verbreiten sich Falschmeldungen im Internet so schnell – und weshalb fällt es selbst aufmerksamen Menschen manchmal schwer, sie zu erkennen?
Jan Hofer: "Die Möglichkeit für jeden, wirklich alles im Internet und über soziale Netzwerke zu verbreiten, hat dazu geführt, dass man kaum noch unterscheiden kann, was ist echt und was ist fake. Oft stecken harte, wirtschaftliche Fakten dahinter, oder auch politisches Kalkül, also Ideologien. Diese Nachrichten sind sehr professionell gemacht, das lässt sich heute mit wenigen Mitteln bewerkstelligen, und dem ungeübten Zuschauer fällt natürlich nicht auf, ob etwas echt ist oder nicht.
Da hilft nur, ein gutes ‚Bauchgefühl‘. Immer, wenn etwas nicht der eigenen Wahrnehmung entspricht, sollte man es auf den Wahrheitsgehalt überprüfen. Das lässt sich oftmals mit einigen Mitteln, zum Beispiel im Internet, bewerkstelligen."
WochenSpiegel: Früher kamen Nachrichten für viele Menschen zu festen Zeiten aus dem Fernsehen, heute sind Informationen jederzeit und überall verfügbar. Wie verändert diese ständige Verfügbarkeit unseren Umgang mit Nachrichten?
Jan Hofer: "Die ständige Verfügbarkeit von Nachrichten bestimmt häufig die öffentliche Diskussion. Sind Nachrichten echt oder stecken Interessen dahinter? Das ist heutzutage ein ganz großes Thema. Die ständige Verfügbarkeit von Nachrichten an sieben Tagen 24 Stunden, wenn man will, kann dazu führen, dass man dieser Flut auch überdrüssig wird.
Also mein Rat: Es gibt bei allem einen Knopf zum Ausschalten und eine gewisse Abstinenz oder Selektion von Nachrichten kann da sehr hilfreich sein. Und immer, wenn man das Gefühl hat, da ist etwas nicht richtig, nicht einfach konsumieren, sondern besser genauer hinschauen."
WochenSpiegel: Auf Ihrer Tour verbinden Sie persönliche Anekdoten mit Fragen rund um Medien und Desinformation. Was hat Sie an diesem Thema besonders gereizt und welche Erkenntnis möchten Sie Ihrem Publikum mit auf den Weg geben?
Jan Hofer: "Nachrichten und die damit verbundenen Fragen nach Beeinflussung, Propaganda oder auch nur Werbung sind nach meiner Auffassung eines der ganz großen Themen dieser Zeit. Überall im Land wird darüber diskutiert, ob etwas echt ist oder nicht. Ich möchte gerne die Menschen sensibilisieren, genauer hinzuschauen, und werde auch an Beispielen aus der historischen Vergangenheit zeigen, wie Nachrichten die Welt verändert haben, beziehungsweise den Zeitenlauf beeinflusst haben. Dafür gibt es auch heute genügend Beispiele. Denken wir nur an die Konflikte, überall auf der Welt, aber auch an die politische Situation und Diskussion bei uns in Deutschland. Ich zeige auf, wie man erkennen kann, ob etwas echt oder Fake ist. Und wie wir hinters Licht geführt werden."
Die Fragen stellte Julia Borsch
Jan Hofer macht am Sonntag, 14. März 2027, auf seiner Tour Halt in der Bitburger Stadthalle. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr.
Tickets zum Abend mit Jan Hofer sind im Vorverkauf über Eventim und Ticket Regional erhältlich.




