

Die Prümer Tafel hat ihre neuen Räumlichkeiten im Gerberweg 45 offiziell eingeweiht. Zahlreiche Gäste kamen zur Einsegnung durch Weihbischof Jörg Michael Peters. In den hellen Räumen werden inzwischen 670 Menschen mit Lebensmitteln versorgt.
„Ein Segen, dass es die Tafel gibt“, sagte Peters bei der Einsegnung. „Und doch macht es nachdenklich, dass es sie in einer der reichsten Marktwirtschaften überhaupt braucht.“ Selbst die symbolische Gebühr von drei Euro, die pro Haushalt bei jeder Ausgabe erhoben wird, sei für manche Kundinnen und Kunden bereits eine Herausforderung, berichtete Andrea Ennen, stellvertretende Direktorin des Caritasverbandes Bitburg-Prüm. Gemeinsam mit Joachim Bach, Fachbereichsleiter Migration und Integration, dankte sie allen, die sich für die Tafel engagieren.
Armut sei häufig nicht auf den ersten Blick erkennbar und für Betroffene mit Scham verbunden, betonte Peters. Umso wichtiger seien Angebote, bei denen Menschen unkompliziert Unterstützung finden könnten. An die Haupt- und Ehrenamtlichen gerichtet sagte er: „Möge Ihnen Dank für Ihren Einsatz begegnen“.
Der Weihbischof würdigte zudem, dass soziales Engagement für die Tafel Teil der Firmvorbereitung im Pastoralen Raum Prüm ist. Jugendliche könnten so erfahren, wie wichtig der Einsatz für Schwächere sei.
Wie groß die Hemmschwelle für manche Betroffene ist, schilderte Klaus Zeeh vom ehrenamtlichen Leitungsteam der Prümer Tafel. „Hierher zu kommen, bedeutet für viele Menschen eine Überwindung. Manchmal dauert es eine Weile, bis sich jemand traut, uns anzusprechen“, sagte er.
Er berichtete von einem älteren Mann, der zunächst wochenlang freitags vor der Einrichtung auf und ab gegangen sei. Schließlich habe er sich hineingetraut und informiert. Später habe er gesagt: „Wenn ich gewusst hätte, wie es hier bei euch ist, wäre ich schon vor einem Jahr gekommen“.
Insgesamt engagieren sich derzeit 60 Frauen und Männer ehrenamtlich bei der Prümer Tafel. Sie sortieren Waren, unterstützen bei der Ausgabe und holen Lebensmittel bei Supermärkten, Bäckereien, Molkereien und weiteren Lebensmittelproduzenten ab. Gemeinsam kommen sie auf rund 10.000 Arbeitsstunden pro Jahr.
Zeeh selbst erklärt seine Motivation so: „Ich habe Glück gehabt, hatte eine ordentliche Arbeit und bin gesund geblieben. Deshalb möchte ich etwas davon zurückgeben.“
Träger der Prümer Tafel ist der Caritasverband Westeifel. Finanziert wird die Einrichtung durch Geld- und Sachspenden sowie Eigenmittel des Trägers. Eröffnet wurde die Tafel Anfang 2008 zunächst in der Tiergartenstraße. Damals wurden nach Angaben des Caritasverbandes 35 Familien unterstützt. Inzwischen nutzen 670 Menschen das Angebot.
Anspruch auf Unterstützung haben Menschen, die ihre Bedürftigkeit nachweisen können. Dazu zählen unter anderem Menschen in der Grundsicherung oder mit niedriger Altersrente, Arbeitslose, Alleinerziehende und Geflüchtete.
Die Tafel will zugleich dazu beitragen, noch verwendbare Lebensmittel vor der Entsorgung zu bewahren. Bundesweit landen nach einer Erhebung aus dem Jahr 2022 jährlich rund 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Gleichzeitig gibt es Menschen, denen das Geld für eine ausgewogene Ernährung fehlt.
Die Lebensmittelausgabe der Prümer Tafel findet freitags von 11 bis 13.30 Uhr im Gerberweg 45 statt. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Caritasverbandes Westeifel.



