Julia Borsch

Von Waldschmieden und Eisenhütten - Eefeler Verzellcher

Region. Der Eifelautor Joachim Schröder über Waldschmieden und Eisenhütten der Eifel in der Reihe "Eefeler Verzellcher"

Bilder

Foto: Archiv,Joachim Schröder

Der Nagelschmied

Es war einmal ein Nagelschmied
im hohen Eifelland
Im Kylltal und um Hillesheim
wohl meilenweit bekannt
Er pitscherte von morgens früh
bis in die späte Nacht
Am Amboß Nägel groß und klein
Wie keiner je gemacht.
Und waren all die Säcklein voll,
nahm er den Rucksack her;
Zur Kundschaft gings bergauf,
bergab Mit all der Last so schwer.

Froh lebte er von seiner Kunst
Wohl über 60 Jahr;
Heut ist die Zunft des Nagelschmieds
Schon lange nicht mehr wahr.

Sein Amboß steht vereinsamt da,
Die Hämmer drum und dran;
Der Nagelschmied ist längst ein Greis,
Der seine Pflicht getan.


Verweile ich bei ihm zu Gast,
Erstrahlt sein Augenpaar,
Wenn plötzlich er von Zeiten sprach,
Da er der Meister war.

Und als ich einst spät von ihm ging
Es klingt wie eine Mär
Holt er aus längst vergeß nem Sack
Mir einen Nagel her.

'Nen Nagel, den er selbst einst schlug.
'Nen Nagel, so alt wie ich
Von echtem Eifeleisen noch,
"Da, den schlug ich für Dich!"

Mit diesen Worten legte er
Den Nagel vor mich hin
Ich griff danach und seitdem will
Mir eins nicht aus dem Sinn:

Halt ich den Nagel in der Hand,
Hör ich das Märchen vom Glück:
Ich seh den Amboß, ich seh den Greis
Und seinen begeisterten Blick.

(Originaltext von Karl Knauft, um 1930)

 

Von Waldschmieden und Eisenhütten

Vorab eine Frage, liebe Leserinnen und Leser: Woher kommt der Name Eifel? Spannende Geschichte, oder? Eefel, Eis, Schnee, Schneise, Eisen…? Was denn nun…? Wagen wir uns an diese "ewige Frage" - die Antwort ist bis heute nicht klar zu definieren. Neben den vielen Deutungen - mehr oder weniger (un-)logisch - ist die Herleitung von "Eisenfeld" sehr wahrscheinlich. Das Wort "Eifel", zuvor "Eyflia", stammt aus dem Keltischen.

Die Technik der Eisenverarbeitung lernten unsere Urväter von den Kelten. Viele Orts-, Straßen- und Familiennamen erinnern noch heute an das frühere Eisengewerbe, so Eisenschmitt, Schmidtheim, Eiserfey oder Schneidhausen. Der altdeutsche Begriff "rame" oder "rome" (=Erz, Metall) findet sich ebenfalls in vielen Ortsnamen: Rahm bei Ratingen war Wohnort der alten Panzer- und Scherenschmiede, Remscheid war und ist Standort der Werkzeugschmiede, Ramsdorf, Romberg und Rommelsberg stehen für Bergwerke. Romrich gibt es im alten Aachener Bergrevier und im Gebiet der Abtei Cornelimünster. Zu nennen wären auch die Hütten Eisenschmitt, die von den Erzbischöfen von Trier und den Grafen von Manderscheid betrieben wurde, die Gießerei Wehr, die zur Abtei Steinfeld gehörte, die Hütten der Herzöge von Aremberg, und in der Nordeifel der Dollartzhammer, die Scheven und Mulartshütte und die Gießerei Vicht im Gebiet der Herzöge von Jülich. Im Schleidener Tal, ehemals ein bedeutsamer Mittelpunkt der Eisengewinnung, wo das berühmte Taleisen hergestellt wurde, liegen die Orte Kall und Kallmuth. Hier befanden sich mehrere Eisenwerke, Bleihütten, Pochhämmer und Kalkbrennereien. (Pocher nannte man den Arbeiter in einem Pochwerk, in dem Erze gestampft wurden. ) Seit der Römerzeit wurde hier Bergbau betrieben und das hier blühende Adelsgeschlecht hieß "Kalmunt". Noch heute nennt man die alten Kohlengruben "Kaulen" in Anlehnung an den Kaul- oder Bergmann. Im Gebiet um Maastricht gibt es eine sprachliche Parallele in "Calemunte".

Die Gewinnung und Verhüttung von Eisen war auf drei Elemente angewiesen, die unsere Eifel in hervorragender Weise aufzubieten hatte: Erzvorkommen, Holzkohle als Brennstoff und Wasser als treibende Kraft. So entwickelte sich bereits in grauer Vorzeit die Technik der Eisenbereitung, vom bescheidenen Waldschmied und Eisenschmelzer bis zum Hüttenmeister der letzten Jahrzehnte. Die Eisenwerke in den Höhengebieten führten die Bezeichnung Reitwerke. "Reiten" bedeutete "zurüsten", "fertigmachen", "zubereiten". Die Betriebsführer der Eisenwerke nannte man Reitmeister oder Hüttenreiter. Neben den für die Landwirtschaft im Gebrauch stehenden Produkten wie Pflug, Egge, Achsen und Zahnräder wurden vor allem Brauchgegenstände für den alltäglichen Haushaltsbedarf gefertigt: Schüsseln, Gabeln, Messer und Schöpfkellen.

Seit der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts gingen die Hüttenwerke dazu über, auch Bildwerke aus Eisen zu gießen. Gusstafeln, Ofenplatten, Zierbilder für Wand- und Kachelöfen wurden zu Verkaufsschlagern in der ganzen Welt. Aus der Eifel stammt die älteste nachweisbare Ofenplatte mit der Jahreszahl 1497. In dieser Zeit gab es in der Eifel nicht weniger als 600 Eisenbergwerke. Der Bedarf der Lütticher Gewehrfabriken an Eisen wurde vornehmlich von der Nordeifel gedeckt. Der Rückgang der Waldschmieden begann, als man in anderen Gegenden des Rheinlandes infolge der zunehmenden Entwaldung die Schmelzung der Erze statt mit der teuren Holzkohle mit billigerer Steinkohle und Koks in Angriff nahm.

So wanderte das Eisengewerbe aus den wald- und wasserreichen Eifeltälern ins "Revier", um hier in größeren Dimensionen neu zu entstehen. Albert Poensgen, der Begründer der Düsseldorfer Röhrenfabrikation, der das Eisengewerbe in der Eifel größtenteils betrieb, siedelte bei der Verlegung seiner Werke 300 gelernte Eisenfacharbeiter aus der Eifel in seinem neuen Betrieb an. An das ehemalige Eisengewerbe erinnern heute noch Familiennamen wie Hammerschmitt, Schmelzer, Hüttemann u.a. Im Kreis Schleiden begegnet man dem Familiennamen "Pünder". In diesem Namen lebt eines der drei Ämter fort, denen die Verwaltung des Bergregals oblag. Es waren dies das Amt des Bergmeisters, des Pünders oder Wiegemeisters und das Amt des Stürzers oder Erzmeisters. Die Eisenarbeit wurde auch Puntwerk genannt, weil sie nach Pfunden berechnet wurde. Der Pünder hatte die Aufgabe, das von dem Stürzer mit einer geeichten Stürzkarre zusammengebrachte und auf Haufen gestürzte Erz der gesamten Werke an der Waage zu wiegen, um die landesherrlichen Zehnten zu sichern. Im Kaller Bergweistum ist das fiskalische Amt des Pünders im 15. Jahrhundert erwähnt. Das Maß des Eisens bildete in der Eifel die "Zomme", welche fünf Karren Erz enthielt. Ein weiteres Beispiel eisenverarbeitender Industrie liefert uns die Abtei Echternach im heutigen Luxemburg. Im Jahre 1762 erwarb das Kloster eine kleine Eisenhütte oberhalb des Ortes Bollendorf an der Sauer. Neue und größere Eisenhütten errichtete man in den Folgejahren im nahegelegenen Weilerbach.

Hier entstanden eine Schmelze, ein Pochwerk, ein Großhammerwerk und drei Kleinhammerwerke, ein Schneidewerk, eine Gießerei und eine Sägemühle. Als Verwaltungssitz der Hütte und Sommerhaus des Abtes wurde 1780 vom letzten Echternacher Abt Emmanuel Limpach das Schloss Weilerbach errichtet. Dieses "Juwel der Eifel" erstrahlt seit wenigen Jahren in neuem Glanz und ist heute kultur- und kunsthistorischer Mittelpunkt der Region. Die Entwicklung der Eisenhütte verlief bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts positiv, wurde jedoch ungünstig beeinflusst von der wechselnden politischen Zugehörigkeit und den Zöllen der Absatzgebiete. So waren im Jahre 1840 134, später bis zu 220 Arbeiter in der Weilerbacher Hütte beschäftigt. Nach dem Ersten Weltkrieg begann der Niedergang. Im Jahre 1958 wurde der gesamte Produktionsbetrieb eingestellt. Hergestellt wurde in der Hütte Guss- und Roheisen, seit 1841 auch Stahl.

Von den Produkten der Hütte sind bis heute besonders Takenplatten und Öfen aus Gusseisen bekannt. Nach 1850 hatte das Werk großen Erfolg mit eigens konstruierten landwirtschaftlichen Geräten wie Dreschmaschinen und Keltern. Für die armen Bauern der Südeifel brachten diese Maschinen nach und nach eindeutige Verbesserungen. Ruinen der früheren Hüttengebäude, das Wasserbecken als ehemaliges Energiereservoir sowie mehrere Gebäudereste des Schneidwerkes, der Schmelze und des Schlackenpochwerkes belegen bis heute das Wachstum dieses Industriebetriebes in der südwestlichen Eifel. Ein Besuch des Schlosses und des wundervollen barocken Schlossgartens lohnen sehr. Dem Kreis Bitburg-Prüm, der die Anlage 1991 erwarb, ist zu danken, dass Schloss und Industrieruinen heute der Öffentlichkeit zugänglich sind. Runden wir das Thema, die Eingangsfrage ab: Der Terminus "Eifel" kommt von "Eisen" - das scheint nun klar zu sein. Und - um noch mit einer Legende aufzuräumen: der Begriff "Schneifel" hat sprachetymologisch nichts mit "Schnee-Eifel" zu tun.

Es ist längst erwiesen, dass die Wasser- und Grenzmarke von "Schneise" kommt. Der Eifeler Kesselhaken ("Hoal") Er zählt zu den ehrwürdigen Stücken altväterlichen Hausrats und war bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts das wichtigste hauswirtschaftliche Gerät: der Kesselhakel, in der Westeifel nur "Hoal" genannt. Als Teil des Herdes mit seinem offenem, auf "Brandruten" oder Feuerböcken" gelagerten Holzscheitfeuer hing er unter der weiten Öffnung des nach oben sich verengenden Schornsteins. Etwa seit den 20er Jahren musste die Hoal den geschlossenen gusseisernen Herden weichen und ist seither nur noch in Museen oder auf Flohmärkten zu sehen. Der Kesselhaken glich dem breiten Blatt einer starken Säge mit einseitig nach unten gerichteten Zähnen. In diese Zähne griff ein an einer Zugstange der Gegenseite angebrachter Sperrhaken ein, mit dessen Hilfe man den unten einhängenden Kessel höher oder niedriger hängen konnte. Eine nach dem gleichen Prinzip konstruierte Vorrichtung aus Holz diente übrigens zum Aufhängen des Öllichtes an der Zimmerdecke und wurde in der Westeifel "Stubenhoal" oder "Lichthoal" genannt. "Hoal" ist eine sehr alte deutsche Benennung, abgeleitet von "hangen". Mit Hilfe eines am oberen Ende befestigten Ringes war der Kesselhaken an einer Querstange im Schornstein ("Hoarscht") aufgehängt. In größeren Haushalten, Klöstern und Gastronomien waren zwei oder drei der Geräte an einem eisernen Tragegerüst angebracht.

Erstmals erwähnt wird nach meinem Wissen eine Hoal in einem Weistum des Dorfes Düngenheim bei Monreal aus dem Jahre 1521, ferner in einem Nachlaßverzeichnis des Pfarrhauses von Heimbach bei Kloster Mariawald von 1593 ("eyn eysern hael mit eynem henghange"). Das Gerät ist sicherlich aber weit älter, vielleicht brachten es die Römer mit, was aber nicht belegbar ist. Die Hoal war bei unseren Vorfahren ein hoch angesehenes Stück der Hausstätte. Beweise hierfür sind, dass man sie als Wappenbilder adeliger Geschlechter wiederfindet. Neben dem reinen Zweck war sie auch symbolisch und in der Brauchtumspflege von großer Bedeutung. So wurden in der Eifel jungverheiratete Frauen derart in den Haushalt eingeführt, dass ihnen der Kochlöffel umgehängt und sie dreimal um die Hoal herumgeleitet wurden. Hiermit bedeutete man der jungen Frau, wo künftig ihr neuer Aufgabenbereich liegt, zugleich aber auch, dass sie in die Hausgemeinschaft gehörte. In der Vulkaneifel trat eine Magd ihren neuen Dienst an, indem junge Burschen aus der Nachbarschaft sie dreimal um die Hoal führten und dafür einen Trunk erhielten. In weiten Teilen der Nord- und Osteifel steht die Redensart "De Hoal ophenken" für die Begründung eines Hausstandes und die Bereitung eines ersten Schmauses im neuen Haushalt. Selbst im französischen Sprachgebiet hat "pendre la cremaillere" (cramacula=Kesselhaken) dieselbe Bedeutung. Mit Hilfe der Hoal wurde in alten Zeiten auch die Abgabe eines Hauses oder Hofes sinnbildlich beurkundet. Ein Alt - Eifeler Rätsel befragt die Kinder nach"24 Nasen, die nicht schneuzen brauchen". Lösung: eine Feuerhoal mit 24 Sägezähnen oder spitznasigen Zacken. Die "eisernen Bibeln": Takenplatten Auch in Prüm gibt es sie - und zwar in einer wundervollen Dauerausstellung im Konvikt, Haus der Kultur: Takenplatten.

Dabei handelt es sich um gusseiserne Platten, die früher in Bauernhäusern in eine Aussparung der Feuerwand zwischen Küche und Stube eingemauert wurden. Sie nahmen die Hitze des Feuers auf und gaben sie zur Stube hin wieder ab. Der Namen leitet sich ab von dem lateinischen Terminus "tegere" = bedecken. Ofenplatten ähneln in Form und Herstellung den Takenplatten, die Seitenplatten verfügen an den Rändern jedoch über Lappen, die es ermöglichten, die zu einem Fünf-Platten-Ofen zusammengesetzten Platten mit der Rückseite in die Wand einzumauern. Sowohl Taken- als auch Ofenplatten haben in der Regel bildliche Darstellungen und zeigen bis zur Französischen Revolution meist biblische oder heraldische Motive, danach auch mythologische oder allegorische Darstellungen. Die weite Verbreitung von biblischen Motiven in bäuerlichen Anwesen legt nahe, dass die Takenplatten dort auch als Bilderbibel dienten, die die meist des Lesens und Schreibens nicht kundigen Menschen mit biblischen Geschichten unterhielten. Das Phänomen der Takenheizung ist auf einen eng begrenzten geografischen Rahmen beschränkt. Takenplatten wurden nur in Eisenhütten Ost-Belgiens, Lothringens, Luxemburgs, der Eifel, des Hunsrücks und des heutigen Saarlandes hergestellt. Die ältesten bekannten Platten stammen aus dem späten 15. Jahrhundert - einer Zeit, aus der sich ansonsten aus dem ländlichen Kulturkreis nichts erhalten hat.

 

Text: Joachim Schröder


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