

Inmitten von Fachwerkhäusern, Marktplätzen und kleinen Straßenszenen verstecken sich hunderte Geschichten. Wer durch die Wimmelbilder von Loretta Englich blättert, entdeckt nicht nur den Eifelkreis Bitburg-Prüm, sondern auch ein Stück Heimatgefühl. Für die 47-jährige Grafikerin ist das Projekt weit mehr als eine Sammlung bunter Illustrationen. Es ist eine zeichnerische Annäherung an eine Region, die sie längst ihre Wahlheimat nennt.
Wenn Englich an die Eifel denkt, kommen ihr sofort "die unendlichen Grünflächen, die Verbindung von Tradition und Moderne sowie die vielen Feste" in den Sinn. Die gebürtig aus dem Raum Köln/Bonn stammende Grafikerin lebt heute in der Eifel und hat im Laufe der Jahre Besonderheiten entdeckt, die sie aus ihrer alten Heimat nicht kannte. "Die Eierlage in Schönecken ist mir besonders in Erinnerung geblieben. So etwas gibt es im Rheinland nicht", erzählt sie im Gespräch.
Beim Zeichnen der Region habe sich auch ihr eigener Blick verändert. Wer Heimat in tausende kleine Details zerlege, beginne automatisch, genauer hinzusehen. "Natürlich gibt es in der ländlichen Eifel weniger Angebote als in der Stadt. Aber wenn man ganz genau hinschaut, entdeckt man, dass es hier nur so vor schönen Details wimmelt."
Die Idee für das Wimmelbuch entstand auch aus ihrer eigenen Begeisterung für das Format. "Man entdeckt immer wieder Neues, egal wie oft man das Buch schon durchgeschaut hat", erklärt Englich. Dabei gehe es ihr weniger darum, einzelne Menschen möglichst exakt abzubilden. Vielmehr wolle sie ihre persönliche Sicht auf die Region zeigen. Inspiration bekam sie dabei auch von ihrem Sohn. Das Wimmelbuch bezeichnet sie liebevoll als eine Art "Freizeitführer für Kinder". "Kinder sehen dann das ein oder andere Detail im Wimmelbuch und sagen: Da müssen wir hin!" Gleichzeitig könne das Buch auch Eltern Ideen für gemeinsame Ausflüge liefern.
Doch wie behält man bei so vielen Figuren, Gebäuden und Szenen überhaupt den Überblick? Für Englich ist das vor allem eine Frage der Struktur. Sie selbst sei ein ordnungsliebender Mensch. Wichtig sei es, "eine klare Botschaft, ein klares Bild zu vermitteln, damit sich das Auge nicht verliert. Wenn die Szenerie stimmt, entsteht die Ordnung beinahe von selbst."
Während der Arbeit am Buch habe sie selbst noch Neues über die Region gelernt, beispielsweise wie groß die Stadt Neuerburg eigentlich ist. Auch die besondere geografische Lage des Eifelkreises rückte für sie stärker in den Fokus. "Die Landesgrenzen zu Belgien und Luxemburg finden auch einen Platz in den Wimmelbildern."
Die Reaktionen auf das Projekt seien bislang durchweg positiv. Dass nicht jeder Ort des Eifelkreises im Buch auftauchen könne, sei dabei unvermeidbar.Gerade darin sieht Englich jedoch eine Chance: "Die Bilder laden dazu ein, über den Horizont des eigenen Heimatdorfs hinaus zu blicken." Die Eifel sei vielfältig und voller unbekannter Ecken. "Man kann Jahre in einer Gemeinde leben und trotzdem jeden Tag etwas Neues entdecken", sagt sie. Und mit einem Lachen ergänzt sie: "Man kann gar nicht jeden Winkel der Eifel kennen."
Stillstand scheint für die Grafikerin ohnehin keine Option zu sein. Auf die Frage nach kommenden Projekten bleibt sie zwar zurückhaltend, verrät aber doch so viel: "... es geht auch in meinem nächsten Projekt wieder darum, die Eifel zu entdecken. Es wird auch wieder wimmeln, allerdings in etwas abgewandelter Form."




