Frederik Scholl

Ersthelfer sind Lebensretter

Kreis Euskirchen. Ein Jahr »Corhelper«: 600 Menschen unterstützen mittlerweile im Kreis Euskirchen den Rettungsdienst über die »smartphonebasierte Ersthelferalarmierung«. In bisher 164 Einsätzen konnten mehrere Menschen vor dem Tod bewahrt werden.
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Sie freuen sich über die tolle Resonanz zur Corhelper-Initiative: (v.l.) Landrat Markus Ramers, Geschäftsbereichsleiterin Julia Baron sowie Martin Fehrmann und Martin Duske von der Abteilung Gefahrenabwehr.

Sie freuen sich über die tolle Resonanz zur Corhelper-Initiative: (v.l.) Landrat Markus Ramers, Geschäftsbereichsleiterin Julia Baron sowie Martin Fehrmann und Martin Duske von der Abteilung Gefahrenabwehr.

Foto: W. Andres / Kreisverwaltung Euskirchen

Rund 600 Ersthelfer, die bisher in 164 Fällen zum Einsatz gekommen sind und mehreren Menschen das Leben retten konnten: Das ist die Bilanz ein Jahr nach Einführung der Ersthelfer-App im Kreis Euskirchen. »Wenn wir nur ein einziges Leben hätten retten können, wäre es schon ein Erfolg gewesen. Dass es so viele geworden sind, freut mich umso mehr«, sagt Landrat Markus Ramers. »Mich beeindruckt vor allem, dass sich in so kurzer Zeit 600 potentielle Lebensretter gemeldet haben. Das zeigt, dass Hilfsbereitschaft und Solidarität hier großgeschrieben werden.«
Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Sekunde. Um die Zeit zwischen der Alarmierung und dem Eintreffen des Rettungsdienstes – das so genannte therapiefreie Intervall - zu überbrücken, gibt es im Kreis Euskirchen seit Februar 2021 die Ersthelfer-App »Corhelper«, bei der sich Interessierte als Ersthelfer registrieren können. Das Prinzip ist einfach: Wer helfen möchte, lädt die App aus den bekannten Stores auf das Smartphone. Nach Überprüfung der Voraussetzungen und einer Schulung erfolgt die Freischaltung. »Kommt es zu einer Notfallmeldung über den Notruf 112, der auf einen Herz-Kreislauf-Stillstand hinweist, alarmiert die Rettungsleitstelle den Ersthelfer automatisiert parallel zum Rettungsdienst«, erklärt Martin Fehrmann, der Abteilungsleiter Gefahrenabwehr bei der Kreisverwaltung. »Nimmt der Ersthelfer die Alarmierung an, leistet er so lange Erste Hilfe und leitet Wiederbelebungsmaßnahmen ein, bis der Rettungsdienst eintrifft.« Die registrierten Ersthelfer seien dabei formal kein Bestandteil des öffentlichen Rettungsdienstes, sondern agierten unterstützend. In 164 Fällen sind sie im vergangenen Jahr zum Einsatz gekommen, durchschnittlich etwa jeden zweiten Tag. »Das zeigt, wie wertvoll diese Unterstützung ist«, so Fehrmann. »Bei einem Herzinfarkt ist der Faktor Zeit entscheidend. Und da der Rettungsdienst im Durchschnitt acht bis 12 Minuten bis zum Einsatzort benötigt, kann die Unterstützung durch einen Ersthelfer in der Nachbarschaft die kritische Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes überbrücken. Und damit Leben retten.«
Ist eine Wiederbelebung erforderlich, kommen möglicherweise sogar zwei Ersthelfer zum Einsatz. Während einer zum Notfallort eilt und Erste Hilfe leistet, bringt ein zweiter Helfer einen »Defi« (Automatisierter externer Defibrillator/AED) zum Patienten. Diese Geräte sind häufig in einem Feuerwehrgerätehaus oder einem andere öffentlich zugänglichen Gebäude vorhanden. Auch das läuft automatisch über die App, die den Helfer zum Defi-Standort und anschließend zum Patienten navigiert. Die CorHelper-App sucht bei einer Alarmierung grundsätzlich nach drei Ersthelfern in einem Radius von 100 Metern zum Notfallort. Hält sich kein Ersthelfer in diesem Bereich auf, wird der Radius automatisch bis zu vier Kilometern erweitert. Der Ersthelfer erhält einen Alarm aufs Smartphone, den er annehmen oder ablehnen kann. »Und niemand hat irgendwelche Konsequenzen zu fürchten, wenn der Einsatz nicht wahrgenommen werden kann. Die Bereitschaft zur Mitwirkung als Ersthelfer ist freiwillig«, so Fehrmann.

Registrierung und Erstunterweisung

Wer sich als Ersthelfer registrieren möchte, muss volljährig sein, einen Erste-Hilfe-Lehrgang im Umfang von mindestens neun Unterrichtseinheiten innerhalb der letzten 24 Monaten absolviert haben und an einer Erstunterweisung des Kreises Euskirchen teilnehmen. Martin Duske von der Abteilung Gefahrenabwehr des Kreises resümiert: »Wir sind sehr zufrieden mit der Zahl der bereits registrierten Ersthelfer seit Projektstart im Februar 2021. Aber über weiteren Zuwachs würden wir uns natürlich sehr freuen.« Ziel ist es, wie Landrat Markus Ramers betont, auf einen Pool von rund 1300 bis 1500 Ersthelfer zurückgreifen zu können.
Weitere Infos: https://corhelper.de/