Das Handwerk zeigt Stärke

Hunsrück/Nahe. Beim Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft fordern Meister deutliche Aufwertung der beruflichen Bildung. „Der Handwerksmeister ist so viel wert wie ein Bachelor!“ Kreishandwerksmeister Alfred Wenz setzte den markigen Schlusspunkt am Ende des Neujahrsempfangs der Kreishandwerkerschaft Rhein-Nahe-Hunsrück im Bad Kreuznacher Kurhaus.

Innungen, Handwerkskammer, Arbeitsagentur und Sponsoren wollen die Nachwuchswerbung in 2019 noch mehr forcieren, damit das heimische Handwerk qualifizierte Fachkräfte ausbilden kann. Nach dem Umbau setzt das Haus des Handwerks einen neuen Schwerpunkt mit der (für die) Berufsorientierung junger Menschen, versprach Kreishandwerksmeister Peter Mumbauer.

Als „starkes Zeichen für einen starken Zusammenhalt“ der Handwerksfamilie begrüßte der neue Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ralf Hellrich die Handwerksmeister und ihre Gäste aus Politik und Wirtschaft. Zum 23. Neujahrsempfang hatten sich die Innungen aus den Landkreisen Bad Kreuznach, Birkenfeld und Rhein-Hunsrück im wieder einmal vollbesetzten Ovalen Saal des Kurhauses zusammengefunden. Langjährige Meister wurden ebenso geehrt wie der leistungsstarke Berufsnachwuchs.

Die Nachwuchswerbung und die Ausbildung von qualifizierten Handwerkern gehörten mit zu den Hauptaufgaben der Kreishandwerkerschaft, betonte Peter Mumbauer. Zurzeit seien im Landkreis Bad Kreuznach 52 freie Ausbildungsstellen, im Landkreis Birkenfeld neun und im Landkreis Rhein-Hunsrück 26. In den kommenden drei Jahren werde die Werbung auch mithilfe von der Sparkassenstiftung der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück verstärkt, bedankte sich der Kreishandwerksmeister.

Die Wiedereinführung der Meisterpflicht, von der 2004 über 50 Handwerksberufe befreit worden waren, werde auch dazu führen, dass mehr Fachkräfte ausgebildet werden. Fast alle Azubis im Handwerk würden nämlich in Meisterbetrieben ausgebildet, merkte Mumbauer an. Auch Langzeitarbeitslose könnten jetzt in Handwerksbetrieben eine neue Chance finden. Über ein neues Förderprogramm seien bis zu 100 Prozent Lohnkostenzuschüsse möglich. Das gleiche gelte auch für die Weiterbildung, die in vielen Fällen von der Agentur für Arbeit gefördert werden könne. Kreishandwerksmeister Mumbauer forderte die Handwerks-betriebe auf, Kontakt mit der Arbeitsverwaltung und den Jobcentern aufzunehmen.

Auch Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich von der Handwerkskammer Koblenz setzte in seiner Ansprache große Hoffnungen in die Wiedereinführung der Meisterpflicht, die laut Koalitionsvertrag jetzt überprüft wird. Dies werde auch die berufliche Bildung aufwerten. Gerade in Realschulen müsste das Handwerk stärker präsent sein und als vollwertige Alternative zur akademischen Bildung gelten, forderte er. Parallel dazu müsse das Ansehen der Handwerksberufe gesellschaftspolitisch aufpoliert werden. Die Gesellschaft müsse auch dafür sorgen, dass die starke Neigung junger Menschen zu akademischen Bildungsgängen korrigiert werde. Die berufliche Orientierung der Jugend sei die Hauptaufgabe, der sich Schulen und Handwerk stellen müsse, so Hellrich.

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