

Es wird laut im Eventum Wittlich. Metall kracht auf Metall, Räder verkeilen sich, Spieler stemmen sich mit voller Kraft in ihre Stühle – und mittendrin ein Ball, der den Unterschied macht. Wer Rollstuhlrugby noch nie live gesehen hat, wird am nächsten Wochenende überrascht sein.
„Eine Mischung aus Autoscooter und Schach“, nennt es Nationalspieler Maximilian Stolz. Treffender lässt sich dieser Sport kaum beschreiben.
Am Samstag, 9. und Sonntag, 10. Mai 2026 kommt die deutsche Rollstuhlrugby-Nationalmannschaft in die Säubrennerstadt. Für Stolz ist es mehr als nur ein sportlicher Termin. Es ist eine Rückkehr in die Heimat und eine Herzensangelegenheit.
Ein Heimspiel mit Mission
Stolz ist 29 Jahre alt, gebürtiger Wittlicher und lebt heute im nahegelegenen Eckfeld. Dass ausgerechnet hier ein internationales Rollstuhlrugby-Wochenende stattfindet, ist kein Zufall.
„Ich hatte das schon länger vor – mal hier Rugby zu spielen, damit die Leute, die mich kennen, das auch mal live erleben können“, sagt er.
Was als persönliche Idee begann, entwickelte sich schnell zu einem professionell organisierten Event. Mit rund zehn Sponsoren im Rücken, darunter regionale Unterstützer, konnte das Wochenende finanziell abgesichert werden und sogar mit einem kleinen Überschuss, der in die Nachwuchsarbeit fließen soll.
Ihm geht es dabei vor allem um eins: den Parasport sichtbar machen.
„Wir wollen zeigen, dass wir mit Rollstühlen mehr können als nur ein bisschen Larifari-Sport“, so der Athlet. „Wir spielen auf internationalem Niveau.“
Zum Anfassen: Parasport erleben
Der Auftakt gehört nicht den Profis – sondern allen, die neugierig sind. Am Samstag, 15 Uhr, lädt das Team zu einer Mitmachaktion ein. Besucher können selbst in die speziell gebauten Rugby-Rollstühle steigen, erste Fahrversuche wagen und den Umgang mit dem Ball ausprobieren.
„Die Leute können einfach mal Probesitzen, fahren, ein paar Skills lernen – oder sich mit uns austauschen“, erklärt er.
Das Angebot richtet sich bewusst an alle: Kinder, Erwachsene, Menschen mit und ohne Behinderung. Rollstuhlrugby ist zwar ein Sport für Menschen mit Einschränkungen an mindestens drei Gliedmaßen, doch die Begeisterung dafür kennt keine Grenzen.
Der Klassiker: Deutschland gegen die Niederlande
Am Sonntag, 14 Uhr, folgt dann der sportliche Höhepunkt: ein Länderspiel gegen die Niederlande. Ein Duell mit Tradition – und freundschaftlicher Rivalität.
„Das ist eigentlich so ein Klassiker, man kennt es ja vom Fußball“, sagt Stolz und lacht. Beide Teams trainieren regelmäßig gemeinsam, doch auf dem Feld geht es zur Sache. Der Kontakt ist ausdrücklich erlaubt – Rollstuhlrugby ist der einzige Kontaktsport im Behindertensport.
Gespielt wird vier gegen vier, viermal acht Minuten. Ziel ist es, den Ball kontrolliert über die Torlinie zu bringen. Dabei zählt nicht nur Kraft, sondern vor allem Taktik. Jeder Spieler ist klassifiziert – von 0,5 bis 3,5 Punkten, je nach Grad der Beeinträchtigung. Insgesamt dürfen pro Team maximal acht Punkte gleichzeitig auf dem Feld stehen.
Mehr als Sport: Vorbereitung auf die Weltbühne
Für die deutsche Nationalmannschaft ist das Spiel mehr als ein Freundschaftsduell. Es ist Teil der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft im August in São Paulo.
Deutschland konnte sich dank eines vierten Platzes bei der Europameisterschaft in Den Haag im letzten Jahr bereits qualifizieren. Dort war es ausgerechnet das deutsche Team, das die Niederlande aus dem Turnier warf. Die Nachbarn konnten sich vor kurzem ihr Ticket nach Brasilien erspielen.
„Wir wollen bei der WM den Gegner ärgern“, sagt Stolz selbstbewusst. Das Ziel: mindestens unter die besten Acht kommen, idealerweise zwischen Platz vier und acht. Eine Platzierung, die nicht nur sportlich wichtig ist, sondern auch über Fördermittel entscheidet.
Vom Rehasport zum Nationalspieler
Dass Stolz heute im Nationaltrikot spielt, begann mit einem Einschnitt. 2018 erlitt er bei einem Badeunfall eine Querschnittlähmung. In der Reha in Koblenz kam er erstmals mit Rollstuhlrugby in Kontakt und blieb.
Über die Koblenz Speedos (von der Rollstuhl-Sportgemeinschaft Koblenz e.V.), für die er bis heute spielt, führte sein Weg schließlich in die Nationalmannschaft. Seit 2023 ist er fester Bestandteil des Teams, inzwischen auch Aktivensprecher und Athletenvertreter.
Seine Geschichte ist typisch für viele im Team. Sie zeigt, was dieser Sport leisten kann: Rehabilitation, Leistungssport und Gemeinschaft zugleich.
Ein Sport, der verbindet
Rollstuhlrugby ist schnell, hart und taktisch anspruchsvoll. Die speziell gebauten Stühle sind verstärkt, „gepanzert“ – gemacht für Kollisionen. Männer und Frauen spielen gemeinsam in sogenannten Mixed Teams. Frauen erhalten dabei einen Bonus in der Punktewertung, um die Teams auszugleichen.
„Wir wollen Freunde und Unterstützer für den Sport gewinnen“, sagt Stolz. Der Eintritt ist frei, für Verpflegung sorgt der Verein Benefits Radler e.V., Spenden sind willkommen.
Mehr unter: https://www.wheelchairrugby.de/




