Bundeswehr unterstützt Löscheinsatz im Enderttal
Von Mario Zender
Greimersburg. Es ist einer der schwierigsten Orte, an denen ein Waldbrand die Einsatzkräfte treffen kann: steile Hänge, kaum Zufahrtsmöglichkeiten, dichtes Gelände und hochsommerliche Temperaturen. Seit Freitagnachmittag kämpfen Feuerwehr, Polizei, DRK, Katastrophenschutz und zahlreiche freiwillige Helfer gegen den Brand im Enderttal zwischen Greimersburg und Büchel. Rund 130 Einsatzkräfte sind inzwischen vor Ort. Besonders beeindruckend ist dabei die Unterstützung der Landwirte. Mit großen Wassertransporten, ungewöhnlichen Ideen und viel Improvisation sorgen sie dafür, dass das Löschwasser überhaupt dorthin kommt, wo es dringend gebraucht wird.
„So eine gute Zusammenarbeit habe ich selten gesehen“, sagt Udo Bukschat von der Verbandsgemeinde Cochem. Deshalb steht für die Verantwortlichen des großen Feuerwehreinsatzes im Enderttal auch fest: Ohne die massive Unterstützung aus der Landwirtschaft wäre der Einsatz in dieser Form kaum zu bewältigen.
Das größte Problem ist die Lage des Brandes. Tief im Enderttal, teilweise an steilen Hängen, müssen derzeit rund 70 Feuerwehrleute unmittelbar im Gelände arbeiten. Fahrzeuge können dort vielerorts nicht eingesetzt werden. Drei spezielle Waldbrandfahrzeuge aus dem Rhein-Pfalz-Kreis unterstützen den Einsatz. Sie stehen teilweise stationär im Tal, weil sie bis an den Endertbach herankommen. Von dort aus geht es für die Feuerwehrleute zu Fuß weiter.
Dabei kommt eine ebenso einfache wie anstrengende Methode zum Einsatz: Löschrucksäcke. Einsatzleiter Jörg Hirschen erläutert: „Rund 20 Liter Wasser passen in einen solchen Rucksack. Das Wasser wird am Endertbach aufgenommen, anschließend schleppen die Einsatzkräfte die schweren Behälter in den Hang. Mit Handpumpen werden dort Glutnester abgelöscht.“ Vier Einsatzkräfte sind derzeit allein mit diesen Rucksäcken unterwegs. An anderen Stellen müssen Feuerwehrleute sogar Baumstämme von Hand drehen, um darunter verborgene Glutnester zu erreichen.
Die Arbeit ist kräftezehrend. Nach rund sechs Stunden sollen die Kräfte möglichst abgelöst werden. Doch auch das wird zunehmend schwierig. Überörtliche Unterstützung wurde angefragt, allerdings sind derzeit vielerorts Einsatzkräfte gebunden. In einer Telefonkonferenz soll deshalb geklärt werden, welches zusätzliche Personal noch zur Verfügung gestellt werden kann. Gerade bei den hohen Temperaturen ist eine regelmäßige Ablösung der Feuerwehrleute zwingend notwendig.
Eine wichtige Unterstützung sind auch die großen Löschfahrzeuge der Bundeswehrfeuerwehr aus Büchel. Diese können mit ihren großen Wassertanks direkt am Waldrand große Mengen Wasser ausbringen. „Das ist eine enorme Hilfe für unsere Feuerwehr“, betont Bürgermeister Wolfgang Lambertz.
Auch beim Löschwasser ist Improvisation gefragt. An der Kläranlage Greimersburg wird gereinigtes Wasser genutzt. Große Lkw und Landwirte mit Güllefässern bringen zusätzlich Wasser heran. Auch eine Wasserstation in Faid spielt bei der Versorgung eine wichtige Rolle. Über eine rund drei Kilometer lange Strecke muss das Wasser teilweise bis in Richtung Brandgebiet transportiert werden. Die Einheit aus Dohr arbeitet dabei unter anderem mit einer Verstärkerpumpe. Das Wasser wird bis zu Löschfahrzeugen beziehungsweise Verteilern weitergeleitet.
Besonders bemerkenswert sind die Ideen der Landwirte. Wo geeignete Wasservorratsbehälter fehlten, wurde kurzerhand selbst gebaut: Aus Strohballen errichteten die Helfer ein Gerüst, das mit Planen ausgeschlagen wurde. So entstand innerhalb kurzer Zeit ein provisorischer Wasserspeicher. Große Container werden zudem von Lkw mit Wasser befüllt. Insgesamt stehen damit erhebliche Wassermengen für die Löscharbeiten bereit.
Unterstützung kommt auch aus der Luft. Ein Polizeihubschrauber vom Standort Winningen ist im Einsatz. An dem Hubschrauber wird ein Löschwasserbehälter befestigt, mit dem bei einem Abwurf jeweils rund 820 Liter Wasser gezielt über den Brandstellen abgelassen werden können. Die Koordination zwischen Bodenkräften und Hubschrauber übernimmt die Polizei gemeinsam mit der Einsatzleitung. VG-Bürgermeister Wolfgang Lambertz: „Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung der Polizei. Mit ihren Hubschraubern können sie punktgenau Wasser dort ablassen, wo es benötigt wird.“
Damit das Wasser möglichst genau dort landet, wo es gebraucht wird, kommt modernste Drohnentechnik zum Einsatz. Die Technische Einsatzleitung Cochem-Zell setzt die Fachgruppe Drohne des Katastrophenschutzes ein. Mit einer DJI M350 und Wärmebildtechnik wird das Gelände aus der Luft kontrolliert. Die fast zehn Kilogramm schwere Drohne kann Glutnester erkennen, die vom Boden aus teilweise überhaupt nicht sichtbar wären.
Mit dabei sind Markus Reif (51) und sein Sohn Marius (23). Mit einer Drohne der Technischen Einsatzleitung, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist, durchsuchen sie das Gelände systematisch nach auffälligen Stellen. Werden Glutnester entdeckt, können deren genaue Koordinaten bestimmt werden. Diese Daten gehen anschließend an die Einsatzkräfte beziehungsweise an den Polizeihubschrauber. So können besonders kritische Stellen gezielt angeflogen und abgelöscht werden.
Auch das Deutsche Rote Kreuz ist seit Freitagnachmittag vor Ort. Nach Angaben von Thomas Schlich, Kreisbereitschaftsleiter des DRK, sind 18 DRK-Kräfte im Einsatz. Sie übernehmen die Verpflegung der zahlreichen Helfer und stellen gleichzeitig die sanitätsdienstliche Absicherung sicher.
Die Zugangswege zum Enderttal bleiben während des Einsatzes vollständig gesperrt, wie Udo Bukschat von der Verbandsgemeinde betont. Für Wanderer und Spaziergänger gibt es derzeit kein Durchkommen. Das ist angesichts der zahlreichen Einsatzfahrzeuge, der Wassertransporte und der Arbeiten im steilen Gelände zwingend erforderlich.
Wie lange der Einsatz noch dauern wird, lässt sich derzeit kaum abschätzen. Denn selbst wenn keine offenen Flammen mehr zu sehen sind, bleiben die Glutnester im Waldboden eine Gefahr. Immer wieder müssen Stellen kontrolliert, Baumstämme gedreht und versteckte Brandherde abgelöscht werden.
Einsatzleiter Jörg Hirschen geht derzeit davon aus, dass Feuerwehr, Polizei, DRK, Katastrophenschutz und Landwirte noch mindestens bis Sonntagmittag gebraucht werden. Deshalb hat er erneut zusätzliche Einsatzkräfte auch von außerhalb des Landkreises um Unterstützung gebeten. Unter anderem kommen weitere Kräfte aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis nach Faid, um die Einsatzkräfte vor Ort zu unterstützen.