Mario Zender

Wenn Hilfe aus der Luft kommt: Polizeihubschrauber im Kampf gegen die Waldbrände

Die Besatzung des Polizeihubschraubers bereitet in Faid den Einsatz vor und befestigt den sogenannten „Bambi Bucket“ – einen Wassersack – am Hubschrauber.

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Von Mario Zender

Cochem/Langscheid. Wenn sich die Rotorblätter drehen, wird es laut. Wenig später hebt der Polizeihubschrauber mit der Kennung D-HRPD ab. Unter ihm hängt ein großer orangener Wassersack. Rund 820 Liter Wasser nimmt die Maschine mit auf den Weg zum nächsten Brandherd. Bei den Waldbränden in der Vordereifel und im Enderttal ist die Unterstützung aus der Luft derzeit ein wichtiger Baustein der Löscharbeiten.
Gerade im steilen und teilweise kaum zugänglichen Enderttal kommen die Einsatzkräfte am Boden nicht überall hin. Dort schlägt die Stunde der Polizeihubschrauberstaffel Rheinland-Pfalz. „Diese Einsätze sind unverzichtbar“, sagt Cochems Bürgermeister Wolfgang Lambertz. Nur durch die Unterstützung aus der Luft sei es gelungen, schwer zugängliche Bereiche gezielt mit Wasser zu löschen.
Dabei fliegt die Besatzung keineswegs auf gut Glück über den Wald. Die Feuerwehr erkundet die Brandstellen und übermittelt der Hubschrauberbesatzung genaue Koordinaten. Dann steuert der Pilot die Maschine gezielt zu den Brandnestern. „Wir sind sehr dankbar, dass uns die Polizei hier so schnell und unbürokratisch unterstützt“, sagt Lambertz gegenüber dem WochenSpiegel.
Was vom Boden spektakulär aussieht, verlangt im Cockpit höchste Konzentration. Pilot und Borgward gehören zu den Besatzungen, die solche Einsätze fliegen. Unter der Maschine hängt der sogenannte „Bambi Bucket“, ein großer Löschwasserbehälter. Gefüllt bringt allein das Wasser mehr als 800 Kilogramm zusätzliches Gewicht an den Hubschrauber.
Schon die Wasseraufnahme ist Präzisionsarbeit. Der Behälter muss möglichst genau in die vorbereitete Wasserstelle gebracht werden. Danach geht es mit der schweren Außenlast wieder nach oben. Pilot und Besatzung müssen dabei ständig darauf achten, die Leistungsgrenzen der Maschine nicht zu überschreiten. Temperatur, Treibstoffmenge, Gewicht und weitere Faktoren spielen eine Rolle. Gerade an heißen Sommertagen ist das eine besondere Herausforderung: Je höher die Temperaturen, desto geringer kann die verfügbare Leistungsreserve sein. Bei kühlerer Luft sind die Bedingungen für eine hohe Tragfähigkeit günstiger.
Wo es möglich und für den Einsatz sinnvoll ist, wird zudem Gewicht gespart. Denn jedes Kilogramm zählt, wenn unter dem Hubschrauber mehrere Hundert Liter Löschwasser hängen.
Ist der Brandherd erreicht, folgt der nächste entscheidende Moment. Der Pilot muss die Maschine so positionieren, dass das Wasser möglichst genau dort landet, wo die Feuerwehr es benötigt. Der Behälter wird über einen Mechanismus geöffnet – innerhalb weniger Sekunden stürzt das Wasser in die Tiefe. Dann geht es zurück zur Wasseraufnahme. Immer wieder, Runde für Runde.
Die neuen H145 D3 von Airbus bieten dafür deutlich mehr Möglichkeiten als ihre Vorgänger. Zwei dieser modernen Hubschrauber gehören zur Polizeihubschrauberstaffel Rheinland-Pfalz. Sie wurden 2024 in Dienst gestellt und verfügen unter anderem über einen Fünfblattrotor. Dieser ermöglicht eine höhere Nutzlast und sorgt zugleich für eine ruhigere Fluglage. Daneben verfügt die Staffel noch über eine ältere EC135. 32,9 Millionen Euro hat sich das Land die hochmodernen Hubschrauber kosten lassen. Der Betrag schließt die Anschaffung und die spezielle polizeiliche Ausrüstung der beiden Maschinen ein.  Stationiert ist die Polizeihubschrauberstaffel am Flugplatz Koblenz-Winningen. Ihre Geschichte reicht mehr als 50 Jahre zurück. Im April 1974 wurde die Staffel gegründet, seit 1978 ist sie in Winningen beheimatet. Rund 50 Mitarbeiter gehören zur Einheit.
Normalerweise sieht der Alltag der fliegenden Polizisten häufig anders aus. Vermisstensuchen, Überwachungsflüge oder die Unterstützung bei größeren Polizeieinsätzen gehören zu ihren Aufgaben. Dann steht der Hubschrauber teilweise längere Zeit über einem Gebiet, während die Besatzung mit Kameras und Wärmebildtechnik den Boden absucht.
Ein Löscheinsatz ist dagegen auch für erfahrene Piloten etwas Besonderes. Er verlangt ein völlig anderes Fliegen. Mit der schweren Außenlast unter der Maschine und ständig wechselnden Bedingungen ist viel fliegerisches Können gefragt. Für die Teams sei das eine besondere Aufgabe und durchaus eine Abwechslung vom normalen Einsatzgeschäft.
Bis zu rund drei Stunden kann eine H145 grundsätzlich in der Luft bleiben – wie lange tatsächlich geflogen werden kann, hängt jedoch von Beladung, Treibstoff, Wetter und Einsatzprofil ab. Bei Waldbränden kommt ein weiterer Faktor hinzu: Tageslicht. Zwar können die Polizeipiloten dank Nachtsichttechnik grundsätzlich auch in der Dunkelheit fliegen. Löscheinsätze mit einer Außenlast sind nachts jedoch zu gefährlich. Deshalb wird bei solchen Einsätzen auf Sicht und in der Regel zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang geflogen.
Wie wichtig der Einsatz der Hubschrauber ist zeigt sich in diesen Tagen bei den Bränden in der Vordereifel als auch im Enderttal. Während unten Feuerwehrleute gegen die Flammen kämpfen, kommt die Hilfe für die besonders schwierigen Stellen aus der Luft. Ein Wassersack, rund 820 Liter Löschwasser und eine Besatzung, die ihren Hubschrauber punktgenau über den Brandherd bringen muss.
Für Bürgermeister Wolfgang Lambertz steht deshalb fest: Ohne diese Unterstützung wären die Löscharbeiten im unwegsamen Enderttal erheblich schwieriger gewesen.