„Cochem verliert verdiente und geachtet Persönlichkeit“: Alt-Bürgermeister Herbert Hilken im Alter von 80 Jahren gestorben
Cochem. Die Kreisstadt Cochem trauert um einen Mann, der die Geschicke der Moselstadt über viele Jahre hinweg mit Leidenschaft, Ecken und Kanten und einer gehörigen Portion Humor geprägt hat: Herbert Hilken ist tot. Mit ihm verliert die Stadt nicht nur einen langjährigen Bürgermeister, sondern eine prägende Persönlichkeit, die ihre Heimat zutiefst liebte und sich mit Herzblut für sie einsetzte.
16 Jahre lang stand Hilken an der Spitze der Stadt. Als er 1995 zum Bürgermeister gewählt wurde, brachte er nicht nur Verwaltungserfahrung, sondern auch den unverwechselbaren Ton eines ehemaligen Bundeswehr-Offiziers mit ins Rathaus. Zuvor war er in Cochem als Rechtsanwalt tätig. Seinen Führungsstil beschrieb er selbst einmal augenzwinkernd als „streng jovial“. Disziplin und Geselligkeit – für ihn kein Widerspruch, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Wer mit ihm zusammenarbeitete, erlebte einen Chef, der klare Worte fand, zugleich aber stets das Menschliche im Blick behielt.
Viele Weggefährten erinnern sich an das gute Betriebsklima in der Verwaltung, das Hilken von Beginn an förderte. Respektvoller Umgang, Nähe zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und ein offenes Ohr für Anliegen prägten seine Amtszeit. Für ihn war Verwaltung nie Selbstzweck, sondern Dienst an der Stadtgemeinschaft.
Nicht jedes Vorhaben war von Erfolg gekrönt. So blieb etwa ein groß angelegtes Einkaufszentrum im Gewerbegebiet unerfüllt. Doch Hilken wich Rückschlägen nicht aus. Er sprach offen über Fehler, räumte ein, wenn „einiges schiefgelaufen“ war, und übernahm Verantwortung. Gerade diese Ehrlichkeit machte ihn für viele Bürgerinnen und Bürger glaubwürdig.
Umso sichtbarer sind die Spuren, die bleiben. Die Flurbereinigung im Stadtteil Cond sicherte den Weinbau nachhaltig und stärkte das Profil Cochems als Weinstadt. Der historische Stadtkern wurde umfassend aufgewertet, das ehemalige Kapuzinerkloster zu einem Kulturzentrum ausgebaut. Auch die Sanierung der Winneburg-Ruine und der Ausbau der Ortsdurchfahrt B 49 trugen seine Handschrift. Dabei bewies Hilken Durchhaltevermögen – ob in zähen Verhandlungen mit Behörden oder im Ringen um politische Mehrheiten im Stadtrat.
Ein Meilenstein war die freiwillige Fusion der Stadt mit der Verbandsgemeinde Cochem-Land zur neuen Verbandsgemeinde Cochem. Für Hilken war klar: Dieses Modellprojekt durfte nicht scheitern. Dass die Zusammenführung gelang, erfüllte ihn mit sichtbarer Erleichterung – und auch mit einem Schuss Stolz.
Neben aller Politik war Herbert Hilken stets auch Mensch unter Menschen. Er liebte die Fastnacht, pflegte den Kontakt in seiner Stammkneipe und wusste, dass gute Reden nicht am Schreibtisch entstehen, sondern im Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern.
Mit Herbert Hilken verliert die Stadt ein Original, einen streitbaren Geist und einen leidenschaftlichen Heimatfreund. Einen, der Verantwortung trug, Entscheidungen traf, Fehler eingestand und Erfolge mit allen teilte.
Walter Schmitz, Cochems Stadtbürgermeister und Hilkens Nachfolger, würdigte ihn mit bewegenden Worten:
„Herbert war mit Leib und Seele Cochemer. Er hat für seine Heimatstadt gelebt, in vielen Vereinen, im kirchlichen Bereich, aber auch als Kommunalpolitiker und 16 Jahre als Stadtbürgermeister gewirkt. Wir verlieren eine beliebte und verdiente Persönlichkeit.“
Am vergangenen Samstag starb Herbert Hilken im Alter von 80 Jahren im Cochemer Seniorenheim St. Hedwig, wo er die vergangenen drei Jahre gemeinsam mit seiner Frau gelebt hatte.