Simone Wunder

Cochemer Gymnasiasten würdigen Opfer des Nationalsozialismus am Mahnmal Ebernach

Schülerinnen und Schüler des Martin-von-Cochem-Gymnasiums erinnerten am Mahnmal Ebernach an die Opfer der NS-Euthanasie.

Schülerinnen und Schüler des Martin-von-Cochem-Gymnasiums erinnerten am Mahnmal Ebernach an die Opfer der NS-Euthanasie.

Bild: Sven Ziegler

Cochem. 25 Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse des Martin-von-Cochem Gymnasiums lasen am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus Namen derer, die den von Nationalsozialisten befohlenen Abtransport aus Ebernach erlitten und in der sogenannten NS-Euthanasie ums Leben kamen. Man war lange der Meinung, dass die Namen speziell zweier Opfergruppen: von sogenannten Asozialen und von Anstaltspfleglingen nicht genannt werden aus Opferschutzgründen. Heute ist man in der Erinnerungsarbeit der Ansicht, dass man die Namen nennen darf bei Gedenkveranstaltungen, um die Opfer zu würdigen und wieder mit hineinzunehmen in die Erinnerung der Gemeinschaft. Die Namen, die genannt wurden, stehen exemplarisch für mehr als 300.000 in der NS-Euthanasie Ermordeten. Für jeden Menschen stellten die Gymnasiasten ein Würde-Täfelchen auf.
„Durch die Euthanasie wurden die Menschen namenlos, sie rutschten ins Vergessen ab“, so Veronika Rass. Darum ist es nötig, ihnen ihre Namen und damit ihre Würde wieder zurückzugeben.
Superior der Franziskanerbrüder Br. Michael Ruedin bezeichnete das Mahnmal für die 1943 durch die NS-Euthanasie gewaltsam zu Tode gekommenen psychisch und geistig Kranken von Ebernach einen „Stein des Anstoßes und des Gedenkens“. „Hier wurden Menschen ausgesondert, weil sie nicht ins Bild der NS-Euthanasie passten." „Daran erinnern wir uns, dies muss uns Mahnung sein.“
Landrätin Anke Beilstein betonte: „Jeder Mensch ist wertvoll, weil er ein Mensch ist. Und diese Würde gilt für alle Menschen. Menschsein ist die einzige Voraussetzung für diese Würde. Angesichts des wieder erstarkenden Rechtsextremismus ist es gut, dass so viele zur Gedenkfeier gekommen sind. Denn das Vergessen darf nicht eintreten, die Mahnung muss weitergegeben werden.“ Sie erinnerte an einer beeinträchtigten jüdischen Person aus dem Moseltal, Irma S., die 1942 ins Tötungslager Brandenburg an der Havel deportiert wurde und gewaltsam ums Leben kam.
„Brandenburg, Bernburg, Hadamar, Sonnenstein, Grafeneck, Hartheim. Was sagen uns diese Orte?“, fragte Pastor Sven Ziegler von der Evangelischen Freikirchlichen Gemeinde Bendorf. Es sind Tötungsanstalten, an denen eines der größten Massenmordverbrechen der NS-Zeit vollzogen wurde, machte er deutlich. „Menschen, die man aus einem Wahn eines gesunden Volkes und einer gesunden Rasse ächtete, ausschloss und vernichten wollte“, so Ziegler.
Mitglieder der jüdischen Gemeinde Koblenz trugen das Gebet „El male rachamim“ und gedenken aller Opfer des NS-Unrechts. Man gedachte der ums Leben Gekommenen in einer Schweigeminute, bevor man die Getöteten mit einer Kranzniederlegung am Mahnmal Ebernach ehrte.
Franziskanerbrüder wurden durch Nazis damals gezwungen, Menschen mit Hilfebedarfen abtransportieren zu lassen. Auch ihnen galt ein Wort.
Nahezu 100 Personen nahmen teil an der Gedenkstunde, an deren Gestaltung sich die Pfarrei Heilige Maria Magdalena Cochem, der Pastorale Raum Arbeitsbereich Erinnerungskultur und Jugend, Evang. Kirchengemeinde Cochem, Bund Evang. Freikirchlicher Gemeinden, Jüdische Gemeinde Koblenz, Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz in Kloster Ebernach, Kreishaus Cochem-Zell und das Martin-von-Cochem-Gymnasium beteiligten.

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