Mario Zender

Insiderwissen? Plötzlich fehlen 17.000 Euro aus dem Tresor

In der Nacht vom 25. auf den 26. Mai drangen unbekannte Täter in das Freibad Ellenz-Poltersdorf (Foto) ein und räumten den Tresor aus. Darin befand sich zu diesem Zeitpunkt ungewöhnlich viel Bargeld. Hatten die Täter Insiderwissen?

In der Nacht vom 25. auf den 26. Mai drangen unbekannte Täter in das Freibad Ellenz-Poltersdorf (Foto) ein und räumten den Tresor aus. Darin befand sich zu diesem Zeitpunkt ungewöhnlich viel Bargeld. Hatten die Täter Insiderwissen?

Bild: Zender

Ellenz-Poltersdorf. Freibad-Einbruch wirft brisante Fragen auf. Ausgerechnet an dem Tag, als der Tresor so voll war wie nie zuvor, schlugen die Täter zu. Hatten sie Insiderwissen? Die Kripo ermittelt. Offenbar wurden Sicherheitsvorkehrungen völlig missachtet. Der Schaden ist hoch – von den Tätern fehlt bislang jede Spur.
Von Mario Zender

Über das Pfingstwochenende wurde in das Freibad Ellenz-Poltersdorf eingebrochen. Ein Routineeinsatz für die Polizei – zumindest am Anfang. Der Kripo Mayen war der Vorfall lediglich eine kurze, dreizeilige Pressemitteilung wert: »Unbekannte Täter brachen vermutlich in der Nacht von Montag, 25. Mai, auf Dienstag, 26. Mai, in das Freibad von Ellenz-Poltersdorf ein. Der oder die Täter entwendeten Bargeld. Wer kann Hinweise geben bzw. hat zu dieser Zeit verdächtige Beobachtungen in Ellenz-Poltersdorf gemacht?«
Doch hinter dem unspektakulär erscheinenden Bagatelleinbruch steckt offenbar weit mehr, als zunächst bekannt wurde. 
Das legen Recherchen unserer Zeitung nahe.
Nach Informationen des WochenSpiegel sollen die Täter in das Freibad eingedrungen sein und dabei eine außergewöhnlich hohe Beute gemacht haben. Demnach sollen sich rund 17.000 Euro Bargeld im Tresor befunden haben – Einnahmen aus dem Badebetrieb. 
Warum lag so viel Bargeld im Freibad? Gerade in den ersten warmen Wochen des Jahres klingeln in Freibädern die Kassen. Im konkreten Fall lag es nach Angaben des Geschäftsführers der Freizeitzentrum Cochem GmbH, Frank Wagner, die das Freibad in Ellenz mitbetreut, daran, dass an diesem Wochenende viele Jahreskarten zum Preis von jeweils 150 Euro verkauft wurden.
Eigentlich sollten die Einnahmen regelmäßig bei der Bank eingezahlt werden. Nach Informationen des WochenSpiegel geschah dies in diesem Fall jedoch über mehrere Tage hinweg nicht.
Stattdessen soll das Bargeld im Tresor des Freibades aufbewahrt worden sein. 
Brisant: Nach Informationen des WochenSpiegel soll sich auch der Schlüssel für den Tresor im Büro befunden haben – und damit offenbar nicht an dem vorgesehenen sicheren Aufbewahrungsort.
Wo genau der Schlüssel lag, dazu möchte sich Geschäftsführer Frank Wagner aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht äußern.
Die Täter hatten offenbar leichtes Spiel. Sie konnten nicht nur in das Gebäude eindringen und mit dem passenden Schlüssel den Tresor öffnen – dort lagen zudem rund 17.000 Euro bereit. Ein Vielfaches dessen, was sich an normalen Tagen im Tresor befindet, wie Wagner bestätigt.
War es also wirklich ein gewöhnlicher Einbruch? Genau diese Frage beschäftigt offenbar auch die Ermittler. Denn ein Bargeldbestand von rund 17.000 Euro in einem Freibad-Tresor ist alles andere als gewöhnlich.
Nach Informationen des WochenSpiegel wird deshalb geprüft, ob die Täter möglicherweise über Insiderwissen verfügten. Dies bestätigt auch Geschäftsführer Frank Wagner auf Anfrage.
Hinzu kommt eine weitere Auffälligkeit: Für das Freibad existieren zahlreiche Schlüssel. Ob der oder die Täter möglicherweise Zugang zu einem Schlüssel hatten oder über interne Informationen verfügten, ist nach Informationen des WochenSpiegel ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen.
Auffällig ist zudem, dass offenbar weder Fenster noch Türen beschädigt wurden. Dies könnte ebenfalls darauf hindeuten, dass der oder die Täter mit einem Schlüssel in das Gebäude gelangten.
Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnten unangenehme Fragen auf die Verantwortlichen zukommen. Wurden Sicherheitsvorschriften missachtet? Hätte der hohe Bargeldbestand vermieden werden können? Und wer haftet letztlich für den entstandenen Schaden?
Besonders brisant: Möglicherweise bleibt der Schwimmbadbetreiber – und damit letztlich die Allgemeinheit – am Ende sogar auf dem gesamten Schaden sitzen. Denn nach Informationen des WochenSpiegel lag der Tresorschlüssel ausgerechnet im Büro des Schwimmbades – ein Umstand, den Versicherungen häufig als grobe Fahrlässigkeit einstufen.
Für Versicherer sind solche Fälle meist eindeutig: Werden grundlegende Sicherheitsvorgaben missachtet, können Leistungen gekürzt oder sogar vollständig verweigert werden.
Die Verantwortlichen des Freibades haben nach dem Einbruch umgehend reagiert und sämtliche Schlösser ausgetauscht, wie Geschäftsführer Wagner erläutert.
Bericht folgt.