Am 8. Mai jährt sich der Tag, der das Leben von Jenny B. für immer verändert hat. Es ist der Tag, an dem ihre kleine Tochter Emily starb – nur drei Jahre alt. Mutmaßlich wurde sie von einem Nachbarn erschlagen. Ein Verbrechen, das die Region erschütterte und bis heute viele Fragen
offenlässt.
Von Mario Zender
Urmersbach/Masburg. Am kommenden Freitag, 8. Mai, jährt sich der Tod der kleinen Emily. Für ihre Mutter Jenny B. ist es ein Datum, das sich unauslöschlich in ihr Leben eingebrannt hat. Ein Tag der Trauer – und der stillen Erinnerung an ein Kind, das viel zu früh gehen musste. Auch ein Jahr später gehört der Besuch am Grab zu ihrem Alltag. Jenny B. kommt regelmäßig auf den Friedhof, hält inne, spricht leise Worte, richtet Kerzen und kleine Erinnerungsstücke. »Ich denke jeden Tag an sie«, sagt die 27-Jährige. Der Schmerz ist geblieben. Er hat sich verändert, ist aber nicht verschwunden. »Man lernt, damit zu leben«, sagt sie. »Aber vergessen kann man nicht.«
Halt in schweren ZeitenEine wichtige Stütze ist ihr Lebensgefährte Torben W. (35). Seit dem Tod des Kindes steht er an ihrer Seite, begleitet sie durch den Alltag und durch die schwierigen Momente. Auch für ihn ist der Jahrestag kein gewöhnlicher Tag. Er habe Emily, obwohl nicht sein leibliches Kind, »wie eine eigene Tochter geliebt«. »Der 8. Mai wird schwer«, sagt er. »Es kommt vieles wieder hoch.« Gemeinsam haben sie gelernt, mit der Trauer umzugehen – Schritt für Schritt, Tag für Tag. Bei aller Trauer gibt es inzwischen auch einen vorsichtigen Blick nach vorn. Jenny B. lächelt ein wenig und verrät: »Ich bin wieder schwanger.« Wenn alles planmäßig verläuft, wird sie im Sommer ein Kind zur Welt bringen.
»Wir sind überglücklich«, sagt sie. Es ist eine Freude, die Kraft gibt – ohne den Verlust zu verdrängen. Denn die Erinnerung an Emily bleibt ein fester Teil ihres Lebens. »Emily hatte sich immer ein Schwesterchen gewünscht«, sagt Torben W. So wird auch der Jahrestag von beidem geprägt sein: von Trauer und von Hoffnung. Von der Erinnerung an das, was fehlt – und von der Erwartung dessen, was kommt. Jenny B. wird an diesem Tag, wie so oft, am Grab ihrer Tochter stehen. Und gleichzeitig an die Zukunft denken. An ihr ungeborenes Kind. An ein neues Kapitel. Eines, das nicht ohne Schmerz beginnt – aber mit dem Wunsch, wieder nach vorn zu schauen.
Hier ein Beitrag den wir im Februar zum dem Fall veröffentlicht haben. Mit dabei auch ein ausführliches Interview mit der Mutter:
https://www.wochenspiegellive.de/kreis-cochem-zell/artikel/der-tag-an-dem-emily-starbHINWEIS: Normalerweise berichtet der WochenSpiegel nicht über Suizide. Dies entspricht den Vorgaben des Pressekodex. Ausnahmen gelten, wenn es sich um Ereignisse der Zeitgeschichte oder um Vorfälle von erhöhtem öffentlichem Interesse handelt. Dies ist hier der Fall. Sollten Sie selbst von Suizidgedanken betroffen sein, suchen Sie bitte professionelle Hilfe. Diese erhalten Sie bei der Telefonseelsorge unter 116 123.