

Zwei Mal im Jahr bildet das S-Forum der Kreissparkasse Euskirchen (KSK) das feierliche Plenum für die Lehrlingslossprechung. Kürzlich endete für gleich 71 Lehrlinge die Ausbildungszeit. Sie alle wurden von Kreishandwerksmeister Thomas Rendenbach in den Gesellenstand erhoben, eine Angelegenheit, die im Gegensatz zur Ausbildung nur wenige Sekunden dauert, dazu müssen die jungen Leute quasi nur einmal kurz aufstehen.
»Mit Ihrem Abschluss haben Sie nicht nur eine Prüfung bestanden, sondern ein Fundament gelegt, auf dem Sie Ihre Zukunft aufbauen können«, begrüßte Maren Deuster als Vertreterin der Geschäftsführung der Kreishandwerkerschaft die neuen Gesellen. Die jungen Leute hätten sich nicht nur Fachwissen erworben und seien Experten für technische Verfahren geworden, sondern sie repräsentierten auch Werte wie Verlässlichkeit, Respekt, Teamgeist und Verantwortung, die im Handwerk tief verankert seien und die man in der Gesellschaft dringend benötige.
KSK-Vorstand Wolfgang Krüger betonte, dass auch das Handwerk von zunehmender Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz betroffen sei. Er bestärkte daher den Nachwuchs darin, sich fortzubilden, kreativ, neugierig und mutig zu sein. »Die Arbeitsplätze und Arbeitsprozesse werden sich dynamisch weiterentwickeln, doch darf der persönliche Kontakt zum Menschen und vor allem zum Kunden dadurch nicht zu kurz kommen«, so Krüger. Für diesen persönlichen Kontakt stehe das Handwerk ein.
Landrat Markus Ramers fragte sich angesichts der aktuellen Weltlage, worauf man sich überhaupt noch verlassen könne und was noch sicher sei und Bestand habe. Es gebe auf der Welt einige wenige Menschen, die aufgrund ihres Vermögens unglaublich viel Macht und Einfluss besäßen und beispielsweise durch Algorithmen darüber entschieden, was die Menschen zu sehen bekämen. »Das macht mir schon ein wenig Sorgen«, so der Landrat. Da stelle sich die Frage, was man selber tun könne, um dieser Entwicklung entgegenzuarbeiten. Ramers empfahl, sich auf Dinge zu besinnen, die man selber in der Hand habe und gestalten könne und die einen unabhängig machten.
Deutschland sei in den vergangenen Jahren vor allem deshalb wirtschaftlich stark gewesen, weil man innovativ gewesen sei und Bildung und Ausbildung vorangetrieben habe. Ramers: »Wir haben Menschen in unserem Land befähigt, anzupacken und neue Dinge zu entwickeln und mit Herausforderungen umzugehen.«
Aktuell gebe es in Deutschland fünf Millionen Menschen in hunderttausenden kleinen Betrieben, die im Handwerk arbeiteten. Und das in mehr als 130 verschiedenen Berufen. Das sei ein stolzes und sicheres Fundament, vor allem in Krisenzeiten und nebenbei die wichtigste wirtschaftliche Säule im Kreis Euskirchen. »In unserem Kammerbezirk gibt es allein 17.300 Handwerksbetriebe mit 84.000 Beschäftigte, davon befinden sich 5400 junge Menschen gerade in der Ausbildung, wovon 71 heute losgesprochen werden«, freute sich der Landrat, der hinzufügte, dass diese Betriebe in der Region einen Jahresumsatz von 10,5 Milliarden Euro erwirtschafteten. Dass sei etwas, was Hoffnung gebe und Bestand habe.
»Bleiben Sie neugierig, bleiben Sie offen und bleiben Sie sich treu«, forderte Kreishandwerksmeister Thomas Rendenbach den Nachwuchs auf, bevor er ihn daraufhin en bloc in den Gesellenstand erhob.
Prüfungsbeste wurden Elektroniker David Bohsem von Elektrotechnik Firmenich (Euskirchen), die Kraftfahrzeugmechatroniker Nico Kalterherberg von RFS Kalterherberg (Swisttal) und Nils Opitz-Ball von RKG Rheinische Kraftwagengesellschaft (Euskirchen), die Metallbauer Michael Pietrzak (Pietrzak Metallbau, Mechernich) sowie Leonard Wollersheim und Lukas Jenniches (beide Müller und Sohn, Kall). Mit einem Gesamtergebnis von »sehr gut« durfte Tischler Bastian Koll von Bungard Tischlerwerkstätten, Hellenthal, sein Gesellenbrief entgegennehmen.




