Ein Geburtstag als Auftakt für ein neues Spendenmodell
Es war eine Idee, die sich aus zwei Dingen zusammenfügte: einem runden Geburtstag – und der Frage, wie man einem Museum, das man liebt, wirklich etwas Gutes tun kann. Gerd Scheidweiler, gebürtig aus Mechernich und heute in Köln zuhause, feierte seinen 71. Geburtstag – oder wie er es selbst formuliert: »70 + 1, weil es im Jahr davor nicht geklappt hat« – mit rund 50 Gästen direkt im LVR-Freilichtmuseum Kommern. Statt Geschenke bat er um Spenden. Das Ergebnis überraschte ihn selbst. »Ich hatte am Anfang Angst. Ich war schon erstaunt, ich habe nicht so viel damit gerechnet«, gesteht er schmunzelnd.
Die Spenden flossen an den Förderverein des Rheinischen Freilichtmuseums Kommern e.V. – und kamen dort für etwas ganz Konkretes zum Einsatz: die erste Hausstele im Rahmen des Projekts »(H)aus alt mach neu«. Sie steht vor dem Haus aus Hanf in der Baugruppe Westerwald und informiert Besucher über Geschichte und Thema des Gebäudes. Gerd Scheidweiler, der mit seiner Frau Barbara nach Kommern gekommen war, wurde mit einer Plakette als Erstspender gewürdigt.
Geschichte zum Anfassen – und zum Mitfinanzieren
Das Projekt, das dahintersteckt, ist ambitioniert. Das LVR-Freilichtmuseum Kommern überarbeitet derzeit im Rahmen von »(H)aus alt mach neu« seine historischen Gebäude inhaltlich von Grund auf. Neue Themen sollen in die Häuser einziehen, neue Ausstellungsformate entstehen – und begleitend dazu neue Haustelen aus massivem Eichenholz, die künftig vor jedem überarbeiteten Gebäude stehen. Museumsdirektor Dr. Carsten Vorwig erklärt, was dahintersteckt: »Wir bringen Themen in die Häuser, die für die Alltagsgeschichte im Rheinland in den früheren Jahrhunderten zentral waren. Beim Haus aus Hanf haben wir mit dem ersten Schritt des Lebenszyklus begonnen – mit der Geburt.«
Rund 50 solcher Stelen sind insgesamt geplant, für manche Hofgruppen teilt sich eine Stele auf mehrere Gebäude auf. Die Kosten für eine Patenschaft sind klar beziffert: 1.500 Euro, für mindestens zehn Jahre – bei einem massiven Eichenbalken wohl eher deutlich länger. Wer eine Patenschaft übernimmt, wird mit einer Plakette öffentlich gewürdigt. »Das ist etwas, was man als Außenstehender gut und konkret unterstützen kann«, sagt Dr. Vorwig. »Deswegen war uns dieser Pressetermin auch so wichtig – damit bekannt wird, dass das jetzt bei uns möglich ist.«
Die Blaupause funktioniert
Was das Modell attraktiv macht, ist seine Transparenz. Gerd Scheidweiler, der selbst erlebt hat, wie seine Gäste auf die Spendenidee reagierten, bringt es auf den Punkt: »Wenn man weiß, dass die Spenden tatsächlich ortsgebunden ankommen, dann ist den Leuten das auch wichtig. Das hat sehr gut funktioniert.« Und es hat noch einen weiteren Effekt: Die Geburtstagsgesellschaft, die gemeinsam durch das Museum geführt wurde, identifiziert sich seither mit dem Ort auf eine ganz neue Weise. »Viele Leute dachten: Boah, wir waren mit unseren Kindern das letzte Mal hier. Die haben sich richtig gefreut, dass sie die Einladung gekriegt haben«, erinnert sich Scheidweiler.
Für Dr. Vorwig ist das Modell eine »Blaupause«, die nun auf weitere Gebäude ausgeweitet werden soll. Das Museum erhalte immer wieder Anfragen von Fans und Förderern, die wissen möchten, wie sie konkret helfen können. Jetzt gibt es eine Antwort darauf. »Was natürlich immer geht, sind Spenden an den Förderverein – aber das hier ist etwas, wo man genau weiß, was damit passiert. Man hat etwas Konkretes. Und das macht den Unterschied«, so der Museumsdirektor.
Als nächstes: das Mannesmann-Haus
Während die erste Stele bereits steht, laufen die Planungen für das nächste große Projekt auf Hochtouren. Das prunkvolle Mannesmann-Haus, eine alte Unternehmervilla, die seit den 1980er Jahren im Museum steht und bislang aus Brandschutzgründen nur eingeschränkt zugänglich war, soll bald vollständig für Besucher geöffnet werden. Eine Änderung der Bauordnung in NRW macht es möglich. »Das ist für uns ein riesiger Glücksgriff, dass wir dieses tolle Gebäude jetzt auch zugänglich machen können«, freut sich Dr. Vorwig.
Hinzu kommt ein glücklicher Fund: Ein kompletter Familiennachlass aus Bad Münstereifel – Möbel, Tagebücher, Kontor-Ausstattung vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert – wird das Haus mit Leben füllen und das Alltagsleben wohlhabender Wirtschaftsbürger im Rheinland dokumentieren. Die Eröffnung ist für Juni nächsten Jahres geplant.
Wer eine Patenschaft für eine Hausstele übernehmen möchte, kann sich an den Förderverein des Rheinischen Freilichtmuseums Kommern e.V. wenden. Weitere Informationen unter www.kommern.lvr.de

Stadt Euskirchen warnt vor Eichenprozessionsspinnern

Vom Bundeswehrgelände zum Bildungscampus

Wenn sich alles um die Wolle dreht





Zurück
Nach oben