Michael Nielen

Ein Haus, eine Krippe und wandernde Könige

Marmagen. »Dieses Jahr ist die Krippe so schön wie noch nie«, versprach Hans Murk aus Marmagen am Telefon. Man muss ihm glauben. Schließlich ist er 87 Jahre alt und ein ganz erfahrener Krippenbauer.
Der 87-jährige Hans Murk hat mit seiner Ehefrau Hannelore wieder ein prächtige Krippenlandschaft geschaffen.

Der 87-jährige Hans Murk hat mit seiner Ehefrau Hannelore wieder ein prächtige Krippenlandschaft geschaffen.

Bild: Michael Nielen

»Ich habe am gleichen Tag Geburtstag wie das Jesuskind, am 24. Dezember«, schmunzelt er und meint damit seinen »87,5. Geburtstag«. Der Tag, an dem er tatsächlich das Licht der Welt erblickte, ist allerdings der 24. Juni.

Doch nun zum eigentlichen Grund des Besuchs: Gemeinsam mit seiner Frau Hannelore baut der rüstige Marmagener seit Jahren eine riesengroße Hauskrippe auf – Krippenlandschaft trifft es in diesem Fall wohl eher. Wer die Wohnung betritt, merkt schnell: Hier ist nichts Routine. Erstens steht die Krippe nie zweimal hintereinander am gleichen Ort, sondern wechselt jedes Jahr das Zimmer. Und zweitens gleicht keine Krippe der anderen.

Wie oft er die Krippe schon aufgebaut hat, weiß Hans Murk selbst nicht mehr genau. Sicher ist nur, dass der Aufbau einem festen Rhythmus folgt. Anfang November geht es für das Ehepaar zunächst gerne in den Urlaub nach Juist, wo man am Meer Kraft und Energie tankt. Wenn sie dann zurück in die Eifel kommen, wird zu Hause Platz geschaffen. Ein Zimmer wird leergeräumt, vorhandene Möbel dienen als Unterbau, Paletten werden hereingeschleppt. Dann wächst die Krippe nach und nach – bis sie am 1. Advent fertig ist.

Die Inspiration, wie die Krippe aussehen soll, stammt in erster Linie von Hannelore Murk, die handwerkliche Umsetzung übernimmt dann der Ehemann, der sehr gerne in seiner Werkstatt mit Holz arbeitet. Alle Details der Krippenlandschaft entstehen in Handarbeit. Berge, Wege, Häuser und Landschaften werden gemeinsam von Hans und Hannelore Murk selbst gestaltet. Lediglich die Figuren wurden zugekauft. Gerade die Liebe zum Detail macht den besonderen Reiz der Krippe aus.

Abgebaut wird sie nicht, wie in vielen anderen Haushalten, schon kurz nach Weihnachten oder nach dem Fest der Heiligen Drei Könige. Im Hause Murk bleibt die Krippe, wie es sich gehört, bis zum 2. Februar stehen – dem Tag der »Darstellung des Herrn«, besser bekannt als »Maria Lichtmess«. In dieser Zeit verändert sie ständig ihr Gesicht. Denn man folgt der Weihnachtsgeschichte. Die Figuren wechseln ihre Position, allen voran die Heiligen Drei Könige. Am 1. Advent sind sie noch gar nicht zu sehen, dann machen sie sich auf den Weg. Pünktlich zum 6. Januar standen sie dann dort, wo man sie erwartet – an der Krippe des Jesuskindes.

Die Krippenlandschaft hat mehrere Ebenen und steigt beständig an. So kann man den Blick sehr schön über das Gesamtkunstwerk schweifen lassen. An der Seite gibt es sogar eine eigene Kinderkrippe. Dort können die Enkel und jungen Besucher spielen. In diesem Jahr, erzählt Hannelore Murk mit einem Augenzwinkern, haben sich die Kinder sogar eine eigene Höhle gebaut. Sie krabbeln unter den Tisch, der als Unterbau dient, und befinden sich dann unter der großen Krippe.

Bei den Figuren gibt es ein kleines Problem. »Eigentlich haben wir genug«, sagt Hans Murk. Doch es handelt sich um Figuren aus einer Serie, die nicht mehr hergestellt wird. Deshalb halten die Murks bei Ausflügen die Augen offen. Wenn sie etwa nach Kevelaer fahren, schauen sie gerne in Andenkenläden vorbei, ob sich nicht doch noch irgendwo eine passende Figur findet.

Nicht nur im Wohnzimmer ist die Krippe zu finden. Auch an anderen Stellen im Haus und auf dem Grundstück entdecken Besucher weitere Darstellungen der Weihnachtsgeschichte. Im Hof des Hauses finden sich gleich fünf »Outdoor«-Krippen. Kein Wunder, denn das Haus liegt direkt am Anfangspunkt des beliebten Marmagener Krippenwegs.


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