Michael Nielen

Ein Soccer Court - und Teer tut nicht mehr weh

Dahlem. Ein Brief der Klassensprecher, etwas Beharrlichkeit — und jetzt steht er auf dem Schulhof: Der neue Soccer Court der Grundschule Dahlem ist mehr als ein Spielgerät. Er ist ein Versprechen, das eingelöst wurde.

Es fängt mit einem Stück Papier an. Genauer gesagt: mit zwei. Denn der Weg zum neuen Soccer Court der Grundschule Dahlem begann bereits 2024 mit einem handgeschriebenen Brief der damaligen Klassensprecher Paula, Frieda, Luke und Jonas an Bürgermeister Jan Lembach.

Ihr Anliegen war klar und direkt: »Lieber Bürgermeister Lembach, die Kinder aus der KGS Dahlem würden gerne einen Kunstrasenplatz haben. Es kommt nämlich durch den harten Teer wöchentlich zu Verletzungen.« Darunter hatten die Kinder ein Kind auf einer grünen Wiese gemalt — ein Bild, das mehr sagte als viele Worte.

Der Brief landete nicht im Papierkorb. Bürgermeister Lembach nahm das Anliegen ernst, und nun steht auf dem Schulhof, was sich die Kinder gewünscht hatten — wenn auch in Form eines Soccer Courts statt eines klassischen Kunstrasenplatzes.

Zum offiziellen Anstoß verfassten die Klassensprecher der Klassen zwei, drei und vier einen zweiten Brief, diesmal als Dankeschön: »Wir, die Klassensprecher der Klassen 2, 3 und 4, möchten uns im Namen der gesamten Schule bei euch bedanken. Seit der ersten Klasse haben wir uns diesen Fußball Soccer-Platz gewünscht, und jetzt ist er endlich da!«

Leonie, die den Brief bei der Eröffnung vorliest, strahlt dabei. Und sie ist nicht allein.

Der neue Soccer Court, 20 mal 13 Meter groß, mit einem Kunststoffbelag auf festem Untergrund, ist die jüngste Ergänzung eines ohnehin schon bemerkenswert vielfältigen Schulgeländes. Doch dazu später mehr.

Arthur, Damian und Elias bringen es auf den Punkt, warum der neue Platz so gut ankommt. »Er ist nicht so groß. Da kann man auch von hinten schießen«, sagt Arthur. Damian ergänzt, was ihm besonders gefällt: »Ich finde den Soccerplatz sehr gut, weil wir auch lange darauf gewartet haben, dass wir ihn bekommen. Und ich finde, da kann man super spielen. Also wirklich, der Belag ist so gut.« Und Elias bringt das entscheidende Argument: »Ich finde den besser, weil man sich da auch nicht so sehr verletzt.«

Tatsächlich ist der Belag einer der großen Vorteile des neuen Courts. Das Material federt Stürze ab, ist wetterfest und lässt sich mit dem Hochdruckreiniger säubern. »Der Belag ist eigentlich unzerstörbar«, sagt Bürgermeister Jan Lembach, der sichtlich zufrieden auf das neue Bauwerk blickt.

Dass der Court überhaupt entstehen konnte, hat auch mit jenen Briefen zu tun. »Schon vor zwei Jahren artikuliert und niedergeschrieben«, schmunzelt Lembach.

Der Wunsch nach einem Fußballplatz ohne harten Asphalt war für ihn Auftrag genug. »Wir erfüllen fast alle Wünsche bei Schulen, Kindergärten, Feuerwehr«, sagt er. Die Finanzierung des 56.000 Euro teuren Projekts gelang zu 85 Prozent über Landesmittel. Weil bereits ein fester Untergrund vorhanden war, fiel der Bau deutlich günstiger aus als auf der grünen Wiese .

Seit sechs Wochen steht der Court, der nicht nur für Schüler, sondern auch nach Unterrichtsende für alle zugänglich ist - ganz ohne Schlüssel.

Schulleiterin Mirjam Schmitz sieht in dem neuen Angebot weit mehr als einen Fußballplatz. »Das eignet sich auch für neue Sportarten«, sagt sie und denkt dabei an Padel-Tennis. Die OGS-Mitarbeiterin Michaela Köhler könne sich vorstellen, es im Nachmittagsbereich anzubieten, so die Schulleiterin. Auch Basketballkörbe seien denkbar — wobei die Abstimmung unter den Kindern eindeutig ausfiel: Fußball siegt, zwei Mädchen stimmten für Basketball.

Leonies Dankesbrief endet mit einem Satz, der auch als Resümee taugt: »Es ist einfach viel cooler und wir freuen uns riesig! Vielen Dank für diese wunderbare Möglichkeit. Eure KGS Dahlem.«

Womit Leonie und ihre Mitschüler vollkommen recht haben. Versprochen, gehalten - und gespielt wird schon längst.

Wer mit Mirjam Schmitz über das Gelände der Grundschule Dahlem spricht, der staunt. Die Schulleiterin zählt auf, was die Schule neben dem neuen Soccer Court alles zu bieten hat: eine Streuobstwiese im Rahmen der Bildungsoffensive, einen 80 Quadratmeter großen Schulacker und Gemüsegarten, ein Arboretum mit Bäumen des Jahres der vergangenen 20 Jahre, einen Spielplatz, Parkhäuschen mit Rollern und Dreirädern, Lebensraum für vier Fledermausarten, eine Turnhalle und ein Schwimmbad. »Wir brauchen Erntedank nicht im Religionsbuch nachschlagen«, sagt Schmitz. »Wir feiern es mit der Ernte aus der Obstwiese.«

Und falls noch etwas fehlt? Nun ja, dann wissen die Kinder ja: Es lohnt sich, einen Brief an den Bürgermeister zu schreiben ...