

»Das Gefühl war riesig«, sagt Niklas Scheld. »Wenn man überlegt, dass man quasi auf dem Mount Everest stand – das war schon super.« Everesting – so nennt sich die extreme Challenge im Radsport: An einem einzigen Tag, an einem einzigen Anstieg, so viele Höhenmeter fahren wie ein Aufstieg auf den höchsten Berg der Welt. 8848 Meter. Rauf und runter, immer wieder, bis die Zahl auf dem Tacho steht.
Niklas Scheld, Florian Scory und Niels Wiegner, alle gebürtig aus Schleiden, haben sich dieser Herausforderung am Stilfser Joch in Südtirol gestellt – dem höchsten asphaltierten Gebirgspass Italiens. Um 5.30 Uhr starteten die drei in den ersten Anstieg. Unten acht Grad, oben auf dem Pass null bis ein Grad, dazu Nieselregen. »Es war wirklich schwer«, erinnert sich Scheld. »Wir haben zwar viele Klamotten mitgenommen – aber die waren schnell feucht. Und das kühlt einen natürlich schnell aus.« Die Kälte hinterließ ihre Spuren. Pausen, die eigentlich der Verpflegung dienen sollten, dehnten sich erheblich aus – weil man sich nicht nur stärken, sondern auch wieder aufwärmen musste.
»Wir sind nach dem ersten und auch nach dem zweiten Auf- und Abstieg in den Schlafsack gekrochen – und haben dann im Schlafsack gegessen, damit man nicht noch weiter auskühlt.« Unterstützt wurden sie von ihren Begleiterinnen Maike Scory und Maike Hanneken, die Wärmflaschen bereitstellten und die Verpflegung organisierten. Schließlich wurden zwischen 9000 und 10.000 Kalorien verbrannt.
Für Florian Scory wurde der Tag zur ganz besonderen Prüfung. Bereits morgens plagten ihn Magenprobleme. Alles, was er aß, kam direkt wieder hoch. Nach zwei kompletten Auffahrten brauchte er eine längere Pause – Niklas Scheld und Niels Wiegner fuhren die nächsten drei Anstiege zunächst zu zweit. Als es Scory etwas besser ging und er wieder etwas essen konnte, änderten die drei gemeinsam den Plan: Statt die volle Auffahrt zu absolvieren, fuhren sie die halbe Strecke – dafür öfter. So kamen auch die letzten Touren des Tages wieder zu dritt zustande. »Er hat trotzdem über 6000 Höhenmeter erreicht«, sagt Scheld. »Und für diese Verhältnisse war das wirklich eine krasse Leistung.«
Niklas Scheld und Niels Wiegner fuhren fünfmal komplett hoch, Florian Scory zweimal. Die letzten beiden Auffahrten von Scheld und Wiegner lagen im Dunkeln. Aber da hatte sich das Wetter gewandelt. »Abends wurde es immer besser«, so Scheld. »Die letzten Touren im Dunkeln mit sternklarem Himmel – das war eigentlich ziemlich cool. Man hatte die Straße ganz für sich.«
Was bleibt nach einem solchen Tag? Erschöpfung, ja. Aber vor allem Stolz. »Die Beine haben tatsächlich gut mitgemacht«, sagt Scheld. »Aber am Ende war es mental die größte Herausforderung, das auch durchzuziehen.« Und da war der Zusammenhalt – vielleicht sogar das Wichtigste an diesem langen Tag. »Wir sind uns einig, dass wir das alleine wahrscheinlich so nicht durchgezogen hätten. Das war definitiv auch Teamarbeit.«
Spenden für Kinderglück
Die Everesting-Challenge ist als Spendentour angelegt. Und zwar sammeln die drei Geld, das zu 100 Prozent an die Stiftung Kinderglück – zweckgebunden für das Fahrradprojekt - geht. Die Stiftung sorgt dafür, dass Kinder aus finanziell benachteiligten Familien ein verkehrstaugliches Fahrrad bekommen, inklusive Helm und Zubehör. Verständlich, dass den drei leidenschaftlichen Radsportlern dieses Projekt am Herzen liegt. Ihr Plan: Ende Juni wollen sie den Spendencheck persönlich per Rad in Dortmund der Stiftung übergeben. Damit der Scheck stattlich wird, ist jede Spende auf das Konto des Turn- und Sportvereins Schleiden, IBAN: DE42 3825 0110 0003 1006 41, willkommen. Infos unter www.instagram.com/everesting_fur_kindergluck oder www.e-xd.de/everesting.



