

Sieben Kilogramm, Wärmebildkamera, Laserentfernungsmesser, bis zu 43 Minuten Flugzeit – und das auch noch bei Regen und in der Nacht. Die Kreispolizeibehörde Euskirchen hat eine neue Profi-Drohne vom Typ DJI Matrice 300 RTK, kurz M300, erhalten. Das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) NRW stellte das rund 23.000 Euro teure Gerät dem spezialisierten Verkehrsunfallaufnahmeteam (VU-Team) der Behörde zur Verfügung.
Landrat Markus Ramers freute sich bei der Vorstellung über die neue Ausrüstung: »Wir haben hier bei uns in der Behörde eine Besonderheit – wir sind eines von 17 spezialisierten Verkehrsunfallaufnahmeteams in ganz Nordrhein-Westfalen, obwohl wir eine der kleinsten Polizeibehörden im Land sind.« Technik unterstütze die Kollegen maßgeblich bei ihrer Arbeit.
Die Polizeidirektorin Gabriele Melchers machte keinen Hehl daraus, wie sehnsüchtig das Team auf die neue Drohne gewartet hatte: »Wir haben eine kleine Drohne, die ist inzwischen etwas anfällig und konnte bei schlechtem Wetter nicht aufsteigen – und war auch nachts nicht einsetzbar. Insofern haben sich die Kolleginnen und Kollegen die große Drohne schon länger gewünscht.«
Im VU-Team sind vier ausgebildete Piloten, die das neue Gerät M300 fliegen dürfen. Auch im Dunkeln kann die neue Drohne fliegen – ein entscheidender Vorteil bei längeren Unfallaufnahmen, die häufig bis in die Nacht dauern, so Melchers.
Christopher Schick, einer der Drohnenpiloten im VU-Team, erläuterte die technischen Möglichkeiten der M300: Mit Kamera und zwei Akkus wiegt sie rund sieben Kilogramm, erreicht im Sportmodus bis zu 83 km/h und bleibt bei guten Bedingungen rund 43 Minuten in der Luft – mehr als doppelt so lang wie die bisherige Drohne. Ausgestattet ist sie mit einer Zoomkamera (20 Megapixel), einer Weitwinkelkamera (12 Megapixel), einer Wärmebildkamera sowie einem Laserentfernungsmesser mit einer Reichweite von 1.200 Metern. »Mit dem deutlich besseren Zoom können wir Spuren aus großer Entfernung präzise erfassen«, so Schick.
Für den Betrieb sind immer zwei Piloten erforderlich: Einer steuert die Drohne, der andere bedient die Kamera.
Holger Hillebrand vom LZPD, der gemeinsam mit seinem Kollegen Stefan Augustin die Drohne nach Euskirchen gebracht hatte, betonte: »Wir schöpfen die Möglichkeiten, die uns die Technik der Drohne bietet, komplett aus. Und das ist schon eine ganze Menge.«
Frauke Prieß, Leiterin des VU-Teams, erklärte, wann das Team alarmiert wird: bei tödlichen Verkehrsunfällen, bei Unfällen mit Lebensgefahr, bei Kraftfahrzeugrennen mit Personenschaden, bei Unfällen mit großem öffentlichem Interesse – etwa einem Schulbusunfall – sowie bei Unfallfluchten mit besonders großem Schadensausmaß. Auch bei Unfällen unter Beteiligung von Polizeifahrzeugen wird das Team alarmiert, sofern ein Beteiligter schwer verletzt ist.
Das Team ist dabei weit über den Kreis Euskirchen hinaus im Einsatz. Im Jahr 2025 nahm es landesweit 75 Unfälle auf, in diesem Jahr waren es bereits acht – davon drei im Kreis Euskirchen. Der weiteste Einsatz führte das Team bis nach Haltern am See, rund 170 Kilometer entfernt. Auch in Siegen, Heinsberg, Kürten und zuletzt auf der Autobahn in Hagen waren die Einsatzkräfte tätig.
Der stellvertretende Teamleiter Marco Herschbach wies darauf hin, dass die Drohne nicht überall sinnvoll eingesetzt werden könne – etwa nicht unter Straßenbahnoberleitungen oder in U-Bahn-Tunneln. In solchen Fällen greife man auf den Laserscanner zurück.
Die M300 steht der gesamten Kreispolizeibehörde zur Verfügung, nicht nur dem VU-Team. Frauke Prieß nannte weitere denkbare Einsatzgebiete: Vermisstensuche, die Überwachung von Demonstrationen, Auffinden von Drogenplantagen oder auch die Dokumentation von Unfallstellen in unzugänglichem Gelände. Die Ausbildung der Piloten sei jedenfalls universell: »Es gibt keine spezielle Ausbildung, die sagt: Ihr dürft nur Unfälle fliegen«, so Prieß.




