Michael Nielen

Leerstand? Nicht in Lommersdorf

Lommersdorf. Drei Gebäude, drei Geschichten, ein Dorf mit Zukunft: Wie Mut, Ehrenamt und lokale Investitionen Lommersdorf verwandeln.
Hell und freundlich ist die Bürgerhalle Lommersdorf geworden.

Hell und freundlich ist die Bürgerhalle Lommersdorf geworden.

Bild: Michael Nielen

Es hätte auch anders laufen können. Ein Hochwasser, das eine Bürgerhalle verwüstet. Ein Bankgebäude, das leer steht. Ein altes Feuerwehrhaus, das niemand mehr braucht. Doch in Lommersdorf war die Lösung eine andere: Innerhalb kurzer Zeit wurden drei zentrale Gebäude des Ortes saniert, umgenutzt oder einem neuen Leben zugeführt - es wurde anpackt. »Das ist das Beste, was einem passieren kann«, sagt Bürgermeisterin Jennifer Meuren – und meint damit den Mut aller Beteiligten, Wandel möglich zu machen.

Die Bürgerhalle: Das Herzstück des Dorfes ist die Bürgerhalle. Nach den Schäden durch die Flutkatastrophe wurde das Gebäude für rund 1,3 Millionen Euro innen vollständig saniert – finanziert über den Wiederaufbauplan. Mitte 2025 begann die Kernsanierung, im Mai dieses Jahres öffnete die Halle pünktlich zur Kirmes ihre Türen. Bemerkenswert ist dabei nicht nur das Ergebnis, sondern der Weg dorthin.

Guido Waters und Christoph Diederich von der Gemeindeverwaltung hatten die Kosten im Griff: »Wir werden ziemlich genau bei diesen 1,3 Millionen landen«, erläutern sie. Durch geschickte Ausschreibungen blieben sogar Reserven übrig – genug für eine neue Bühnenkonstruktion und eine moderne Ausschanktheke, die ursprünglich gar nicht eingeplant waren. Die Bürgerhalle glänzt nicht nur optisch. Markus Böhm, stellvertretender Vorsitzender des Vereinskartells, hebt die energetische Modernisierung hervor: »Wir sind weg von der fossilen Ölheizung hin zu einer modernen Luftwasserwärmepumpe mit Fußbodenheizung gewechselt, haben die Lüftungsanlage erneuert und eine PV-Anlage mit Energiespeicher auf dem Dach installiert.« Fazit: »Wir sind hinsichtlich Betriebskosten und Energieeinsatz zukunftsfähig aufgestellt.«

Ortsvorsteher David Dreimüller erinnert sich noch gut an den Endspurt kurz vor der Kirmes: »Wie das auf Ende zuging, war hier draußen wie ein Ameisenhaus. Ausräumen, einräumen – wir hatten teilweise 30 Leute hier.« Und die neue Akustik? Helmut Nett, Vorsitzender des Ortskartells, schwärmt von einem »Mehrwert, den man gar nicht beschreiben kann«.

Neues Leben im alten Bankgebäude: Wenige Schritte weiter schreibt das ehemalige VR-Bank-Gebäude seine eigene Geschichte. Die Gemeinde hatte das Areal erworben, um Platz für das neue Feuerwehrgerätehaus zu schaffen. Den Altbestand übernahm als lokale Investoren das Ehepaar Martina und André Daniels. »Eigentlich«, schmunzelt André Daniels, »ging es uns nur um die Hallen. Aber mein Vater bestand darauf, das Bankgebäude mitzukaufen.«

Heute ist aus dem leeren Bankgebäude ein kleines Zentrum des Alltags geworden. Im Erdgeschoss ist die Ergotherapiepraxis von Regina Mertin eingezogen. »Ich hatte 27 Jahre hier in Lommersdorf eine Praxis und war auf der Suche nach neuen Räumen«, erzählt Mertin. »Habt ihr Platz für mich?«, fragte sie bei den Daniels nach. Die Antwort war ja - und sie wurde zur »Ankermieterin«. Die oberen Etage wurden zu Wohnungen umgebaut, eine Einheit nutzt derzeit ein junges IT-Unternehmen für Softwareentwicklung.

Das alte Feuerwehrhaus: Mit dem Umzug der Feuerwehr in ihr neues Domizil wurde das alte Gerätehaus frei – und das Vereinskartell erkannte die Chance. Wo früher Blaulicht und Atemschutzgeräte ihren Platz hatten, drehen heute Spinningräder ihre Runden. Dazu haben die Lommerdorfer Musikanten ihren Proberaum gefunden, der Karnevalsverein nutzt den Speicher als Lager. »Die kommen aus dem ganzen Gemeindegebiet«, berichtet Böhm über die Spinningteilnehmer.

David Dreimüller ist stolz auf sein Dorf: »Wir haben hier keinen Investor aus London oder Lissabon, sondern wir haben lokale Lösungen gefunden.«