Michael Nielen

Matchball für Platz drei

Reetz. Vier Jahre lang hatte Platz drei beim TV Reetz praktisch ausgedient, kein Aufschlag, kein Matchball mehr. Jetzt wird dieser alte Tennisplatz für neuen Schwung im Verein sorgen - dank zweier neuen Padel-Courts.

Auf der Anlage des TV Reetz werden zwei Outdoor-Padel-Courts entstehen. Sie werden die ersten nichtkommerziellen Anlagen der schnell wachsenden Sportart im Kreis Euskirchen sein. Die Gemeinde Blankenheim und der Verein setzen das Projekt gemeinsam um. 70 Prozent der Kosten kommen aus dem Fördertopf zur Dorfentwicklung, der Zuwendungsbescheid beläuft sich auf 213.000 Euro.

Die Idee reifte über Jahre. »Vor fünf Jahren haben wir mit dem TV Reetz erstmals darüber gesprochen, wie man Platz drei vielleicht umfunktionieren könnte«, erinnert sich Jennifer Meuren, Bürgermeisterin der Gemeinde Blankenheim. »Padel ist die am schnellsten wachsende Sportart – nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Und wir wollen auch in unserer Gemeinde neue sportliche Angebote schaffen.« Nach Gesprächen mit den Tennisvereinen in der Kommune zeigte der TV Reetz starkes Interesse. »Es ist unterm Strich sehr schön, dass wir einen Verein haben, der das unbedingt möchte und wir damit keine politische Entscheidung treffen müssen, wo der Platz hinkommt«, so Meuren.

Ein wichtiger Meilenstein war die Baugenehmigung, die von der Kreisverwaltung Euskirchen innerhalb von einem Tag ausgestellt wurde. Auch der der Rat der Gemeinde Blankenheim hat mit Mehrheit grünes Licht für das Projekt gegeben. Ziel ist nun, die Anlage bis zum Beginn der nächsten Spielsaison im April fertigzustellen.

Beim TV Reetz laufen die Vorbereitungen bereits. Auf dem dritten Tennisplatz wurde seit etwa vier Jahren kein Ball mehr geschlagen. »Wir sind jetzt in der Überlegung, was in Eigenleistung aus dem Verein und aus dem Dorf geleistet werden kann«, sagt Jürgen Ehlen, zweiter Vorsitzender des Vereins. »Ende des Jahres wollen wir die Baustellen-Vorbereitung machen.« Will heißen: Die Bäume und Sträucher, die auf dem Platz wachsen, werden gerodet, der alte Zaun abgebaut. Sobald die Frostperiode im Spätwinter vorbei ist, soll die Beton-Bodenplatte samt spezieller Drainage gegossen werden. Der Aufbau der Padel-Wände und Courts durch eine Spezialfirma dauert dann nur wenige Tage.

Auch beim Betrieb geht der Verein neue Wege. Die Anlage wird voll digitalisiert. »Warum sollen wir den Leuten noch Schlüssel in die Hand drücken?«, fragt Günter Schröder, Geschäftsführer des TV Reetz. »Wir machen das mit Online-Booking über PIN-Tastenfelder, so wie das mittlerweile in modernen Tennishallen läuft. Da bekommt man eine Bestätigung per Email mit PIN, das Licht schaltet automatisch und alles läuft ohne großen Personalaufwand.«

Die Courts stehen Vereinsmitgliedern ebenso offen wie Gästen, Bürgern und Touristen. Der Verein kalkuliert bei zwei Plätzen mit rund 100 festen Mitgliedern, etwa ein Drittel der Kapazitäten bleibt für spontane Buchungen frei. »Es geht dabei nicht darum, Gewinn zu machen. Vielmehr sollen so die laufenden Kosten für Strom und Pflege gedeckt werden«, betont Ehlen.

Dass der TV Reetz schon seit einiger Zeit auch im klassischen Tennis wieder Aufwind spürt, liegt an gezielter Nachwuchsarbeit. Jonas Köhle ist nach dem Studium in der Ort zurückgezogen und als Tennistrainer tätig. »Ich bin auf die Idee mit dem Trainer gekommen, um mir selber meine Gegner ranzutrainieren«, lacht er. »Ich gebe Unterricht für Erwachsene und Anfänger, die einfach reinschnuppern wollten, aber auch für Kinder.« Auch Köhle rechnet mit einem Padel-Boom: »Wenn man das anbietet, hat man ruckzuck 30 bis 40 Kinder auf dem Platz.« www.tv-reetz.de