

Euskirchen. Eine besondere Ehrung für eine außergewöhnlich engagierte Persönlichkeit: Inge Lemke aus Weilerswist ist mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Sitzungssaal der Kreisverwaltung Euskirchen wurde ihr die hohe Auszeichnung überreicht – eine würdige Anerkennung für jahrzehntelangen Einsatz im Dienste der Gesellschaft.
Landrat Markus Ramers betonte in seiner Laudatio die besondere Haltung, die das Wirken von Inge Lemke auszeichnet: »Sie haben nicht gefragt, ob etwas schwierig ist – sondern stets gefragt: Was ist jetzt zu tun?«
Inge Lemke stehe wie kaum eine andere für gelebte Integration und nachhaltigen gesellschaftlichen Zusammenhalt. Seit den 1990er-Jahren engagiert sie sich in der Evangelischen Kirchengemeinde Weilerswist. Schon früh unterstützte sie geflüchtete Familien, insbesondere während des Kosovo-Krieges, und half Kindern, Jugendlichen und ihren Müttern dabei, sich in einer neuen Lebenswelt zurechtzufinden. Ihr Ansatz sei dabei immer pragmatisch und menschlich zugleich gewesen. »Nicht lange fragen, sondern anpacken«, hieß es in der Laudatio.
Ein zentrales Anliegen ihres Wirkens ist bis heute die Sprachförderung. Lange bevor staatlich organisierte Integrationskurse etabliert wurden, initiierte sie eigene Lernangebote. Besonders Frauen aus unterschiedlichen Herkunftsländern motivierte sie, oft unter schwierigen Voraussetzungen, den Schritt in neue Lernprozesse zu wagen. Für Inge Lemke sei Sprache weit mehr als ein Kommunikationsmittel sondern der Schlüssel zu Teilhabe, Orientierung und einem selbstbestimmten Leben.
Mit großem persönlichen Einsatz organisierte sie Sprachkurse und Sprachcafés, gewann Mitstreiter und schuf Räume der Begegnung. Dort wurde nicht nur Deutsch gelernt, sondern auch Vertrauen aufgebaut, Alltagswissen vermittelt und ein Verständnis für gesellschaftliche Werte entwickelt.
Neben der Integrationsarbeit setzte sie sich intensiv für die Bildungschancen junger Menschen ein. In der Hausaufgabenbetreuung begleitete sie Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund nicht nur schulisch, sondern stärkte sie auch in ihrer persönlichen Entwicklung. Besonders während der Corona-Pandemie zeigte sich ihr außergewöhnlicher Einsatz: Sie organisierte digitale Zugänge, unterstützte beim Online-Unterricht und half dabei, Bildungsabbrüche zu verhindern.
Ein besonderes Herzensanliegen ist für sie die Stärkung von Frauen mit Fluchterfahrung. Mit viel Sensibilität, aber auch klarer Haltung setzt sie sich dafür ein, dass Frauen Zugang zu Bildung erhalten, ihre Rechte kennen und ihre Rolle in der Gesellschaft selbstbewusst gestalten können. Dabei gelingt es ihr, kulturelle Unterschiede respektvoll zu berücksichtigen, ohne gemeinsame Werte aus dem Blick zu verlieren.
Auch über die Region hinaus engagiert sich Inge Lemke seit vielen Jahren. Im Rahmen einer kirchlichen Partnerschaft unterstützt sie Projekte des Andreas-Kukuri-Zentrums in Okahandja in Namibia und trägt so zum interkulturellen Austausch und zur internationalen Verständigung bei.
Ihr Wirken hat tiefe und nachhaltige Spuren hinterlassen: Zahlreiche Menschen haben durch sie die deutsche Sprache erlernt, Bildungsabschlüsse erreicht und neue Perspektiven entwickelt. Familien fanden Orientierung, Kinder und Jugendliche wurden gestärkt, und viele Frauen gewannen neues Selbstvertrauen und echte Chancen auf Teilhabe.




