

Einige Schüler des Hermann-Josef Kolleg Steinfeld sitzen schon auf gepackten Koffern, denn bald geht es ins Elsass. Zuvor erlebten sie in ihrer eigenen Schule ein Fest der besonderen Art: Das Hermann-Josef-Kolleg Gymnasium Steinfeld feierte das 30-jährige Jubiläum seines Schüleraustauschs mit dem Collège-Lycée aus Zillisheim - und das liegt eben im Elsass.
Schüler, Lehrkräfte, Eltern und Gäste aus beiden Ländern feierten gemeinsam gelebte Völkerverständigung. Schulleiter Thomas Frauenkron: »Ein Austausch ist so viel mehr als das Erlernen einer Sprache. Es ist das kurzzeitige Eintauchen in ein anderes Land mit anderen kulturellen Bräuchen und Gepflogenheiten, anderen Erinnerungen, mit anderem Essen, mit einem etwas anderen Blick auf das Leben.« Dabei hob er die besondere Bedeutung des deutsch-französischen Austauschs hervor: »Man könnte Kanada, die USA, Australien oder jedes andere aufregende und exotische Land der Erde besuchen. Doch keines dieser Ziele könnte je an die Bedeutung eines Austauschs zwischen Frankreich und Deutschland heranreichen.«
Frauenkron erinnerte daran, dass beide Länder einst als Erbfeinde galten. »Seit vielen Jahrzehnten sind Frankreich und Deutschland Freunde. Ich halte dies für eine der größten Errungenschaften in Europa in den vergangenen 100 Jahren.« In Zeiten, in denen Europa von Konflikten umgeben sei, sei diese Freundschaft wichtiger denn je: »Solange diese Freundschaft besteht, wird es Europa immer gut gehen können.«
Mit einem Schmunzeln blickte Vincent Chevalier, Schulleiter aus Zillisheim, auf das Gründungsjahr 1996 zurück. »Was für ein Jahr«, sagte er. »Die deutsche Fußballmannschaft gewann ihren dritten Europameistertitel.« Dann wurde er ernst und spannte den Bogen zu den Vätern der deutsch-französischen Freundschaft: Konrad Adenauer und Charles de Gaulle hätten mit dem Élysée-Vertrag vom 22. Januar 1963 die Grundlage gelegt. De Gaulle habe über Adenauer gesagt: »Niemand sonst kann meine Hand besser halten als er.«
Chevalier führte den Gedanken fort: »Politiker schließen Verträge, aber es sind die Bürger, die sie in die Praxis umsetzen. Die Jugend von heute sind die Bürger von morgen.« Er schloss mit den Worten des Schriftstellers Romain Rolland: »Frankreich und Deutschland sind die beiden Flügel des Westens. Der eine Flügel verhindert das Fliegen des anderen.«
Als Symbol für die Verbundenheit überreichte er der Schule einen Bambus – einen starken und schönen Baum, der, wie er sagte, dem gemeinsamen Haus gehöre.
Der Kaller Bürgermeister Emanuel Kunz, der selbst einst an einem Schüleraustausch nach Frankreich teilgenommen hat, betonte die Bedeutung solcher Begegnungen. »Der Anfang von jedem Schüleraustausch ist immer Neugier. Es ist der Wunsch, über den Tellerrand hinauszublicken und neue Perspektiven zu gewinnen.« In einer immer komplexer werdenden Welt sei diese Neugier entscheidend. »Aus Begegnung und aus dem Austausch miteinander entsteht Verständnis – und das ist ein ganz wichtiger Schritt, damit Partnerschaft und Freundschaft über Grenzen hinaus wachsen können.«
An der Feierstunde nahm auch Heiner Schmidt teil, der die Partnerschaft vor drei Jahrzehnten mit ins Leben gerufen hatte. Übrigens: Nicht nur die Schüler freuen sich auf den Gegenbesuch, auch der Schulleiter ist zum ersten mal dabei: »Man sagte mir, der französische Wein sei ausgezeichnet ...«




