Michael Nielen

Mer mööht ens noh Kölle jonn

Hecken. Oliver Kerk aus Hecken macht seine Feierabend-Spaziergänge zur großen Tour. KERK&BÆND wandert von der Eifel bis nach Köln.
Die ganze BÆND geht auf Wanderschaft (v.li.): Hermann Heuser, Oliver Kerk, Robin Dick, Claus Connot und Lutz Meißner.

Die ganze BÆND geht auf Wanderschaft (v.li.): Hermann Heuser, Oliver Kerk, Robin Dick, Claus Connot und Lutz Meißner.

Bild: Kerk und BÆND

Es war Winter, die Nachrichten schlecht, das Arbeitspensum hoch – und Oliver Kerk zog die Jacke an und ging raus. Einfach so. Jeden Abend, egal bei welchem Wetter. »Ich sortierte Gedanken, ging Schritt für Schritt und merkte, wie gut das tat«, erinnert sich der Sänger und Texter von KERK&BÆND, der in Hecken in der Gemeinde Hellenthal lebt. »Irgendwie hatte ich das Gefühl, auf diesen Runden wieder zu mir zu kommen.«

Auf einer dieser Runden kam ihm die Idee. Er selbst nennt sie »zugegebenermaßen bekloppt«: »Mer mööht ens noh Kölle jonn, wie en däm Leed vom Ostermann!« Zu Deutsch: Man müsste mal nach Köln gehen – so wie in dem berühmten Lied des Kölner Volkssängers Willi Ostermann. »Ich konnte mir das genau vorstellen: Tagsüber wandern, abends irgendwo Musik machen. Alles einfach, unperfekt – mit der Band und mit Freunden«, so Oliver Kerk.

Im Januar traf sich Kerk mit seiner Band, aus der Idee wurde ein Plan – und aus dem Plan wird ab Mittwoch, 3. Juni, die »Noh Kölle Jonn Tour«. Vier Etappen, vier Tage, rund 80 Kilometer zu Fuß von Hecken bis zum Ostermannbrunnen in der Kölner Altstadt. Zur Tour gehört ein eigens geschriebenes und aufgenommenes (Motto)-Lied: »Wenn mir noh Kölle jonn« ist seit dem 21. Mai auf Spotify und allen weiteren Streaming-Portalen zu hören. Tour-T-Shirts gibt es zum Selbstkostenpreis bei den Abendkonzerten.

Und das Wichtigste: Mitmachen kann jeder, eine Anmeldung ist nicht nötig. »Macht einfach mit! Geht mit, spielt mit, beteiligt euch, wie euch danach ist«, lädt Kerk ein. »Wir freuen uns über jeden Beitrag – oder kommt einfach als Besucher zu den abendlichen Konzerten.«

Die Etappen sind bewusst machbar gehalten. »Wir hatten erst gedacht, wir gehen an drei Tagen«, erzählt Kerk. »Das war dann wirklich zu heftig. Wenn man abends noch Musik macht, dann ist man platt.« Also wurde auf vier Tage ausgeweitet – mit täglich rund 18 bis 20 Kilometern. Die genauen Wege werden auf der Internetseite veröffentlicht. Wer nicht die komplette Strecke mitgehen kann, ist eingeladen, einfach ein Teilstück mitzulaufen. »Im Zweifel kann man mich anrufen«, sagt Kerk pragmatisch - und zwar unter Tel.: 0178/1539033.

Mit auf Tour geht die gesamte Band – bis auf den Schlagzeuger, der tagsüber arbeiten muss. »Der kommt aber abends dazu«, sagt Kerk. Die Konzerte sind bodenständig und offen: KERK&BÆND haben einen kleinen Anhänger dabei, auf dem die Backline mitreist. »Wir stellen das einfach hin, damit wir Musik machen können für die Leute – mit wenig Aufwand, locker«, sagt Kerk. Wer mitmachen will, bringt sein Instrument mit und klinkt sich ein. Gespielt wird auf Hut. Was übrig bleibt, wird gespendet. Und darum geht es letztlich: »Dass da einfach für die Leute mit den Leuten was Schönes passiert. Und wenn man miteinander wandert, dann kommt man gut ins Gespräch.« Eine schlichte Philosophie, die in diesen Zeiten vielleicht genau richtig ist.

Die vier Etappen

Los geht es am Mittwoch, 3. Juni, um 10 Uhr an der Wiesenstraße 11 in Hecken. Die erste Etappe führt über die Krekeler Heide Richtung Rinnen und weiter nach – »wir zickeln uns da so ein bisschen durch, damit wir auch was Schönes haben«, schmunzelt Kerk. Ziel ist Lückerath, wo abends gegen 18 Uhr die Dorfgemeinschaft mit Getränken und Gegrilltem auf die Wanderer wartet. Auch der Heckener Musikverein hat sich angekündigt.

Am Donnerstag, 4. Juni, geht es von Lückerath weiter nach Euskirchen zum Kultur- und Förderverein Casino, wo im Innenhof an der Kaplan-Kellermann-Straße das Konzert stattfindet. Geplant ist zudem eine Liveschaltung ins Chlodwigeck zu »Nit för Kooche« - eine Benefizveranstaltung, bei der Bands für den guten Zewck spielen.

Die dritte Etappe am Freitag, 5. Juni, endet in Brühl mitten in der Innenstadt, wo man bis 20 Uhr direkt vor dem Rathaus aufspielt. Das Finale steigt am Samstag, 6. Juni: Gegen 16 Uhr wird KERK&BÆND am Ostermannbrunnen in der Kölner Altstadt ein unplugged Ständchen für Willi Ostermann bringen - den Mann, dessen Lied alles ins Rollen gebracht hat. Den Abschluss feiert man ab 18 Uhr im Piranha, Kyffhäuserstraße 28a, in Köln.

Die Erwartungen an die Tour sind schlicht, es soll einfach »ein Ding werden, von dem wir unseren Enkeln noch erzählen können«.

Weitere Infos gibt es unter www.kerkundbaend.de.