Frederik Scholl

Zwischen Erinnerung und Wiederaufbau: Neue Flutausstellung im Stadtmuseum

Euskirchen. Die Flutkatastrophe vom Juli 2021 hat auch Euskirchen dauerhaft geprägt. Fünf Jahre später lädt das Stadtmuseum mit einer Ausstellung dazu ein, zurückzublicken, Erinnerungen zu bewahren und zugleich sichtbar zu machen, wie viel seitdem wieder aufgebaut wurde. Eröffnet wird die Ausstellung mit einer Gedenkveranstaltung.
Maja Kützemeier (v.li.) und Museumsleiterin Dr. Heike Lützenkirchen gaben gemeinsam mit Bürgermeister Sacha Reichelt, Silke Winter (Stadt Euskirchen) und Sabine Dünnwald (Leiterin Stadtarchiv) einen Vorschmack auf die Ausstellung.

Maja Kützemeier (v.li.) und Museumsleiterin Dr. Heike Lützenkirchen gaben gemeinsam mit Bürgermeister Sacha Reichelt, Silke Winter (Stadt Euskirchen) und Sabine Dünnwald (Leiterin Stadtarchiv) einen Vorschmack auf die Ausstellung.

Bild: Scholl

Fünf Jahre sind vergangen, seit die Flutkatastrophe vom 14. und 15. Juli 2021 Euskirchen und viele Orte der Region erschütterte. Die Bilder haben sich tief ins Gedächtnis eingebrannt. Nun blickt die Stadt Euskirchen zurück – auf die dramatischen Ereignisse jener Nacht, aber auch auf den langen Weg des Wiederaufbaus und die Herausforderungen, die in den vergangenen Jahren gemeistert wurden.

Den Auftakt bildet am Dienstag, 14. Juli, um 19 Uhr eine Gedenkveranstaltung im Klostergarten. Dort, wo bis zur Flutkatastrophe das inzwischen abgerissene City-Forum stand, soll an die Opfer, die Betroffenen und die enorme Solidarität nach der Katastrophe erinnert werden.

Die beiden Geistlichen Frank Thönes und José Pérez Pérez werden die Veranstaltung mit Botschaften ihrer Kirchen eröffnen. Anschließend blickt Bürgermeister Sacha Reichelt zurück und richtet den Blick zugleich auf das, was in den vergangenen fünf Jahren erreicht wurde.

Dabei gehe es nicht nur um das Erinnern an die Katastrophe, sondern auch darum, sichtbar zu machen, welche Entwicklung Euskirchen seitdem genommen hat. Reichelt betonte bei der Vorstellung des Programms, dass im Alltag oft wenig Zeit bleibe, um zurückzuschauen. Viele Aufgaben lägen weiterhin vor der Stadt und ihren Bürgern. Umso wichtiger sei es, sich bewusst zu machen, was bereits geschafft worden sei. Die Menschen könnten stolz auf das Erreichte sein, auch wenn der Wiederaufbau noch nicht überall abgeschlossen sei.

Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von der Band »Mary’s Delight« der Marienschule Euskirchen. Die Schule war selbst von der Flut betroffen und steht damit beispielhaft für viele Einrichtungen, die die Folgen der Katastrophe bewältigen mussten.

Bilder als digitales Gedächtnis der Stadt

Im Anschluss an das Gedenken wird im Stadtmuseum die Sonderausstellung »Euskirchen und die Flut 2021. Fünf Jahre nach der Katastrophe« eröffnet. Sie knüpft an die erste Flutausstellung an, die auf großes Interesse gestoßen war und deren Begleitkatalog mehrfach nachgedruckt werden musste.

Grundlage der Ausstellung ist ein gemeinsames Sammlungsprojekt von Stadtmuseum und Stadtarchiv. Kurz nach der Flut waren die Bürger aufgerufen worden, ihre Fotos und Videos einzureichen. Bis Ende 2021 kamen mehr als 35.000 Aufnahmen und Filmsequenzen zusammen. Aus diesem Material wurden rund 2.500 Fotografien sowie mehrere Videos ausgewählt und dauerhaft gesichert.

»Die Flut gehört zu den einschneidendsten Ereignissen der Stadtgeschichte«, sagt Dr. Heike Lützenkirchen, Leiterin des Stadtmuseums Euskirchen. Viele der Bilder würden auch heute noch Erinnerungen wachrufen. Gleichzeitig erzählten sie aber nicht nur von Zerstörung und Verlust, sondern auch von Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt und dem außergewöhnlichen Engagement tausender Menschen in den Tagen und Wochen nach der Katastrophe.

Die Ausstellung führt die Besucher chronologisch durch die Ereignisse. Sie beginnt mit den dramatischen Stunden der Flutnacht, zeigt die Verwüstungen in der Innenstadt und den Ortsteilen und dokumentiert anschließend die große Welle der Solidarität, die Euskirchen erfasste. Fotos von freiwilligen Helfern, Einsatzkräften und betroffenen Bürgern verdeutlichen, wie eng die Menschen damals zusammenstanden.

Besonders eindrucksvoll sind die neuen Aufnahmen, die eigens für die Ausstellung entstanden sind. Dafür wurden dieselben Orte fotografiert, die bereits unmittelbar nach der Flut dokumentiert worden waren. Die Gegenüberstellung macht sichtbar, wie stark sich die Stadt und ihre Ortsteile in den vergangenen fünf Jahren verändert haben.

Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Rahmenprogramm. Den Auftakt macht am Samstag, 8. August, um 14 Uhr die Stadtführung »Mer stonn widder op!« mit Museumspädagogin Petra Goerge. Am Donnerstag, 27. August, berichten Betroffene von 19 bis 21 Uhr beim Zeitzeugengespräch »Das werde ich nie vergessen …« von ihren persönlichen Erlebnissen bei der Flut. Autorin Tanja Wodok liest am Donnerstag, 24. September, 19 Uhr aus ihrem Buch »DAS Ich liebe Dich EXPERIMENT«, in dem sie ihren Weg aus einer durch die Flut ausgelösten Lebenskrise schildert. Den Abschluss bildet am Donnerstag, 8. Oktober, um 19 Uhr ein Vortrag zum Forschungsprojekt über die Flutkatastrophe in Euskirchen. Dabei stellen die Projektleiterinnen Giulia Fanton und Dr. Heike Lützenkirchen Erkenntnisse über die Auswirkungen der Naturkatastrophe auf Alltag und Gemeinschaft vor.