Michael Nielen

Sagenhafter Sieg beim Wanderweg des Jahres

Kall. Erstmals hat eine Eifelschleife die Wahl zum »Wanderweg des Jahres« im Kreis Euskirchen gewonnen. Mit 8,5 Prozent der Stimmen setzte sich die Eifelschleife »Kaller Sagen« gegen 109 weitere Wege durch – und das bei einer Beteiligung, die alle bisherigen Rekorde sprengt..
Am neuen Wanderportal neben dem Kaller Rathaus wurde die Auszeichnung »Wanderweg des Jahres« und der symbolische Scheck an den siegreichen Eifelverein Kall übergeben.

Am neuen Wanderportal neben dem Kaller Rathaus wurde die Auszeichnung »Wanderweg des Jahres« und der symbolische Scheck an den siegreichen Eifelverein Kall übergeben.

Bild: Michael Nielen

Sieben Sagen, 7,3 Kilometer und ein Sieg, der so noch nie da war: Die Eifelschleife »Kaller Sagen« ist der »Wanderweg des Jahres 2026« in der Nordeifel. Hatten 2025 noch 828 Menschen an der Wahl teilgenommen, waren es in diesem Jahr 1.475 – fast doppelt so viele.

Patrick Schmidder, Geschäftsführer der Nordeifel Tourismus GmbH (NeT), brachte es bei der Preisverleihung auf den Punkt: »Das zeigt, dass Wandern bei uns im Kreis einen riesigen Stellenwert hat.«

Dass ausgerechnet eine Eifelschleife gewann, war eine Überraschung – hatten bislang stets die Eifelspuren das Rennen gemacht. »Es war wirklich fast ein Kopf-an-Kopf-Rennen«, so Schmidder. Knapp hinter den »Kaller Sagen« landete die Eifelschleife »Zittergras und Orchideen« in Hellenthal mit 7,72 Prozent, gefolgt von der EifelSpur »Kneippwanderweg« in Bad Münstereifel.

Dr. Karl-Heinz Linne von Berg, Vorsitzender des Eifelvereins Kall, hatte den Siegerweg kurz vor der Preisverleihung noch einmal selbst unter die Füße genommen.Der 7,3 Kilometer lange Rundweg, der als »leicht« eingestuft ist, führt vom Ortszentrum Kall über schmale Pfade und teils breitere Forstwege bis hinauf zur Kindshardt auf 530 Metern Höhe. Linne von Berg: »Wir empfehlen, den Weg gegen den Uhrzeigersinn zu gehen - ganz einfach, weil die Tafeln so nummeriert sind.«

Bei der Präsentation der sieben Sagenstationen bewies Linne von Berg Humor. An der Station der Juffern – einer Verballhornung des Wortes »Jungfern« – erklärte er schmunzelnd, dass laut Sage die geheimnisvollen Gestalten aus dem Wald heraustreten, sich aber beim Versuch, sie zu greifen, wieder in Luft auflösten. »Ging beim Ablaufen des Weges fast genauso«, scherzte er.

Im Schnelldurchlauf stellte er die sieben Sagenstationen vor: Die romantische Sage von Stolzenburg, die mahnende Geschichte vom Tanzberg, die von einem realen Bergwerksunglück aus dem Jahr 1547 inspiriert wurde.

Weiter sind es die bereits erwähnte Sage der Juffern, die Geschichte des hilfreichen Erdmännchens, die Gründungslegende von Kloster Steinfeld sowie die Kartenspieler, bei denen der Teufel persönlich am Tisch saß. Und schließlich Haus Baum – ein Standort, den Linne von Berg besonders hervorhob. Dort, wo einst Fuhrleute auf dem Weg mit ihrem Erz einkehrten, soll ein gotteslästerlicher Jäger bei einem Gewitter in den Himmel geschossen haben – und prompt vom Blitz getroffen worden sein.

Das Haus selbst steht längst nicht mehr, doch eine rund 250 Jahre alte Traubeneiche markiert den Ort. »Da muss man eigentlich mal gewesen sein«, befand Linne von Berg.

Landrat Markus Ramers machte bei der Preisverleihung deutlich, wem dieser Erfolg in erster Linie zu verdanken ist. »73 Prozent der Gäste in der Eifel geben an, dass sie während ihres Aufenthaltes hier wandern«, so Ramers – und dieses Aushängeschild lebe vom Ehrenamt. Ohne Wegepaten wie Wolfgang Röhrig wären die Eifelschleifen und -spuren nicht das, was sie heute sind.

Kalls Bürgermeister Emmanuel Kunz pflichtete bei und fand klare Worte: »Wir wussten natürlich schon immer, dass wir in Kall besonders schöne Wanderwege haben. Schön, dass es jetzt auch alle anderen sehen.« Der Weg sei »ein besonders spannender, denn er verbindet wunderschöne Orte mit wirklich mystischen Geschichten und bietet damit die Möglichkeit, in eine sehr besondere Eifelatmosphäre einzutauchen. Ich glaube, das ist etwas, was diesen Weg wirklich besonders macht.« Ein besonderes Lob richtete Kunz an Wegewart Wolfgang Röhrig, der »unglaublich viel Herzblut wirklich reingesteckt hat«.

Die Ortsgruppe erhielt neben einem Sieger-Award eine neue Wanderbank aus der Serie der Eifelschleifen sowie einen Scheck über 300 Euro für die Vereinskasse.

Aus der Abstimmung kamen laut Patrick Schmidder zudem konkrete Wünsche der Wanderer: mehr Rastmöglichkeiten, bessere Beschilderung, zusätzliche Einkehrmöglichkeiten. Die NeT und der Kreis Euskirchen wollen bis zum Sommer ein Konzept vorlegen, das die Eifelschleifen und Eifelspuren infrastrukturell aufwertet.

Die Wahl »Wanderweg des Jahres« wird auch im nächsten Jahr fortgeführt. Siegerwege pausieren auch dann wieder. Erstmals 2027 dabei: elf neue Eifelschleifen im Stadtgebiet Schleiden.

Die EifelSchleife »Kaller Sagen«