Michael Nielen

Zusammenhalten, wenn es brennt ...

Kall. Der Anlass war eigentlich banal: Die Gemeinde Blankenheim gab ein ausgeliehenes Löschfahrzeug an den Besitzer, die Gemeinde Kall, zurück. Tatsächlich verbirgt sich dahinter jedoch eine Geschichte über Zusammenhalt, Vertrauen und interkommunale Solidarität.
Volker Mies (v.li.) und Jennifer Meuren gaben das geliehene Löschfahrzeug vor dem Kaller Rathaus an Michael Knie, Emmanuel Kunz, Jörg de la Motte, Daniel Rütz und Markus Auel zurück.

Volker Mies (v.li.) und Jennifer Meuren gaben das geliehene Löschfahrzeug vor dem Kaller Rathaus an Michael Knie, Emmanuel Kunz, Jörg de la Motte, Daniel Rütz und Markus Auel zurück.

Bild: Michael Nielen

Es war Karnevalssonntag 2024, mitten in einem Einsatz, als plötzlich das Undenkbare passierte: Die Fahrerkabine des Löschfahrzeugs der Feuerwehr Blankenheim stand in Flammen. Das Fahrzeug war zur Absicherung einer Kreuzung aufgestellt worden, während die Kameraden eine Hubschrauberlandung begleiteten.

Warum das Feuer ausbrach, konnte abschließend nicht geklärt werden. »Das Armaturenbrett war von links nach rechts komplett weggebrannt«, erinnert sich Volker Mies, Wehrleiter der Gemeinde Blankenheim. Vermutet wird ein Kabelbrand. Überraschend: Deutschlandweit stehen immer wieder Feuerwehrfahrzeuge in Brand. Ein Grund dafür ist nach Auskunft der Feuerwehrleute die zunehmende Zahl an Akkugeräten, die sich auf den Fahrzeugen befinden.

Doch zurück nach Blankenheim: Der Schaden an dem Löschfahrzeug war enorm. Über 24 Monate zog sich die Instandsetzung des Fahrzeugs hin – gleich mehrere Werkstätten waren an der Instandsetzung beteiligt. Viele Ersatzteile mussten eigens geordert werden. Am Ende wurden 120.000 Euro in das Fahrzeug investiert – ein Betrag, der dem damaligen Restwert entsprach und damit die Entscheidung für die Sanierung statt einer Neuanschaffung rechtfertigte. »Das ist eine einfache Rechnung«, sagt Mies. Ein neues vergleichbares Fahrzeug hätte rund 550.000 Euro gekostet.

Doch was tun in der Zwischenzeit? Blankenheim ist nicht irgendein Standort. Die Nähe zur Autobahn macht die Löschgruppe zu einem strategisch wichtigen Stützpunkt – Einsätze bei Verkehrsunfällen auf der A1 und der vielbefahrenen Bundesstraße 51 gehören zum Alltag. Ein Fahrzeug mit ausreichend Wasserkapazität war zwingend notwendig. Die Versicherung lehnte die Übernahme der Kosten für ein Mietfahrzeug ab, ein eigenes Reservefahrzeug stand nicht zur Verfügung.

»Ich habe damals zu meinem damaligen Wehrleiter gesagt: Lass uns doch mal in den Nachbarkommunen fragen«, berichtet Jennifer Meuren, Bürgermeisterin der Gemeinde Blankenheim. Gesagt, getan – und die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. »Ich glaube, das hat genau eine halbe Stunde gedauert. Da hat Hermann-Josef Esser, damals Bürgermeister in Kall, sich zurückgemeldet und gesagt: Wir haben ein Fahrzeug«, so Meuren.

Das Fahrzeug, das Kall zur Verfügung stellte, hat selbst eine bewegte Geschichte. Daniel Rütz, Wehrleiter der Gemeinde Kall, erklärt: »In der Flutkatastrophe haben wir selbst ein Löschfahrzeug verloren – es ist aufgeschwommen und der Flut zum Opfer gefallen.« Als Ersatz hatte die Werkfeuerwehr der Firma Henkel aus Düsseldorf den Kallern kurzfristig und unbürokratisch ein Pulvertanklöschfahrzeug zur Verfügung gestellt – und es schließlich sogar verschenkt. Als nun Blankenheim Hilfe brauchte, stand das Fahrzeug als Reservefahrzeug im Bestand und konnte ausgeliehen werden.

Gut 27 Monate leistete das Kaller Fahrzeug seinen Dienst in Blankenheim. Volker Mies: »Dieses Fahrzeug hat uns wirklich sehr, sehr große Dienste geleistet. Wenn wir dieses Fahrzeug nicht gehabt hätten, hätten wir bei vielen Einsätzen zusätzliche Kräfte nachalarmieren müssen.«

Für die Gemeinde Kall war die Leihe kein Problem – ganz im Gegenteil. »Wir sind alle ein Team und spielen auf derselben Ebene«, sagt Wehrleiter Daniel Rütz. »Da sollte man sich gegenseitig unterstützen, so wie es in allen Bereichen funktioniert.« Emmanuel Kunz, Bürgermeister der Gemeinde Kall, sieht es ähnlich: »Für die Gemeinde Kall ist es selbstverständlich zu helfen, wenn Nachbarkommunen Hilfe benötigen. Die Menschen in der Region erwarten, dass die Kommunen zusammenhalten und über kommunale Grenzen hinweg zusammenarbeiten – nicht jeder für sich, sondern gemeinsam für die Region.«

So halfen beispielsweise die Blankenheimer bei der Flutkatastrophe der Offene Ganztagsschule in Kall mit einem Zelt als kurzfristig eine Unterkunft aus.

Die Ausleihe des Löschfahrzeugs ist für sie ein starkes Signal. »Das ist einfach klasse interkommunale Zusammenarbeit, die wir da gelebt haben.«

Und sie hatte ein kleines Dankeschön im Gepäck: ein Dankschreiben, etwas Süßes – und einen Gutschein einer Blankenheimer Bäckerei. »Vielleicht für Brötchen beim nächsten Grillfest der Löschgruppe«, sagte sie mit einem Lächeln.

Was bleibt, ist die beruhigende Erkenntnis: In der Eifel kennt man sich, in der Eifel hilft man sich, gerne auch auf dem kleinen Dienstweg ...