Mario Zender

Angeklagte weint im Mordprozess um Dauner Arzt: „Ich werde Steffen immer lieben“

Trier/Daun. Emotionale Szenen im Revisionsprozess um den gewaltsamen Tod des Dauner Mediziners Steffen Braun: Seine ehemalige Lebensgefährtin Julia L. hat vor dem Landgericht Trier jede direkte Beteiligung an der Tötung bestritten – und unter Tränen ihre Liebe zu dem getöteten Arzt beteuert.
„Ich liebe Steffen über alles und werde ihn immer lieben“, sagte die 38-Jährige mit zitternder Stimme vor Gericht. Der Mediziner sei „ein wundervoller Mensch“ gewesen. Doch wenn er Alkohol getrunken habe, sei er „wie ausgewechselt“ gewesen. Dann habe es Beleidigungen und Gewalt gegeben.
Die Angeklagte räumte zwar ein, bei der Beseitigung der Leiche sowie der Reinigung des Tatortes geholfen zu haben. Die tödlichen Schläge hätten jedoch ihr Sohn und dessen Stiefbruder ausgeführt – angeblich während der Arzt schlief. Sie selbst sei erst danach geweckt worden.
Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Der Dauner Mediziner war Ende 2022 plötzlich verschwunden. Monate später fanden Ermittler seinen ausgebrannten Wagen in einem Wald. Die Leiche des Arztes war in der Vulkaneifel vergraben und mit Beton übergossen worden.
Besonders grausam: Nach bisherigen Ermittlungen sollen die beiden Jugendlichen mit einem Schraubenschlüssel auf ihr Opfer eingeschlagen und ihm anschließend einen Kabelbinder um den Hals gezogen haben. Einer der Täter hatte später im Freundeskreis mit der Tat geprahlt – und brachte so die Ermittler auf die Spur.
Die beiden Brüder wurden bereits wegen Mordes nach Jugendstrafrecht zu neun beziehungsweise sechs Jahren Haft verurteilt. Diese Urteile sind rechtskräftig. 
Für die Ex-Lebensgefährtin geht es nun erneut um ihre Rolle in dem Verbrechen. Bereits im August 2024 war sie wegen unterlassener Hilfeleistung und Brandstiftung zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Doch sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung legten Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und schickte den Fall zurück nach Trier.
Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die 38-Jährige stärker in die Tat verstrickt war als bisher angenommen. Seit September 2023 sitzt sie in der Justizvollzugsanstalt Zweibrücken in Haft.
Im Gerichtssaal zeigte sich die Angeklagte, während sie von einem Blatt ihre Stellungnahme verlaß, zeitweise sehr emotional. Als es um den getöteten Arzt ging, kämpfte sie mehrfach mit den Tränen.Im Gerichtssaal zeigte sich die Angeklagte, während sie ihre Stellungnahme von einem Blatt ablas, zeitweise sehr emotional. Als es um den getöteten Arzt ging, kämpfte sie mehrfach mit den Tränen.
Das Landgericht Trier hat für den Prozess sieben weitere Verhandlungstage bis zum 10. Juli angesetzt