

Der Caritasverband Westeifel e. V. beteiligt sich mit den Sozialstationen Südeifel und Prüm-Arzfeld am Modellprojekt "Pflege ganz aktiv". Ziel ist es nach Angaben des Verbands, die ambulante Versorgung flexibler zu gestalten und stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen pflegebedürftiger Menschen auszurichten.
Das Projekt startete ursprünglich 2022 beim Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn gemeinsam mit Pflege- und Krankenkassen. Weil die erste Projektphase laut den Beteiligten positive Ergebnisse zeigte, beschlossen die Kostenträger, weitere Einrichtungen einzubeziehen, um zusätzliche Erfahrungen zu sammeln.
In der ambulanten Pflege läuft die Versorgung nach Darstellung des Caritasverbands bislang oft über sogenannte Leistungskomplexe: Einzelne Tätigkeiten wie Hilfe beim Anziehen, bei der Körperpflege oder beim Essen werden festgelegt, dokumentiert und einzeln abgerechnet. "Pflege ganz aktiv" setzt dagegen auf Zeitkontingente. Pflegebedürftige nehmen damit nicht nur einzelne Leistungen in Anspruch, sondern Zeit, die flexibel genutzt werden kann.
Der Verband sieht darin mehrere Vorteile: Pflegekräfte können demnach spontaner auf Alltagssituationen reagieren, Einsätze stärker am konkreten Bedarf ausrichten und gleichzeitig den bürokratischen Aufwand reduzieren.
Wie sich der Ansatz auswirken kann, beschreibt der Caritasverband an einem Beispiel: Eine demenziell erkrankte Patientin wünschte sich, morgens geschminkt zu werden. Solche persönlichen Wünsche seien zwar auch bisher möglich gewesen, hätten aber zusätzlichen Dokumentations- und Abrechnungsaufwand verursacht. Im Projekt lasse sich dafür einfacher Zeit einplanen.
Nach Einschätzung des Verbands profitieren auch die Mitarbeitenden, etwa durch weniger Bürokratie und flexiblere Abläufe. Außerdem soll das Projekt helfen, Kompetenzen in den Teams besser zu nutzen. Bestimmte klar definierte behandlungspflegerische Aufgaben könnten künftig auch von angelernten Kräften übernommen werden, wodurch Pflegefachkräfte entlastet würden.
Aktuell nehmen beim Caritasverband Westeifel nach eigenen Angaben rund 70 Kundinnen und Kunden am Modellprojekt teil. Die bisherigen Rückmeldungen seien überwiegend positiv ausgefallen, sowohl bei Pflegebedürftigen als auch bei Mitarbeitenden.
Caritasdirektorin Silke Mathey und Projektleiterin Susanne Dhur erklärten, man habe bislang sehr gute Erfahrungen mit dem Projekt gemacht. Der Verband wolle bewusst neue Wege gehen, um die ambulante Pflege langfristig zu stärken und die Versorgung in der Region zu sichern.



