Klaus Desinger

Flucht und Deportation: Stolpersteine erinnern an jüdische Schicksale

Kirn. Zahlreiche Bürger, Vertreter aus Politik, Verwaltung, Polizei und Kirchen begleiteten die erneute Verlegung von Stolpersteinen.
In der Kirner Innenstadt wurden erneut Stolpersteine verlegt.

In der Kirner Innenstadt wurden erneut Stolpersteine verlegt.

Bild: Sebastian Schmitt

Besonders viele junge Menschen fanden den Weg zu den Gedenkstellen – ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus weitergetragen wird. Eine wichtige Rolle übernahm diesmal das Gymnasium Kirn um Schulleiterrin Barbara Wendling. Schülerinnen und Schüler hatten sich in einer Stolperstein-AG intensiv mit den Schicksalen früherer jüdischer Mitbürger beschäftigt. Gemeinsam mit Geschichtslehrer Michael Rößel wurde auch im Stadtarchiv recherchiert. Unterstützung erhielten die Jugendlichen unter anderem von den Lehrkräften Kai Hügle und Kerstin Krauss sowie von Karl-Heinz Buss, Stadtratsmitglied und Mitinitiator der Kirner Stolperstein-Aktion. Bereits im September 2025 hatte Künstler Gunter Demnig erstmals elf Stolpersteine in Kirn verlegt.

Geflohen oder deportiert


Nun wurden weitere Namen zurück ins Stadtbild geholt. Darunter Emil Frank, Jahrgang 1868, und Rosa Frank, geborene Haas, Jahrgang 1873. Beiden gelang 1938 die Flucht nach Kuba. Die kleinen Messingtafeln erinnern dort, wo die Menschen einst lebten, an ihre persönlichen Schicksale. Unter den Gästen waren der Erste Kreisbeigeordnete Oliver Kohl, VG-Bürgermeister Thomas Jung, der Kirner Polizeichef Michael Schmidt, Vertreter des Ordnungsamtes sowie Pfarrerin Liesel Zumbro-Neuberger von der evangelischen Kirche. Kantor Zakharenko von der jüdischen Gemeinde Bad Kreuznach sprach an den Verlegestellen Gebete.
Auch die Geschichte der jüdischen Gemeinde Kirns rückte in den Mittelpunkt. 1925 gehörten ihr 106 Menschen an, 1939 waren es nur noch 39. Die letzten elf jüdischen Einwohner Kirns wurden im Sommer 1942 deportiert.
Oliver Kohl und Thomas Jung erinnerte als Vertreter des Landkreises daran, dass Juden im „Dritten Reich“ keine Chance auf ein freies und sicheres Leben hatten. Umso wichtiger sei es, heute hinzusehen. Gerade das Engagement der Schüler zeigte eindrucksvoll: Erinnern ist keine Aufgabe nur der älteren Generation.