Claudia Neumann

Als Trier Charleston tanzte

Trier. Das Stadtmuseum Simeonstift zeigt eine Ausstellung zu den Goldenen Zwanzigern – mit einem Begleitprogramm, das die Epoche lebendig macht.

Was haben Metropolis, Babylon Berlin und die Trierer Provinz der 1920er Jahre gemeinsam? Mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Ab Sonntag, 5. Juli, zeigt das Stadtmuseum Simeonstift die Sonderausstellung „Die 20er – Goldene Zeiten, Dunkle Jahre" – ein Panorama der Region vor 100 Jahren.

Trier in den 20ern: Provinz mit Sonderrolle

Die Ausstellung fragt, wie der Alltag in Trier zwischen technischer Innovation und Hyperinflation aussah – und wie sich die Menschen in einer Stadt schlugen, die damals unter französischer Besatzung stand.

Kuratorin Dr. Dorothée Henschel betonte bei der Vorstellung des umfangreichen Begleitprogramms die Besonderheit des lokalen Blicks: Trier sei weit entfernt von Berlin gewesen, habe aber als Provinzstadt unter Besatzung eine ganz eigene Stellung gehabt.

Die Themen reichen von Mode, Musik, Kunst und Film bis zur politischen Situation beim Übergang in die 30er Jahre – „vielfältig und kontrovers", wie Henschel sagt.

Zu sehen sind neben Objekten aus der eigenen Sammlung des Museums hochkarätige Leihgaben sowie persönliche Erinnerungsstücke aus der Trierer Bevölkerung. Das Museum hatte die Bürger aufgerufen, Fotos und Erinnerungsstücke aus ihren Familien beizusteuern – mit Erfolg.

Von der Sonnenschein-Siedlung bis zum queeren Leben

Die Ausstellung beleuchtet konkrete Trierer Entwicklungen jener Zeit: erste Eingemeindungen wie Euren, den Ausbau der Straßenbahn, die Entstehung von Sport- und Musikvereinen sowie die Hochkonjunktur der Ausflugslokale. Auch die Trierer Werkkunstschule – eine Avantgarde-Schmiede mit Parallelen zum Bauhaus – und Künstler wie Max Lazarus und Hans Proppe spielen eine Rolle.

Das Begleitprogramm greift diese Vielfalt auf. Henschel, die es in Zusammenarbeit mit der Vhs entwickelt hat, verspricht ein Spektrum, das den Geist der Epoche lebendig macht: von Salon-Konzerten des Casino Salon Orchesters im Brunnenhof über Charleston- und Lindy-Hop-Kurse bis hin zu einer Fahrradtour zu Bauten der 20er Jahre in Trier – darunter die Sonnenschein-Siedlung, das Moselstadion, die Kurfürst-Balduin-Realschule und das Elektrizitätswerk im Trierer Westen.

Auch queeres Leben in den Goldenen 20ern kommt nicht zu kurz: Eine Travestieshow mit Beteiligung des Rosa Karnevals steht auf dem Programm, ebenso ein Hutmacher-Workshop mit Charlotte Kollmann.

Das Programm ist Teil des Kultursommers Rheinland-Pfalz mit Schwerpunkt auf den Trierer 20er Jahren.

Für alle – und barrierefrei

Angebote gibt es für alle Altersgruppen: Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren können einem eigenen Jugendclub beitreten, barrierefreie Führungen – etwa im Rahmen von „Bei Anruf Kultur" – sind ebenfalls geplant. Ein Highlight ist die Museumsnacht am Samstag, 5. September.

Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 24. Januar 2027. Alle Veranstaltungen des Begleitprogramms sind bereits jetzt über Ticket Regional buchbar und auf der Website des Stadtmuseums unter www.museum-trier.de/veranstaltungen zu finden.