Trier zu Fuß, Viez zur Belohnung
Virginia Landau ist Fotografin und freie Texterin, aufgewachsen in Trier. Mit „Zu Fuß durch Trier“ ist jetzt ihr neues Buch im Droste Verlag erschienen – zwölf Spaziergänge, die die Stadt zwischen Römerglanz und Moselblick zeigen. Im Interview erzählt sie, warum man ihre Heimatstadt am besten zu Fuß entdeckt.
Fotografin, Texterin, Weltenbummlerin – und dann doch immer wieder Trier. Was zieht Sie zurück in Ihre alte Heimat?
Ganz klar: meine Familie! Meine Eltern, meine Großmutter und mein Bruder leben nach wie vor in Trier, und allein deshalb zieht es mich immer wieder zurück. Aber Trier ist für mich auch dieses ganz besondere Gefühl von Heimat: Wenn sich auf der Autobahn plötzlich das Moseltal vor mir öffnet und der erste Blick auf die Mosel und die Weinorte Riol und Longuich fällt, weiß ich: Jetzt bin ich wieder zu Hause!
So gerne ich unterwegs bin und neue Länder, Städte und Landschaften entdecke – Trier ist der Ort, mit dem so viele Erinnerungen verbunden sind und an den ich wahrscheinlich immer wieder zurückkehren werde.
Warum eigentlich zu Fuß? Was sieht man beim Spazieren, das man mit dem Auto oder Fahrrad verpasst?
Ich denke, eine Stadt zu entdecken, ist vor allem ein Gefühl – und das bekommt man auf Rädern nur schwer. Einen Ort mit allen Sinnen wahrzunehmen, spontan vom Weg abzuweichen, auf verschlungenen Pfaden zu wandeln und auch einmal dort stehen zu bleiben, wo es eigentlich gar nichts „zu sehen“ gibt: Das Wesen einer Stadt erfasst man meiner Meinung nach am besten auf Schusters Rappen!
Porta Nigra, Kaiserthermen, große Namen – kennt man, hat man gesehen. Was hat Trier, das nicht in jedem Reiseführer steht?
Trier hat so vieles, woran man zunächst gar nicht denkt! Für mich ist es vor allem dieses unmittelbare Nebeneinander von Stadt, Geschichte und Natur. Man steht gerade noch mitten zwischen römischen Mauern und mittelalterlichen Häusern und läuft wenig später durch Weinberge oder Wald, blickt von oben über die Stadt oder sitzt unten an der Mosel. Und dafür muss man Trier oft nicht einmal wirklich verlassen.
Überrascht hat mich bei der Recherche aber auch, wie viele kleine Geschichten und besondere Orte sich abseits der großen Sehenswürdigkeiten verstecken. Im Spaziergang „Glanz vergangener Stilepochen“ habe ich versucht, genau das einzufangen und den Blick auf Orte und Gebäude zu lenken, an denen man sonst vielleicht achtlos vorübergehen würde. Denn genau dieses Trier jenseits von Porta Nigra und Kaiserthermen wollte ich in meinem Buch zeigen – eine Stadt, die erstaunlich grün, voller Geschichte(n) und unzähliger (Neu-) Entdeckungen ist.
Zwölf Spaziergänge, eine Stadt – nach welchem Bauchgefühl haben Sie die Wege ausgesucht, und welche Route ist Ihr heimlicher Liebling?
Ich habe vor allem Orte einfließen lassen, die mich beim Aufwachsen geprägt haben und an die ich bis heute gerne zurückkehre. Den Roscheider Hof, wo ich als Grundschulkind am Wandertag voller Ehrfurcht in einer alten Schulbank saß und den Geschichten darüber lauschte, wie Schule früher einmal war.
Die Schweicher Weinberge – nach jedem Ausflug in die „große weite Welt“ das Erste, was einen von der Autobahn kommend wieder in der Heimat willkommen heißt. Die Kaiserthermen, in denen wir als Sechsjährige bei einem Kindergeburtstag Fangen und Verstecken spielten.
Das Gartenfeld, das sich durch die damals dort ansässige Tanzschule bis heute ein bisschen wie mein zweites Zuhause anfühlt. Den Kreuzweg hinauf zum Petrisberg, den wir im Sportunterricht hoch- und wieder runterjoggen mussten – damals schrecklich, heute gehe ich ihn freiwillig!
Die Thiels-Burg im Avelertal, die ich von Weitem schon immer kannte, ohne zu wissen, was es mit diesem trutzigen kleinen Gebäude mitten im Weinberg eigentlich auf sich hat. Die Simeonstraße, in der ich mir bei jedem Stadtbummel mit meiner Mama eine Kugel Eis bei Calchera aussuchen und mit Blick auf die Porta Nigra schlecken durfte. Dom und Kreuzgang – stille Kraftorte, die ich immer dann gerne aufgesucht habe, wenn ich ein bisschen „Erdung“ brauchte.
Longuich, von wo aus wir auf Inlineskates zu „Happy Mosel“ gestartet sind. Und natürlich Zurlauben – Schauplatz so vieler fröhlicher Weinfeste! Dazu kommt meine große Liebe zur Stadtgeschichte, die mich schon seit vielen Jahren immer wieder voller Begeisterung in alten Trier-Fotografien versinken lässt.
Für mein Buch habe ich versucht, all diese persönlichen Erinnerungsorte mit der faszinierenden Geschichte der Stadt zu abwechslungsreichen Spaziergängen zu verbinden. Mein heimlicher Liebling ist die Runde über den Petrisberg – für mich die perfekte Kombination aus Stadtblicken, Weinbergen und Waldidylle. Wenn es dagegen das pure Stadterlebnis sein soll, mag ich den mittelalterlichen Spaziergang rund um den Hauptmarkt am liebsten.
Sie starten die Tour-Sammlung auf dem Petrisberg mit Blick über die Stadt. Ein bisschen wie ein Regisseur, der mit der besten Einstellung eröffnet, oder?
Da musste ich jetzt doch lachen – aber ja, genau so war das gedacht! Der Petrisberg steht für mich wie kaum ein anderer Teil Triers für Entwicklung und zeigt, wie viel Wandel in einer Stadt möglich ist.
Gleichzeitig liebe ich es, eine Stadt zunächst aus der Vogelperspektive zu erfassen: ihren Aufbau und ihre Struktur zu verstehen, bevor ich in ihre Straßen und Gassen eintauche. Erst das große Ganze – und dann die vielen kleinen Geschichten.
Auch der Trierer Süden und Westen kommen in Ihrem Buch vor – eher Trier abseits des Blitzlichts. Was hat Sie an diesen Ecken am meisten überrascht?
Die Thermen-Tour durch den Trierer Süden hat mich tatsächlich von allen Spaziergängen am meisten überrascht. Die verschiedenen Thermenanlagen nach so vielen Jahren einmal direkt nacheinander zu besuchen, hat mich diese gewaltigen Anlagen noch einmal mit ganz anderen Augen sehen lassen.
Mein persönliches Highlight war allerdings die Schatzkammer mit ihren bibliophilen Kostbarkeiten! Die wollte ich tatsächlich schon besuchen, seit ich etwa 15 Jahre alt war – und habe es mehr als 25 Jahre lang immer wieder aufgeschoben. Ein ziemlich großer Fehler, wie sich bei der Recherche für das Buch herausstellte! Das war definitiv einer meiner größten Aha-Momente bei der Recherche.
Und der Trierer Westen – wer würde dort oben an der „Säulemarie“ diesen fantastischen Weitblick und dahinter solch schweißtreibende Höhen und Täler erwarten? Der Markusberg ist für mich mit Sicherheit eine der überraschendsten Facetten der Stadt.
Sie nennen sich selbst eine „Hygge-Seele“. Verrät uns das auch etwas darüber, wie viele Einkehrpausen in Ihre Spazierwege eingeplant sind?
Das kann man durchaus so sagen! Auf meinen Spaziergängen habe ich es mir gerne auf den schönsten Bänkchen und Mäuerchen gemütlich gemacht, Mamas geschmierte Brote ausgepackt und einen kühlen Schluck aus der Thermosflasche genossen.
Im Freilichtmuseum Roscheider Hof gab es zum Abschluss ein Stück Torte, in der Innenstadt ein Eis und zwischendurch auch mal eine Einkehr im Wirtshaus. Beim Herbstspaziergang durchs Aveler Tal waren natürlich eine Thermosflasche mit heißem Earl Grey und eine Packung Shortbread dabei – und bei der Recherche für mein neues Buch „Zu Fuß an der Mosel“ darf es zwischendurch natürlich auch einmal eine kleine Auszeit bei einem kühlen Glas Riesling in einer Vinothek sein.
Denn eine Landschaft nicht nur zu sehen, sondern mit allen Sinnen zu genießen – das macht am Ende doch am meisten Spaß, oder?
Kommen wir zur Belohnung nach dem Spaziergang: Wo in Trier schmeckt eine Porz Viez am besten?
Das ist einfach: natürlich in Zurlauben! Dazu eine der legendären Klappschmieren von Elke und der Blick auf die Mosel – schöner geht’s doch kaum!
Sie fotografieren, texten, reisen – wenn Sie Trier in einem einzigen Bild einfangen müssten, welches wäre es?
Eine spannende Frage, die ich mir beim Schreiben tatsächlich häufig selbst gestellt habe! Für mich wäre es der Blick auf das Kurfürstliche Palais mit der Konstantin-Basilika im Hintergrund und dem Palastgarten davor. Hier trifft die eindrucksvolle Palastaula der römischen Kaiser auf den verspielten Palast der Trierer Kurfürsten; anmutige Rokokofiguren säumen den Garten, auf dessen Gelände einst die Truppen von Franzosen, Preußen und sogar Amerikanern exerzierten.
Römische Antike und kurfürstliche Pracht, unterschiedliche Stilepochen, wechselvolle Geschichte und heutiges Stadtleben liegen hier unmittelbar nebeneinander. An kaum einem anderen Ort laufen für mich die Fäden der Trierer Stadtgeschichte so eindrucksvoll zusammen.
Zum Schluss: Wenn Ihr Buch die Leser nur zu einer einzigen Sache verführen soll – welche wäre das?
Dazu, die vertrauten Wege zu verlassen und Trier mit der Neugier eines Reisenden zu erkunden – selbst dann, wenn man hier schon sein ganzes Leben verbracht hat.
Ich habe bei der Arbeit an diesem Buch Orte entdeckt, an denen ich jahrzehntelang vorbeigelaufen bin, Geschichten erfahren, von denen ich keine Ahnung hatte, und manches, das ich längst zu kennen glaubte, plötzlich mit ganz anderen Augen gesehen.
Und vielleicht führt genau das am Ende zu der schönsten Erkenntnis: dass man eine Stadt wohl nie ganz kennen kann. Man muss nur neugierig genug bleiben, immer wieder neu abzubiegen. Denn manchmal wartet das größte kleine Abenteuer direkt vor der eigenen Haustür!
Gewinnspiel
Das Buch ist jetzt im Droste Verlag erschienen:
Virginia Landau: Zu Fuß durch Trier – 12 Spaziergänge
ISBN 978-3-7700-2812-2, 16 Euro.
Wir verlosen vier Exemplare! Wer gewinnen will, schickt eine E-Mail mit dem Betreff »Zu Fuß durch Trier« an gewinnen@weiss-verlag.de
Teilnahmeschluss: 31. August
Teilnahmebedingungen unter www.wochenspiegellive.de/service/gewinnspiele
Datenschutzbestimmungen finden Sie unter www.wochenspiegellive.de/datenschutz

Ingrid Kühne kommt nach Bitburg und Trier: „Ja, aber ohne mich!“

Klimawandel erhöht Gesundheitsrisiken durch Mücken und Zecken

Zwischen Trierweiler und Quint: Amprion startet Rückbau einer Stromleitung




Zurück
Nach oben