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"Nachwuchssorgen werden immer größer"
"Die Ausbildungsbereitschaft der regionalen Wirtschaft ist vermutlich so hoch wie nie zuvor. Es wird jedoch immer schwieriger diese Lehrstellen zu besetzten. Die Nachwuchssorgen werden immer größer", so Heribert Wilhelmi, vorsitzender Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Trier. Denn neben der Zahl der insgesamt für ein Ausbildungsjahr zur Verfügung gestellten Stellen, steigt auch die Zahl der unbesetzten Lehrstellen, von 2018 auf 2019 um fast elf Prozent. 735 Ausbildungsstellen in der Region Trier waren Ende September noch nicht vergeben.
Interesse an Ausbildung sinkt
Auf der anderen Seite sinkt seit einigen Jahren die Zahl der ausbildungsinteressierten Jugendlichen. Für den Ausbildungsbeginn in diesem Sommer meldeten sich bei der Agentur für Arbeit 2.986 Bewerber. Damit fiel erstmals seit zehn Jahren (für den Zeitraum davor sind keine vergleichbaren Statistikzahlen abrufbar) die Zahl der registrierten Bewerber unter die Marke von 3.000 Personen. "Die Schere auf dem Ausbildungsmarkt klafft immer weiter auseinander", so Wilhelmi. "Fachkräfteengpässe einerseits, demografischer Wandel sowie erhöhte Schul- und Studienneigung anderseits sind Gründe dafür.""Schwächeren Bewerbern Chance geben"
Trotz der hervorragenden Zukunftsperspektiven für junge Menschen sind auch in diesem Jahr wieder einige Bewerber leer ausgegangen. 157 Jugendliche hatten bis Ende September noch keinen Ausbildungsplatz gefunden. Neben den abweichenden Berufswünschen der Ausbildungssuchenden im Hinblick auf das Angebot, spielten hier auch die eingeschränkte Mobilität im ländlichen Raum oder die Qualifikation der Bewerber eine Rolle. Fakt sei aber auch, so Heribert Wilhelmi, "dass Betriebe verstärkt schwächeren Bewerbern eine Chance geben müssen, um Ausbildungsstellen erfolgreich besetzen zu können." Die Agentur für Arbeit bietet neben der Ausbildungsvermittlung auch eine breite Förderpalette, vom Nachhilfeunterricht bis zur sozialpädagogischen Begleitung, um Betriebe und Auszubildende vor und während der Ausbildung zu unterstützen.Neues Konzept in der Berufsberatung
Darüber hinaus reagiert die Agentur für Arbeit seit Beginn des Schuljahres 2019/2020 mit einem neuen Konzept der Berufsberatung auf die wachsenden Herausforderungen des Ausbildungsmarktes: "Durch den demografischen Wandel und die Digitalisierung unterliegt der Arbeits- und Ausbildungsmarkt ständigen Veränderungsprozessen", so Stefanie Adam, operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Trier. "Mit unserem neuen Konzept der Lebensbegleitenden Berufsberatung sind wir sehr viel früher und häufiger als bisher in den Schulen unterwegs und beraten die Schüler. Ziel ist es, die jungen Leute fit zu machen, damit sie in die Lage versetzt werden, ihr ganzes Erwerbsleben gut zu meistern – angefangen natürlich bei der Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium. Dabei darf uns auf dem Weg ins Erwerbsleben kein Jugendlicher verloren gehen."Einige Berufe finden schwer Auszubildende
Auch die beiden großen Wirtschaftskammern IHK und HWK können ein Lied von den Schwierigkeiten am regionalen Ausbildungsmarkt singen. So befindet sich die Anzahl der eingetragenen Ausbildungsverhältnisse bei der IHK Trier zwar auf einem stabilen Niveau. Ende September wurden 1.912 Neueintragungen registriert; 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr. "Dennoch gibt es Berufe, in denen händeringend nach Auszubildenden gesucht wird", weiß Ulrich Schneider, Geschäftsführer Ausbildung bei der IHK Trier. "In gewerblich-technischen Berufen, im Gastgewerbe und Einzelhandel finden Betriebe nur schwer Auszubildende."Sorgenkind Handwerk
Sorgenkind am regionalen Ausbildungsmarkt ist das Handwerk: "Mit einem Rückgang von weit über elf Prozent bei den neu eingetragenen Ausbildungsverträgen im Vergleich zum vergangenen Jahr, muss das Handwerk in der Region Trier einen herben Dämpfer hinnehmen", attestiert der Hauptgeschäftsführer der HWK Trier, Axel Bettendorf. "Konnten die Ausbildungsbetriebe im heimischen Handwerk im vergangenen Jahr noch von vielen Jugendlichen mit Migrations- und Fluchthintergrund profitieren, bleiben im aktuellen Lehrjahr rund 30 Prozent mehr Lehrstellen unbesetzt." Um sich den damit verbundenen künftigen Fachkräfteproblemen entgegenzustemmen, steuert die HWK – ähnlich wie IHK und Arbeitsagentur – mit einer breiten Palette an Unterstützungs- und Beratungsmöglichkeiten für ausbildungswillige Mitgliedsbetriebe dem aktuellen Abwärtstrend entgegen. REDStadt Trier
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