Claudia Neumann

Schwacher Service bei Nacht: ÖPNV in Trier schneidet im ADAC-Test nur „ausreichend“ ab

Trier. Untersuchung von 20 deutschen Großstädten: Koblenz punktet, Trier fällt durch lange Fußwege und fehlende Auskünfte negativ auf

Nächtliches Trier

Nächtliches Trier

Bild: Archiv

Nach einem Restaurant-, Theater- oder Clubbesuch am Wochenende bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu fahren, ist in Trier nur eingeschränkt möglich. Das zeigt ein bundesweiter Test des ADAC, der erstmals 100 Nahverkehrs-Verbindungen in 20 Großstädten untersucht hat. Trier erhielt lediglich die Note „ausreichend“.

Längere Fußwege und unvollständige Auskünfte

Im Test konnten in Trier nur vier der fünf Zielorte ohne Umstiege erreicht werden. Teilweise mussten Fahrgäste Fußwege von bis zu dreizehn Minuten in Kauf nehmen. Negativ fiel zudem die elektronische Fahrplanauskunft auf: Zum Zeitpunkt des Tests wurde beispielsweise der Schienenersatzverkehr nach Konz nicht angezeigt.

„Jeder hat ein Recht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Der öffentliche Nahverkehr ist hierbei ein grundlegender Baustein für Menschen, die sich sicher und zuverlässig durch die Nacht bewegen möchten“, betont Christian Schmidt, Mobilitätsexperte des ADAC Mittelrhein in Koblenz.

Vergleich mit Koblenz

Deutlich besser schnitt Koblenz ab. Die Stadt erhielt die Note „gut“ und war eine von nur drei Städten, in der alle fünf Zielorte ohne Umstieg erreichbar waren. In Koblenz konnten die Ziele sogar ohne zusätzliche Fußwege erreicht werden. Das umfassende Nachtbus-Angebot ins Umland gilt als Vorteil, insbesondere für Jugendliche und Personen ohne Führerschein.

Testkriterien und Zeitfenster

Die ADAC-Tester nahmen Großstädte mit 100.000 bis 1 Million Einwohnern in den Blick. Jeweils fünf Umlandgemeinden mit jungem Bevölkerungsschwerpunkt wurden als Zielorte ausgewählt. Bewertet wurde das Angebot in zwei Zeitfenstern: von 23.30 bis 2.30 Uhr sowie von 23.30 bis 0.30 Uhr. Letzteres ist besonders für Jugendliche relevant, da sie gesetzlich verpflichtet sind, Clubs und Gaststätten spätestens um Mitternacht zu verlassen.

Zusätzlich prüfte der ADAC die Anzahl der Umstiege, die Reisegeschwindigkeit sowie die Länge der Fußwege zur nächsten Haltestelle.

Ergebnisse im Überblick

Von den 20 getesteten Städten bot die Hälfte einen guten bis sehr guten Service bis in die späte Nacht. Fünf Städte erhielten die Note „gut“ (Koblenz, Leipzig, Mannheim, Nürnberg, Stuttgart), weitere fünf die Note „sehr gut“ (Augsburg, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Hannover).

Neben Trier bekamen auch Kassel und Saarbrücken ein „ausreichend“. Vier Städte landeten noch schlechter: Lübeck, Osnabrück und Potsdam erhielten die Bewertung „eingeschränkt“, Erfurt fiel mit „lückenhaft“ durch. Bielefeld, Magdeburg und Rostock konnten gar nicht bewertet werden, weil vorhandene Verbindungen in der elektronischen Auskunft nicht angezeigt wurden.

Schwachstelle: Angebot um Mitternacht

Überraschend war für die Tester, dass der Heimweg gerade im Zeitfenster zwischen 23.30 und 0.30 Uhr besonders schwierig war. In nur zwölf von 17 bewerteten Städten konnten in dieser Zeit alle fünf Zielorte erreicht werden. Für Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren, die Clubs oder Bars um Mitternacht verlassen müssen, sei das Angebot zu gering, kritisiert der ADAC.

Probleme bei den Fahrplanauskünften

Unabhängig von den Bewertungskriterien zeigte sich ein weiteres Problem: In 13 von 20 Städten funktionierte die elektronische Fahrplanauskunft nicht zuverlässig. Zudem sind vorhandene On-Demand-Verkehre meist nicht integriert.

Empfehlung an Fahrgäste

Der ADAC rät dazu, vor einer nächtlichen Heimfahrt mit Bus und Bahn aktuelle Fahrplanänderungen wie Schienenersatzverkehr, Umleitungen oder Haltestellensperrungen zu prüfen. Fahrgäste sollten mehrere Informationsquellen wie App, Homepage oder Google Maps nutzen und verschiedene Kombinationen aus Start- und Zielhaltestelle eingeben.

Weitere Informationen zum Test sind auf www.adac.de abrufbar.