

von Julia Borsch und Nikolas Leube
Die Kamera läuft schon, als Simon Schnell (23) und Johannes Garçon (24) das Büro des WochenSpiegel betreten. Ein befreundeter Videograf filmt, wie dieser Artikel entsteht – vom Gespräch bis zur gedruckten Zeitung.
Simon und Johannes wirken konzentriert, fast nervös, der Blick immer wieder zur Linse. Für sie ist das ungewohnt – sonst stehen sie hinter der Kamera. Gemeinsam haben sie ein Projekt aufgebaut, das inzwischen ein großes Publikum in der Region erreicht: die Social-Media-Seite "fünfvier." – bekannt für Memes, kurze Videos und Straßenumfragen. Im Mittelpunkt steht ihre Heimat.
Der Name ihres Projekts ist bewusst schlicht: "fünfvier." – ein Verweis auf die ersten beiden Ziffern der Trierer Postleitzahl. Mit "Porta, Viez und Humor" beschreiben sie ihre Inhalte.
Die Idee entstand während der Corona-Pandemie. "Es gab einfach keine guten Memes oder Beiträge über Trier", sagt Simon, der gebürtig aus Trier kommt. Also begann er, Inhalte für seinen Freundeskreis zu erstellen – Memes über das Leben in der Stadt und ihre Eigenheiten. Die Resonanz ließ nicht lange auf sich warten: Immer mehr Menschen folgten der Seite. Über gemeinsame Kontakte lernte der gelernte Kfz-Mechatroniker schließlich Johannes kennen, der Intermedia Design an der Hochschule Trier studiert und von Bitburg nach Trier gezogen ist. Gemeinsam entwickelten sie das Projekt weiter. Um ihren eigenen Merchandise zu verkaufen, gründeten sie zunächst eine Firma. Daraus entstand schnell eine kleine Social-Media- und Kreativagentur, mit der sie sich gemeinsam selbstständig machten.
"Über Trier sagen viele, die Stadt sei langweilig, oder haben sie erst gar nicht auf dem Schirm", sagt Simon. "Doch das stimmt nicht." Als er für einige Zeit wegzog, wurde ihm das bewusst: "Da habe ich gemerkt, wie viel Lebensgefühl hier steckt. Auch viele junge Menschen prägen die Stadt." Genau das habe auf Social Media lange kaum stattgefunden. "Wir wollen, dass Leute stolz sagen: Ich komme aus Trier", sagt Johannes. "Da haben wir uns gedacht: Wir packen Trier auf die Karte."
Ihr wichtigstes Mittel: Humor. Memes und Straßenumfragen – etwa nach Partynächten in der Stadt oder an Karneval – zeigen, was Triererinnen und Trierer erleben – und worüber sie sonst nur im Freundeskreis lachen. "Humor ist ein guter Weg, um Lokalpatriotismus ungezwungen entstehen zu lassen", sagt Johannes.
Die Resonanz zeigt, dass das funktioniert: "Ich glaube, Triererinnen und Trierer sind ziemlich lokalpatriotisch", sagt er. "Sie freuen sich einfach, etwas über ihre Stadt im Internet zu sehen." Auch aktuelle Trends greifen sie auf und übertragen sie auf lokale Themen. Bei Instagram folgen ihnen knapp 30.000 Menschen. Vor der Kamera stehen oft Freundinnen und Freunde, die Straßenumfragen moderieren oder in kurzen Clips mitwirken – und inzwischen auch in Trier erkannt werden. "Über Social Media lernt man viele Menschen kennen, die ähnliche Interessen haben", sagt Johannes.
Dass ihr Content so gut ankommt, ist kein Zufall: Er ist authentisch und nicht gestellt. Als Teil der Generation Z sind sie mit Social Media aufgewachsen und beherrschen ihr Handwerk. Für ältere Generationen – auch in der eigenen Familie – bleibt ihre Arbeit oft schwer greifbar.
Wenn sie ihren Job beschreiben, bleiben sie meist bei einfachen Antworten: Social Media, Merchandise – irgendetwas im Internet. Doch die Arbeit im Netz hat auch ihre Schattenseiten. "Social Media ist mitunter ein sehr toxisches Medium", sagt Johannes. "Man bekommt immer sofort Feedback." Inzwischen gehen die beiden gelassener mit Kritik um. "Kritik ist immer leichter, als Verbesserungsvorschläge zu liefern." Für beide überwiegen dennoch die positiven Seiten.
Ob "fünfvier." künftig auch über Trier hinauswächst, lassen die beiden offen. Sicher ist für sie: Trier bleibt der Mittelpunkt ihres Schaffens.




