

Zwei Wohnungen, zwei Fachkräfte, ein Ziel: Frauen, die auf der Straße leben oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind, zurück in ein selbstbestimmtes Leben begleiten. Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Trier hat sein Projekt „FrauWiN – Frauen wohnen in unserer Nähe« offiziell eröffnet – unter der Schirmherrschaft von Bundesbauministerin Verena Hubertz.
Rasant steigende Zahlen
Die Dringlichkeit des Projekts belegen die Zahlen: Rund 800 wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen suchten im Jahr 2025 das Café Haltepunkt des SkF in Trier auf – fünfmal mehr als noch 2020, als es rund 250 waren. Viele der Betroffenen leiden zusätzlich unter schweren psychischen Erkrankungen, die oft sowohl Ursache des Wohnungsverlusts als auch Hindernis bei der Wohnungssuche sind.
Der SkF hat daraus Konsequenzen gezogen: Als Hauptmieter zweier Drei-Zimmer-Wohnungen in zentraler Lage in Trier vermietet er diese an betroffene Frauen unter. Zwei Fachkräfte begleiten sie bis zu drei Jahre lang, bereiten sie in modularen Schulungen auf den freien Wohnungsmarkt vor und stellen am Ende ein Zertifikat aus, das ihre Mietkompetenz bescheinigt.
Mehr als ein Dach über dem Kopf
Bundesministerin Hubertz, die die Schirmherrschaft übernommen hat, betonte bei der Eröffnung die gesellschaftliche Dimension: Wohnungslosigkeit sei kein Randthema, sondern Ausdruck sozialer Ungleichheit. „Wohnen bedeutet mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Es schafft Ankommen, Schutz, Teilhabe und Perspektive«, sagte sie. Das Projekt soll in den kommenden Wohnungslosenbericht der Bundesregierung aufgenommen und beim nächsten Jahreskongress des Nationalen Forums gegen Wohnungslosigkeit als Modell vorgestellt werden.
Auch Trierer Sozialdezernentin Britta Weizenegger würdigte das Engagement des SkF: Das Projekt zeige, „wie gelebte Solidarität und soziale Verantwortung konkret aussehen.«
Sponsor JTI, einer der größten Arbeitgeber der Region, sichert die Finanzierung für drei Jahre. Peter Kilburg von JTI erklärte, warum das Unternehmen schnell überzeugt war: „Es gibt nicht viel Essentielleres als ein Dach über dem Kopf zu haben.« Anlässlich der Eröffnung überreichte JTI dem Projekt zudem ein eigens gestaltetes Logo.
Modellcharakter und globale Einbettung
Die Universität Trier begleitet FrauWiN wissenschaftlich. Dr. Jörgen Schulze-Krüdener vom Fachbereich Erziehungswissenschaft betonte: „Wohnungslosigkeit ist kein individuelles Scheitern. Sie ist das Resultat eines strukturellen Versagens.« Das Projekt gebe den Bewohnerinnen nicht nur Unterkunft, sondern Selbstbestimmung zurück – sie seien Mieterinnen mit Rechten und Pflichten, keine Bittsteller. Die Ergebnisse der Begleitstudie sollen im Rahmen einer Fachtagung vorgestellt werden.
Eingebettet ist FrauWiN zudem in die weltweite „13 Häuser«-Kampagne der Vinzentiner, die seit ihrem Start vor sechs Jahren nach eigenen Angaben mehr als 11.000 Menschen in 80 Ländern geholfen hat, dauerhafte Wohnlösungen zu finden. Mark McGreevy, Präsident der Depaul Group und Koordinator der Famvin Homeless Alliance, erklärte in einem Grußwort: Trier werde mit diesem Projekt „zu einem Leuchtturm der Solidarität«.
Langfristiges Ziel ist es, das Trierer Modell als bundesweites Vorzeigeprojekt zu etablieren und Unternehmen sowie Verbände zu motivieren, ähnliche Initiativen aufzulegen.



