Claudia Neumann

Straßen voller Kultur

1. Fringe Theaterfestival Trier startet am 25. und 26. Juni

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Camping Royale

Camping Royale

Foto: Isabelle L'Italien

Internationales Straßentheater, Seiltanz, Stelzen, Jonglage und Theater für die ganze Familie erfüllen ein Wochenende lang die Innenstadt von Trier. Das Theater Trier organsiert das erste Fringe-Theaterfestival in der Moselmetropole und lädt dabei darstellende Künstlerinnen und Künstler aus Kanada, Australien, Finnland, Belgien, Luxemburg, Frankreich und Deutschland ein. Bei freiem Eintritt beleben diese am Samstag, 25. Juni, und Sonntag, 26. Juni, die Straßen und Plätze Triers. Nachmittags und abends lädt das Theater Trier zu Vorstellungen in den Theatergarten und das Große Haus am Augustinerhof zu besonders günstigen Festival-Preisen ein (ab 10 €, ermäßigt 7 €).

 

Ein Vorhaben, das vom Land Rheinland-Pfalz besonders gefördert wird. Staatssekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck, der die Anregung zu dieser Initiative gegeben hat: "Das 1. Fringe-Festival ist eine wunderbare Gelegenheit für die Menschen wieder zusammenzufinden, neue Anstöße zu bekommen und in heiterer Atmosphäre, im Herzen von Trier, Kultur und natürlich auch Kulinarisches zu genießen. Das Kulturministerium unterstützt die Stadt mit einer Landesförderung in Höhe von bis zu 25.000€."

 

"Trier ist eine Kulturstadt. Wir haben großartige Welterbestätten und eine lebendige Innenstadt", so Kulturdezernent Markus Nöhl. "Mit dem neuen Fringe-Festival bringen wir internationale freie Theatergruppen mit Trierer Akteuren zusammen auf die Plätze, Straßen und Bühnen unserer Stadt. Wir können beim Schlendern und Spazieren durch unsere wunderbare Innenstadt einzigartige Künstlerinnen und Künstler erleben, die ein buntes Programm anbieten und uns zu weiteren Vorstellungen in das Theater einladen.

 

" Das Trierer Fringe-Theaterfestival ist benannt nach dem Vorbild der schottischen Landeshauptstadt Edinburgh. Dort formierte sich in den 1950er Jahren eine randständige Theaterkultur - das sogenannte "Fringe". Freie Theatergruppen organisierten ein besonderes Festival, das jenseits der etablierten Bühnen aktiv wurde.

 

Auch das 1. Fringe Theaterfestival Trier zeigt zahlreiche freie Gruppen, die aus der ganzen Welt an die Mosel kommen. Hinzu gesellen sich Trierer Akteure, so das Stelzentheater Circolo aus Trier und Produktionen des Theaters Trier. Gemeinsam mit Frank Hoffmann, Intendant des Théâtre National du Luxembourg, stellte der Trierer Intendant Manfred Langner ein abwechslungsreiches Programm für das Festival-Wochenende zusammen, an dem auch die große Landesausstellung zum "Untergang des römischen Reichs" eröffnet. Manfred Langner: "Ein passendes Datum für ein farbenprächtiges Spektakel, bei dem wir den Trierern wie den vielen Gästen in unserer Stadt ganz unterschiedliche Theaterformen zeigen und zwischen den Ausstellungsbesuchen ein ebenso vergnügliches wie vielfältiges Festival präsentieren können.

 

" Dreieinhalb Meter hoch sind die Blüten des Stelzentheaters Circolo aus Trier, die mit spektakulären Kostümen durch die Stadt flanieren und Charme und Lebensfreude verbreiten. Die Kunst, ein Schaf zu sein, vermittelt die kanadische Straßentheatertruppe Corpus in einer ländlichen Idylle, eigens installiert im städtischen Umfeld des Viehmarkts. Ein Spektakel für Jung und Alt, beruhend auf genauem Studium und surrealer Auswertung des tierischen Verhaltens.

 

"Les moutons - Die Schafe" - Füttern erwünscht! Schon von weitem hört man diese skurrile Parade "Dadobulanz" der Truppe Dadofonic kommen: Sechs Paare, die wie aus einer anderen Welt scheinen und dem Trillerpfeifenkommando eines herrischen Zampanos folgen. Immer wieder legen sie musikalische Pausen ein - und versuchen ihren Chef auf ihre Seite zu ziehen … Das integrative Künstlerkolletiv DADOFONIC vereint kreative Individuen zu einem dynamischen Ensemble. Die Produktionen kombinieren Genres und Zielgruppen und verwischen die Grenzen zwischen Theater, Choreographie und Zirkus. Schönheit, Unbefangenheit und kindlicher Mut prägen den Auftritt von Hands some Feet in ihrem gleichnamigen Programm im Theatergarten. Jongleur Jeromy Nuuk und Seiltänzerin Liisa Nuuk verbinden ihre Künste mit Witz und Kühnheit, Zärtlichkeit und Raffinesse - zum Dahinschmelzen wie ein Eis im Sommer.

 

Mitmachen erwünscht bei diesem königlichen Camping der Gruppe Corpus mit zwei Monarchinnen des 18. Jahrhunderts, Sophie-Charlotte von England und Louise von Preußen. Ausgerüstet lediglich mit ihren Zelten und einem Diener begeben sie sich in unwegsames Gelände und suchen in ihrem "Camping Royale" den Kontakt zu den Untertanen in fremden Kolonien. Circolo verbindet in den "Baumwesen" auf einzigartige Weise das Schone und das Gruselige. Einen Moment lang fast bewegungslos, erwachen sie sofort zu beispielloser Vitalität. Manchmal kommen sie leise flüsternd, wie ein milder Sommerwind. Plötzlich überschatten sie sich und nähern sich murmelnd und grollend, aufrührerisch - wie eine Sturmfront.

 

"A 2 MÈTRES", zwei Meter Länge ist der maximale Abstand zwischen Jesse und Rocio, wenn sie zusammen am chinesischen Mast turnen und ihrem Publikum vermitteln, was es heißt zu träumen und frei zu atmen in einer Zeit, in der wir uns oft außer Atem fühlen. Zwei Meter lang ist der Schlauch, mit dem der an Mukoviszidose leidende Akrobat Jesse Huygh mit dem Sauerstoff verbunden ist, den seine Partnerin Rocio Garrote in einem Tank trägt. Kreiiert nach der Diagnose im Krankenhaus und erarbeitet unter dem Gebot der Abstandsregelungen der Pandemie bieten die beiden Artisten eine faszinierende Performance des Willens, der Kraft und der Liebe.

 

Zu den eingeladenen Produktionen kommen zwei fremdsprachige Aufführungen aus dem Programm des Theaters Trier, die thematisch wie ästhetisch Grenzen überschreiten und mit ihrer Sprachgewalt faszinieren. In französischer Sprache zeigt das Theater Trier den poetisch-philosophischen Klassiker für Kinder und Erwachsene: "Le Petit Prince" nach einer Erzählung von Antoine de Saint-Exupéry ist ein modernes Märchen über die Begegnung eines in der Wüste notgelandeten Piloten mit dem treuherzig-naiven Prinzen von einem anderen Stern.

 

"Vögel" ist ein hochaktuelles viersprachiges Schauspiel von Wajdi Moawad über die komplexen und komplizierten Beziehungen zwischen Exil und Herkunft, Juden und Palästinensern, jungen Erwachsenen und ihren Eltern, Liebe und Familienloyalität. In den Originalsprachen Englisch, Deutsch, Hebräisch und Arabisch und mit deutschen Übertiteln entfaltet sich ein spannendes Drama über die menschliche Identität.