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Wenig Essen und winzige Wohnungen

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Die Ausstellung „Dilldopp, Klicker, Lebertran – Kindheit in den 50er Jahren in Wittlich“, die noch bis zum kommenden Sonntag, 12. Februar, in der Städtischen Galerie im Alten Rathaus in Wittlich gezeigt wird, stellt in eindrucksvollen Momentaufnahmen und ausgewählten Texten das Leben in den 1950 bis 1959er Jahren dar. Die Entwicklung der Stadt Wittlich und die damit verbundenen Bedingungen für das Leben der Kinder bietet eine passende Erweiterung dieses Themenfeldes. Seine Darstellung übernahm René Richtscheid M.A., Geschäftsführer des Emil-Frank-Instituts und Historiker von Beruf, in einem Vortrag, in dem er vor gut 40 Zuhörerinnen und Zuhörern die Entwicklung des Lebens in Wittlich und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Kinder von Beginn bis zum Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts schilderte.   Lebensmittelkarten und volle Klassenzimmer Wichtiges Thema dieser Zeit war der Stellenwert des Essens. Während Lebensmittel anfangs noch knapp waren und daher rationiert werden musste, bspw. in Form von Lebensmittelkarten, die den Kindern zustanden mit bestimmten Kalorienwerten (1250 bis 1500 Kalorien pro Tag, je nach Alter), oder bei der Schulspeisung in Form eines Eintopfs oder einer Suppe, die den Kindern in mitgebrachte Blechnäpfe gefüllt wurde, gab es bald keinerlei Hungersnöte mehr in Wittlich. Der Stellenwert ausreichenden Essens blieb, was Fotos belegen, die die Kinder bei Kirmesattraktionen wie dem  "Würstchenschnappen" oder das "Buttercremeschnittchenwettessen" (siehe Foto) zeigen. Weitere Kuriosität aus heutger Sicht: Die damaligen Wohnverhältnisse. Die Quadratmeter Wohnfläche, die aufgrund der durch die Bombenangriffe von 1944/45 reduzierten Wohnfläche Familien zur Verfügung stand, wirken heute unvorstellbar winzig. Ehepaaren mit bis zu zwei Kindern standen 22 m² zur Verfügung; ab drei Kindern kamen 12 m² zusätzlich hinzu. Auch die Entwicklung der Schulklassen von 1950 bis 1959 ist interessant. Die Größe der Schulklassen war mit 70 Kindern zu Beginn der 1950er Jahre immens, reduzierte sich bis Ende der Dekade auf ca. 30 Kinder.  Rege Diskussion Die Besucherinnen und Besucher des Vortrags diskutierten beim Thema "französische Besatzungsmacht" und deren Idee, konfessionsübergreifende staatliche Schulen einzuführen, kräftig mit. Die Idee wurde damals aufgrund der Erfahrungen während des Nationalsozialismus von der Bevölkerung abgelehnt und erst 1968 umgesetzt. Weiterer Anknüpfungspunkt der Erinnerung: Die Arbeit der Sportvereine. Denn auch an die aktive Jugendarbeit der Wittlicher Sportvereine erinnerten sich Gäste und konnten dem Referentin weitere, eigene Eindrücke aus dieser Zeit mit auf den Weg geben. Auch da Richtscheid derzeit mit der Fortführung des Werkes „Geschichte der Stadt Wittlich“ beauftragt ist, dürften ihm diese Informationen sehr gelegen kommen. Foto: FF.