

Die Veröffentlichung der Missbrauchsstudie der Deutschen Franziskanerprovinz hat am Standort Vossenack eine intensive Auseinandersetzung ausgelöst. Die Studie benennt das frühere Internat und die Schule in Vossenack als Ort vielfacher Täterhandlungen – sexualisierte Gewalt, körperliche Übergriffe und spiritueller Missbrauch inbegriffen.
Kürzlich fand in der Aula des Franziskus-Gymnasiums ein zweites moderiertes Austauschforum statt, zu dem rund 20 ehemalige Schüler – überwiegend aus den Abiturjahrgängen der 1970er bis 1990er Jahre – zusammenkamen. Der Abend war geprägt von einem respektvollen Miteinander: Erlebnisse wurden ausgesprochen, unterschiedliche Erfahrungen durften nebeneinanderstehen. Für manche war die Internatszeit nach eigener Aussage »die Hölle auf Erden«, für andere eine glückliche Jugendzeit – für einige beides zugleich. Diese Gleichzeitigkeit von positiven Erinnerungen und tiefen Verletzungen beschreibt die Trägerschaft als besondere Zumutung für viele Betroffene.
Parallel dazu hat ein ehemaliger Erzieher, der in der Studie mit Vorwürfen konfrontiert wird, eine öffentliche Stellungnahme veröffentlicht. Darin räumt er ein, dass sein Verhalten in einigen Situationen als grenzüberschreitend oder beschämend erlebt worden sei. »Es gab Verhaltensweisen und pädagogische Maßnahmen, die ich aus heutiger Sicht nicht mehr vertreten kann«, schreibt er und bittet Betroffene ausdrücklich um Entschuldigung. Vorwürfe sexueller Übergriffe weist er hingegen entschieden zurück. Zugleich kritisiert er, dass seine Aussagen gegenüber den Studienautoren nachträglich ergänzt worden seien, ohne dass er darüber informiert wurde.
Er bedauert auch, dass der beliebte Klostersonntag ein Ende gefunden habe und der Kloster-Kultur-Keller, hier besonders das Puppenspiel, ruhe.
Bereits im Rahmen des ersten Austauschforums hatte ein langjähriger Verantwortlicher der Franziskaner in Vossenack um Entschuldigung gebeten, dass er nicht genau hingesehen oder möglichen Betroffenen kein offenes Ohr geschenkt habe.
Als nächste Schritte plant die Franziskus-Stiftung ein weiteres Austauschforum, an dem Dr. Robert Köhler, Mitglied der Begleitgruppe zur Missbrauchsstudie, teilnehmen wird. Noch vor den Sommerferien soll außerdem das sozialpädagogische Projekt »Zeitreisebus« stattfinden, bei dem aktuelle und ehemalige Schüler gemeinsam auf die Frage blicken, was sich seit der beschriebenen Zeit verändert hat und wie Schutz und Achtsamkeit heute gelebt werden.




