Haltung, Beharrlichkeit und Innovation - Deutscher Umweltpreis für Roda Verheyen und Klaus Vossenkaul
Der Deutsche Umweltpreis 2026 in Höhe von insgesamt 500.000 Euro geht heute (Sonntag) in Aachen zu gleichen Teilen an Membranfilter-Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul, Gründer und Geschäftsführer der Firma Membion aus Roetgen, sowie an die Hamburger Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen. Die von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) dieses Jahr zum 34. Mal vergebene Ehrung zählt zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas und wird ab 11 Uhr während eines Festakts von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht. Die beiden Ausgezeichneten seien „Mutmacher, die zeigen, wie es positiv vorangehen kann“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Er fügt hinzu: „Roda Verheyen und Klaus Vossenkaul verkörpern Haltung, Beharrlichkeit und Innovationskraft mit klarem Kompass beim Umwelt- und Klimaschutz – auch als Standortfaktoren für Unternehmen in Deutschland.“
Membranfilter-Ingenieur Vossenkaul und Umweltjuristin Verheyen werden genau deshalb von der DBU mit dem Deutschen Umweltpreis 2026 gewürdigt. Klaus Vossenkaul, dessen Betrieb Membion sprichwörtlich als Garagenfirma entstanden ist, sei „ein Wegbereiter für innovative Lösungen in der Abwasserreinigung und leistet damit einen bedeutenden Beitrag zum Erhalt der lebenswichtigen Ressource Wasser“, sagt Bonde. „Wie relevant das künftig ist, hat der Rekordhitze-Sommer 2026 vor Augen geführt.“ Unerlässlich für mehr Umwelt- und Klimagerechtigkeit ist nach Bondes Worten die Durchsetzung entsprechender rechtlicher Vorgaben. „Dafür hat sich Roda Verheyen mehr als zwei Jahrzehnte unermüdlich stark gemacht.“
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ruft dazu auf, die Art zu leben und zu wirtschaften zu überdenken, „um unseren Kindern und Enkeln einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen“. Das sei jedoch nicht von einem einzelnen Land oder einzelnen Menschen zu bewältigen, sondern eine gemeinsame Aufgabe, „als Weltgemeinschaft, als ganze Gesellschaft“. Beim Festakt zur Verleihung des Deutschen Umweltpreises durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) im Eurogress Aachen appellierte das Staatsoberhaupt heute (Sonntag) zugleich daran, jede Chance zu nutzen, um sich „nach Kräften gegen die Folgen der Erderwärmung“ zu wappnen.
Der Bundespräsident sagte mit Blick auf Verheyen und Vossenkaul, er freue sich, „dass wir heute zwei Menschen auszeichnen, die zum einen für den technologischen Fortschritt, zum anderen für die Fortentwicklung des Rechts Herausragendes geleistet haben“. Verheyen habe als Juristin „vielen Menschen Möglichkeiten aufgezeigt, für ihre Interessen zu streiten, wenn es um den menschengemachten Klimawandel und seine Folgen geht“. Steinmeier an die Adresse Verheyens: „Sie haben ihnen zur Seite gestanden und ihnen Gehör verschafft im Streit mit Konzernen und Regierungen, um unser aller ,Recht auf Zukunft‘, wie Sie es sagen, zu sichern.“ Der Bundespräsident erinnerte an Verheyens „entscheidenden Anteil daran, dass das Bundesverfassungsgericht sein Diktum zur Klimaneutralität bis 2045 gefällt hat“. Laut Steinmeier erweiterte der Beschluss „die heute zu schützenden Grundrechte und Freiheiten um diejenigen der kommenden Generationen“.
EU-Kommunalabwasser-Richtlinie muss bis Juli 2027 in nationales Recht umgesetzt sein
Membranfilteringenieur Vossenkaul wiederum sei ein „Technologie-Pionier in herausragender Art und Weise“, so Steinmeier. Mit einer Prise Humor fügte er hinzu: In Aachen eine Laudatio ohne Erwähnung von Karl zu halten, sei fast unmöglich. In diesem Fall gehe es aber nicht um Karl den Großen, sondern um die Kommunalabwasser-Richtlinie der Europäischen Union (EU), kurz ebenfalls KARL. Sie solle durch zusätzliche Verfahren sicherstellen, dass gesundheitsschädliches Mikroplastik, gefährliche Keime und Krankheitserreger, aber auch Rückstände von Arzneimitteln aus dem Abwasser herausgefiltert werden. Bis Juli 2027 haben die EU-Mitgliedstaaten Zeit, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Eine Grundlage dafür seien technische Innovationen. Vossenkauls weiterentwickelte Membrantechnologie leiste dazu einen Beitrag. Diese sei der KARL-Ära weit voraus, weil die Membranfilter aus Hohlfasern bei der Nach- und Umrüstung von Kläranlagen helfen, „und das platz-, energie- und somit kostensparend“, so Steinmeier.
Bundespräsident: Deutscher Umweltpreis ist mir von Jahr zu Jahr weiter ans Herz gewachsen
Steinmeier nutzte die Rede zu einem persönlichen Resümee. Seit 2017 habe er jedes Jahr den Deutschen Umweltpreis der DBU überreicht, auch wenn er 2020 wegen der damaligen Corona-Pandemie sich lediglich per Videobotschaft habe zuschalten können. „Dieser Preis ist mir von Jahr zu Jahr weiter ans Herz gewachsen“, so der Bundespräsident. Er habe stets „mit Neugier und Spannung auf die Preisverleihung geschaut“ und sich gefreut, „Menschen mit Engagement und innovativen Ideen kennenzulernen“. Deshalb erfülle es ihn „ein wenig mit Wehmut, dass ich ihn heute zum letzten Mal überreichen darf“. Steinmeiers Amtszeit endet im nächsten Jahr.