Mit offenen Augen durch die Natur

Wandern ist beliebt, nicht nur in der Eifel. Für wen aber nicht nur der Weg das Ziel ist, wer mehr über die Dinge am Wegesrand erfahren möchte, der sollte sich einmal von einem Wald- oder Naturführer begleiten lassen: Vielleicht von Ulrike Call.
Bilder

»Wer einen Guide dabei hat, der entdeckt Details unserer Landschaft, die ihm sonst verborgen bleiben«, weiß Ulrike Call. Im Hohen Venn, im Nationalpark Eifel oder auch anderswo ist sie der Natur auf der Spur. Die Familienwanderung »Wilde Tiere - Wilde Kräuter - Wilder Wald« hat sie selbst entworfen. Drei Stunden lang geht es über den Wilden Weg, »Wir begeben wir uns auf Spurensuche in den Wald. Wir erfahren bei dieser Wanderung welche Tiere hier leben und lebten, welche Kräuter im Wald grundsätzlich nutzbar sind und warum wir die Wildnis brauchen, warum wir das Totholz stehen lassen sollten und warum der Wald besser unordentlich als aufgeräumt ist«, so Call, die im Hauptberuf beim Rureifel-Tourismus e.V. beschäftigt ist. Ulrike Call verfolgt im Hohen Venn die Spuren der Biber, lässt naturbelassene Täler auf die Menschen wirken oder zeigt den Teilnehmern, wo noch Überreste der letzten Eiszeit zu entdecken sind. Call ist bei diesen Führungen weniger als erklärendes Waldlexikon unterwegs, sondern ihr geht es darum, den Teilnehmern besondere Erlebnisse zu vermitteln.  »Auf unseren Touren geht es mir darum, dass Kinder und Erwachsene kleine Abenteuer erleben, indem sie spannende Fragen rund um den Wald klären oder kleine Experimente durchführen.« Denn mit einfacher Sprache und emotionalen Bildern ließen sich die großen Zusammenhänge am besten darstellen. »Ich zeige den Teilnehmern, wie in der Natur alles mit allem zusammenhängt - wie etwa ein Baum, dem es schlecht geht, über die Nahrungskette Auswirkungen bis zu uns Menschen hat«. Dafür verwende sie oft selbstgestaltete Collagen oder sie hält gerade Kindern einen Spiegel unter die Nase, damit sie den Blick in die Weite von Baumwipfeln und Himmel schweifen lassen. Der Mensch glaube ja, er beherrsche die Welt. »Dabei schlägt die Natur immer wieder zurück und lehrt uns eines besseren«, lacht Call. »Ich wollte immer schon im Wald sein, am liebsten sogar dort wohnen«, erinnert sich Ulrike Call. Sie ist im Haus Ternell zur Naturführerin ausgebildet worden. Dieser Kurs beinhaltet eine Einführung in die Naturwissenschaften (Botanik, Ornithologie, Insektenkunde, Klimalehre, Ökologie, Geologie) sowie in die verschiedenen gesetzlichen, sozialen und pädagogischen Aspekte zur Erhaltung der Umwelt. Zudem hat Call eine 70-stündige Fortbildung besucht, an deren Ende sie zertifiziert als Waldführerin im Nationalpark Eifel unterwegs sein kann. Wer mit Ulrike Call unterwegs ist, der darf auch einmal einen Baum umarmen, einen Laubhaufen durch die Gegend werfen oder einfach nur lauschen, welche Geräusche es im Eifelwald zu entdecken gibt. »Wer in einer einfachen Wandergruppe unterwegs ist, der verfällt schnell in Alltagsgespräche«, weiß Call. »Das will ich gar nicht kritiseren, sondern auf meinen Touren den Fokus auf die Natur richten und den Teilnehmern die Möglichkeit geben, durch die Kraft der Natur zur Ruhe zu kommen.«

Touren buchen

Etwa 80 aktive Waldführer gibt es im Nationalpark Eifel. Für das Naturzentrum Ternell sind auch mehr als ein Dutzend Naturführer regelmäßig im Hohen Venn unterwegs.
Wer an einer Wanderung mit Ulrike Call teilnehmen möchte, kann sich an die Monschau Touristik oder Rureifel-Tourismus wenden bzw. ins Internet auf www.vennfuehrungen.de schauen.
Geführte Touren mit der Natur- und Waldführerin werden auch als Bildungsurlaub anerkannt und können über die Heinrich-Böll-Stiftung oder den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gebucht werden.


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