Thomas Förster

Mit Rückenwind durchs Dorf chauffiert

Im asiatischen Raum sind sie ein beliebtes Fortbewegungsmittel, in Großstädten schon länger ein Highlight für Touristen - und auch in Schmidt haben die besonderen Beförderungsmittel Einzug gehalten, unter dem passenden Namen »Mokka-Rikscha«.

Schmidt (Fö). Einfach noch einmal am alten Haus vorbeifahren, den Friedhof besuchen oder eine kleine Runde durch den Ort drehen: Was für viele selbstverständlich ist, wird im Alter oder bei körperlichen Einschränkungen schnell schwierig. In Schmidt setzt seit dem Frühjahr ein neues ehrenamtliches Angebot genau hier an. Zwei Fahrradrikschas bringen Menschen wieder auf Tour – und sorgen dabei für weit mehr als eine Kaffeefahrt.

Unter dem Namen »Mobil mit Rad – Die Mokkarikschas« hat der Förderverein »DRK/JRK Rureifel« auf Initiative von dr. Günther Heck das Projekt auf den Weg gebracht. Die Vorbereitungen liefen bereits seit Ende 2023. Nach einigen Hürden konnten schließlich mit Unterstützung der »Aktion Mensch« zwei Fahrradrikschas finanziert werden.

Das Vorbild kommt aus Kopenhagen. Dort entstand bereits 2012 die Initiative »Cycling Without Age«, auf Deutsch »Radeln ohne Alter«. Die Idee von Gründer Ole Kassow: Menschen, die selbst nicht mehr Fahrrad fahren können, sollen trotzdem wieder Wind und Bewegung erleben können. Inzwischen hat das Konzept Nachahmer in zahlreichen Ländern gefunden.

Den Anstoß, diese Idee auch nach Schmidt zu holen, gab ein ehemaliger Schmidter. Helmut Stollenwerk ist in Braunschweig über die Bürgerstiftung selbst ehrenamtlich mit Fahrradrikschas unterwegs. Dort ermöglichen mehr als 170 Fahrer mit über 20 Rikschas vor allem Bewohnern von Altenheimen Ausfahrten. Stollenwerk brachte seine Erfahrungen mit in die Rureifel und schulte auch die ehrenamtlichen Fahrer in Schmidt.

Zwölf von ihnen stehen inzwischen bereit. Sie wurden einheitlich in der fachgerechten und sicheren Handhabung der Rikschas unterwiesen. An möglichen Fahrgästen mangelt es offenbar ebenfalls nicht: Weil es in Schmidt kein Altenheim mehr als zentrale Anlaufstelle gibt, werden mögliche Fahrgäste im Ort gezielt angesprochen. Und auch Menschen aus anderen Orten des Monschauer Landes können den ehrenamtlichen Fahrservice in Anspruch nehmen. »Und das kostenlos - mögliche Spenden werden für Instandhaltungsmaßnahmen der Rikschas verwendet«, unterstreicht Dr. Günther Heck.

Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Kilometer zurückzulegen. Mit fünf bis acht Stundenkilometern sind die Mokkarikschas gemächlich unterwegs. Das soll Sicherheit geben – und genügend Zeit für ein Gespräch lassen. Ein oder zwei Fahrgäste sitzen vorne auf einer Bank und werden mit Beckengurt und Sicherheitsbügel gesichert. Verdeck und Decke schützen bei Bedarf vor Wind und Wetter.

Die Fahrer haben verschiedene verkehrsberuhigte und landschaftlich reizvolle Strecken vorbereitet. »Wenn ich von Harscheidt aus bis nach Eschauel fahre und den Blick auf der Huberutshöhe genieße, dann kommen mehr als 20 Kilometer zusammen«, weiß Heck, dass er nicht nur den Fahrgästen eine besondere Ausfahrt bietet, sondern auch für die eigene Fitness etwas tut. Vor allem aber sollen die Wünsche der Mitfahrer entscheiden, wohin die Reise geht. Das kann eine Einkaufsfahrt im Ort sein, ein Besuch auf dem Friedhof oder eine Runde durch einen Ortsteil, den jemand schon lange nicht mehr gesehen hat. Gerade darin liegt der besondere Reiz der Idee: Die Rikscha erweitert nicht nur den Bewegungsradius, sondern kann Menschen wieder an vertraute Orte und damit auch zu Erinnerungen bringen. Erfahrungen anderer »Radeln ohne Alter«-Initiativen zeigen zudem, dass neben dem Ausflug selbst besonders die Begegnungen und Gespräche von den Fahrgästen geschätzt werden.

Die Initiatoren hoffen nun, dass sich die Mokkarikschas schnell im Ort herumsprechen. Denn manchmal braucht es gar keine große Reise, um ein Stück Mobilität zurückzugewinnen. Manchmal reicht schon eine gemütliche Runde durch Schmidt – mit frischem Wind um die Nase und Zeit für ein Verzällche.