Thomas Förster

Zwangsarbeitern wird endlich ein Gesicht gegeben

Strauch. In Strauch sind Mahnmal und Informationstafel für das ehemalige Kriegsgefangenenlager errichtet worden
Der Arbeitskreis Dorfgeschichte Strauch mit Simmeraths Bürgermeister Bernd Goffart und der ukrainischen Honorarkonsulin Linda Mei vor dem Mahnmal und der Erinnerungstafel, die das Zwangsarbeiterlager ins Bewusstsein des Ortes rücken soll.

Der Arbeitskreis Dorfgeschichte Strauch mit Simmeraths Bürgermeister Bernd Goffart und der ukrainischen Honorarkonsulin Linda Mei vor dem Mahnmal und der Erinnerungstafel, die das Zwangsarbeiterlager ins Bewusstsein des Ortes rücken soll.

Bild: T. Förster

Strauch (Fö). »Wir stellen uns einem bedrückenden Kapitel unserer Geschichte, weil es zum Dorf dazu gehört«. Mahnend und dankbar zugleich enthüllte Strauchs Ortsvorsteher Daniel Scheen-Pauls mit seinen Mitstreitern des Arbeitskreises Dorfgeschichte auf dem Dorfplatz ein Mahnmal für das ehemalige Kriegsgefangenenlager Arbeitskommando 798, das mitten im Ort während des Zweiten Weltkriegs stand. »Bis zu 200 Menschen waren hier gefangen, litten unter Hunger und Zwangsarbeit. 76 von ihnen starben im Alter zwischen 15 und 46 Jahren. Sie wurden verschwiegen, vergessen, aber jetzt sind sie nicht mehr namenlos«, unterstreicht Scheen-Pauls. Der respektvolle Umgang mit diesen Menschen beginne jetzt und ende nie.

Das »Arbeitskommando 798« bestand aus sechs Baracken direkt neben der Dorfkirche. Zunächst waren polnische, dann französische und sowjetische Kriegsgefangene. Die sterblichen Überreste vieler - insgesamt von 2.322 Männern, Frauen und Kindern aus der Sowjetunion – ruhen auf der Kriegsgräberstätte zwischen Kesternich und Rurberg.

»Ich bin froh, dass sich die Straucher der Vergangenheit gestellt und dem Erinnern einen würdigen Raum gegeben haben«, erklärt Bürgermeister Bernd Goffart. Und Historiker Konrad Schöller, der wie Dr. Dieter Lentzen an der Erinnerungstafel mitgewirkt und Archive gewälzt hat, unterstreicht: »Forschung alleine verändert nichts. Erst durch aktives Bewusstmachen werden aus Dokumenten Menschen.«

Pfarrer Michael Stoffels weihte das Mahnmal ein und bat für die Opfer um den Frieden, den sie auf Erden nicht gefunden haben.

Linda Mai, Honorarkonsulin der Ukraine, lobte, dass man Kriegsverbrechen beim Namen nennen dürfe und den Menschen, die fern ab ihrer Familien gestorben seien, ein Gesicht bekommen.

Daniel Scheen-Pauls lobte seine Mitstreiter wie Projektkoordinator Arnd Bremen. Raimund Löhrer, der Gespräche mit 15 Zeitzeugen geführt hat, um Erinnerungen zu erhalten. Der Eifelverein um Ernst Bolt wolle einen Themenwanderweg einrichten und Willi Claßen, der das Mahnmal erstellt hat.