Thomas Förster

Eine statische Lage am Hohen Venn sorgt nicht für Beruhigung

»Aufatmen ist keine Option. Wir halten die Lage weiter fest im Blick, um das Feuer zurückdrängen zu können.« Tobias Schell, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Monschau, beschreibt die Anspannung, der seine Kameraden ausgesetzt sind. Kräftezehrend und mental belastend setzen sich die Ehrenamtler dem größten Brand in der Geschichte des Hohen Venns zur Wehr.
Besonnen und professionell stellt sich Tobias Schell, Sprecher der Feuerwehr, den Fragen. Die Lage sei stabil, doch an ein Autatmen nicht zu denken.

Besonnen und professionell stellt sich Tobias Schell, Sprecher der Feuerwehr, den Fragen. Die Lage sei stabil, doch an ein Autatmen nicht zu denken.

Bild: Thomas Förster

Kalterherberg (Fö). Etwas Regen und folgenloser auffrischender Wind haben den Einsatzkräften im Kampf gegen den verheerenden Brand im Hohen Venn etwas Luft verschafft. Entwarnung gibt es auf deutscher Seite aber keineswegs. Die rund 30 Bewohner von Ruitzhof und Geisberg mussten ihre Häuser bereits am Sonntagabend verlassen, wann sie zurückkehren können, ist noch offen. Auch die Menschen in Küchelscheid und Leykaul haben aus Sicherheitsgründen ihr zu Hause verlassen müssen. Von weiteren Evakuierungen wird derzeit nicht ausgegangen, denn die Lage ist stabil, wie es Tobias Schell für die Feuerwehr beschreibt.
Seit Freitag brennt es im belgischen Teil des Hohen Venns. Mehr als 3000 Hektar sind betroffen und durch die Grenznähe wurde rasch auch die Feuerwehr aus Monschau auf den Plan gerufen. Zwei Einsatzabschnitte auf belgischer und deutscher Seite werden von 60 Einsatzkräften betreut - bis zu 250 Wehrleute und Vertreter anderer Hilfsorganisationen sind wechselweise tätig. Die starke Rauchentwicklung durch Regen und Wind erschwere die Arbeit. »Andererseits sinkt so die Gefahr, dass neues Feuer entfacht wird und wir müssen umliegende Flächen nicht mehr bewässern, um die Flammen einzudämmen«, schildert Tobias Schell. Gerade der Regen führe dazu, dass Wasser auf heißen Flächen verdampfe und sich dichter Rauch bilde. Die Stadt Monschau bat deshalb darum, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Zeitweise galt das auch für die Gemeinden Roetgen und Simmerath
Die besondere Vegetation des Hohen Venns und der Torfboden machen die Brandbekämpfung schwierig. Selbst dort, wo oberirdisch keine Flammen mehr zu sehen sind, können Glutnester im Boden weiterbestehen. Nach Angaben des Leiters der Feuerwehr, Philipp Krüger, liegt der derzeit für Ruitzhof entscheidende Brandbereich rund 2,3 Kilometer entfernt. Die Einsatzleitung hat sogenannte rote Evakuierungslinien festgelegt. Solche Linien bestehen auch für Plattevenn, Gut Reichenstein und Leyloch.
»Unsere Feuerwehr lässt eine unglaublich gute Arbeit«, zollt Bürgermeisterin Dr. Carmen Krämer den Wehrleuten ihren Respekt. Die Situation sei für die Einsatzkärfte körperlich wie mental eine außergewöhnliche Belastung. »Umso wichtiger istes, sich an die offiziellen Hinweise der Behörden zu halten und keine ungesicherten oder falschen Informationen über soziale Netzwerke weiterzuverbreiten«, appelliert Krämer. So wurde am Dienstag Mittag die N67 zwischen Mützenich und Eupen gesperrt, da sie als Brandschneise für die Feuerfront dienen soll.