Thomas Förster

Die Lage am Venn ist stabil - Sorge vor Wind

Vennbrand erfordert auf deutscher Seite größten Einsatz der Feuerwehr und anderer Hilfskräfte. Evakuierung bleibt bestehen, auf Wetteränderung vorbereiten

Bürgermeisterin Dr. Carmen Krämer, Feuerwehr-Sprecher Tobias Schell, Philipp Krüger (Leiter der Freiwilligen Feuerwehr) und Andreas Dovern (Amtsleiter Bevölkerungsschutz der Städteregion Aachen) stellen sich den Fragen der Presse.

Bürgermeisterin Dr. Carmen Krämer, Feuerwehr-Sprecher Tobias Schell, Philipp Krüger (Leiter der Freiwilligen Feuerwehr) und Andreas Dovern (Amtsleiter Bevölkerungsschutz der Städteregion Aachen) stellen sich den Fragen der Presse.

Bild: Thomas Förster

Monschau (Fö). Etwas Regen und folgenloser auffrischender Wind haben am Montag den Einsatzkräften im Kampf gegen den verheerenden Brand im Hohen Venn etwas Luft verschafft. Entwarnung gibt es auf deutscher Seite aber keineswegs. Die Bewohner von Ruitzhof und Geisberg mussten ihre Häuser bereits am Sonntagabend verlassen, weitere Bereiche sind für den Fall einer Verschärfung der Lage vorbereitet. "Aktuell ist das aber recht unwahrscheinlich, da der Brand 2,3 Kilometer entfernt ist." Rund 245 Einsatzkräfte sind derzeit auf deutscher Seite beziehungsweise im grenzüberschreitenden Einsatz gebunden.

»Der Regen hat gutgetan, aber er hat das Feuer nicht gelöscht«, machte Monschaus Bürgermeisterin Dr. Carmen Krämer am Montagnachmittag deutlich. Für die Menschen in den betroffenen Orten gehe es um das Bangen um Hab und Gut. Die Situation sei für die Einsatzkärfte körperlich wie mental eine außergewöhnliche Belastung. Umso wichtiger sei es, sich an die offiziellen Hinweise der Behörden zu halten und keine ungesicherten oder falschen Informationen über soziale Netzwerke weiterzuverbreiten.

Seit Freitag brennt es im belgischen Teil des Hohen Venns. Inzwischen handelt es sich um den größten Waldbrand in der Geschichte Belgiens. Tausende Hektar sind betroffen. Am Wochenende hatte sich das Feuer der deutschen Grenze immer weiter genähert. Am Sonntagabend ordnete die Stadt Monschau schließlich die Evakuierung von Ruitzhof und Geisberg an. Betroffen waren 17 Häuser mit rund 30 Bewohnern.

Die Lage habe sich am Montag zwar etwas stabilisiert, bleibe aber dynamisch, erklärte Einsatzleiter Philipp Krüger. Die starke Rauchentwicklung erschwere die Arbeit erheblich. Gerade der Regen führe dazu, dass Wasser auf heißen Flächen verdampfe und sich dichter Rauch bilde. Die Stadt bat deshalb darum, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Drehende Winde haben die dichten Rauschwaden mittlerweile größtenteils vertrieben.

Nach Angaben Krügers liegt der derzeit für Ruitzhof entscheidende Brandbereich rund 2,3 Kilometer entfernt. Die Einsatzleitung hat sogenannte rote Evakuierungslinien festgelegt. Solche Linien bestehen auch für Plattevenn, Gut Reichenstein und Leyloch. Dort ist der Brand derzeit noch etwa neun Kilometer entfernt. Sollte sich das Feuer diesen Bereichen nähern, könnten weitere Evakuierungen eingeleitet werden.

Die Löscharbeiten bleiben ausgesprochen kräftezehrend und mit einer hohen Rauchbelastung verbunden. Ein Feuerwehrmann wurde mit Verdacht auf einen Herzinfarkt ins Krankenhaus gebracht. Krämer sprach den freiwilligen Einsatzkräften ausdrücklich großen Dank aus. Sie leisteten seit Tagen unter extremen Bedingungen einen »unglaublichen Einsatz«.

Probleme bereitet derzeit auch die Zufahrt zu einem Einsatzbereich. Ein Flugfeldlöschfahrzeug ist in einen Graben gerutscht und blockiert den Weg. Deshalb müssen rund 60 Kräfte das Feuer dort aktuell über Schlauchleitungen bekämpfen.

Besonders aufmerksam blicken die Verantwortlichen bereits auf die Wetterentwicklung am Dienstag. Prognostiziert ist stärkerer Südwestwind. Darauf bereitet sich die Einsatzleitung vor. Auch ein eigener Einsatzabschnitt für die Brandbekämpfung aus der Luft ist eingerichtet worden, Brandherde wurden lokalisiert. Ein Hubschrauber steht ebenfalls bereit. Er soll eingesetzt werden, wenn Feuer auf deutsches Gebiet übergreift, ist aber nicht für einen Einsatz über belgischem Gebiet vorgesehen.

Wie wichtig die Zusammenarbeit über die Grenze hinweg ist, zeigt sich gerade bei diesem Großbrand. Einsatzkräfte aus Aachen und der StädteRegion unterstützen die belgischen Kräfte bereits im Rahmen von EMRIC, dem euregionalen Verbund für grenzüberschreitende Gefahrenabwehr. Andreas Dovern, Leiter des Amtes für Brandschutz, Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz der StädteRegion Aachen, sieht die Strukturen durch den Einsatz bestätigt. Die über Jahre aufgebaute Zusammenarbeit bewähre sich nun unter realen Bedingungen.

Für den Fall weiterer Evakuierungen sind auch auf deutscher Seite die Strukturen vorbereitet. Als Anlaufpunkt steht das Bürgercasino in Imgenbroich zur Verfügung, als Bevölkerungsschutzzentrum die Sekundarschule in Simmerath. Dort war bereits nach der Evakuierung von Ruitzhof und Geisberg eine Betreuungsstelle eingerichtet worden.

Noch befindet sich der Brand weiterhin auf belgischem Gebiet. Von Entwarnung will dennoch niemand sprechen. Die besondere Vegetation des Hohen Venns und der Torfboden machen die Brandbekämpfung schwierig. Selbst dort, wo oberirdisch keine Flammen mehr zu sehen sind, können Glutnester im Boden weiterbestehen. Hinzu kommen Wind und wechselnde Rauchentwicklung. Die kommenden Stunden und insbesondere die vorhergesagte Windentwicklung am Dienstag bleiben deshalb entscheidend.

Für Krämer steht neben der Sorge um die unmittelbar betroffenen Bürger vor allem eines im Vordergrund: Vertrauen in die Einsatzkräfte und die offiziellen Informationen. Die Behörden wollen bei Veränderungen der Lage weiterhin unmittelbar warnen: "Folgen Sie den behördlichen Hinweisen und nicht Falschinformationen, die im Netz kursieren.